Untere Rotmainaue Bewohner wünschen sich eine Bushaltestelle

Sie leben gerne in der Unteren Rotmainaue. Was Barbara Mundt (Zweite von links) und ihren Nachbarinnen Gabriele Franz, Erika Meier und Isabella Keil (von links) jedoch noch fehlt, ist eine Haltestelle des Stadtbusses.⋌ Foto: Gunter Becker

BAYREUTH. Sie leben gerne in der Unteren Rotmainaue. Mitten in der Natur, nicht weit entfernt von der Innenstadt. Die Mieten sind günstig in den Häusern der Gewog, die Wohnungen hell und geräumig. Barbara Mundt und ihre Nachbarinnen haben den Umzug nie bereut. Nur einen Wunsch haben sie zur Vollendung ihres Glück: „Wir benötigen dringend eine Busanbindung“, sagt Mundt.

Wo bis vor wenigen Jahren die Behelfswohnungen der Herzogmühle standen, entwickelt die Gemeinnützige Wohnungsbau- und Wohnungsfürsorgegesellschaft der Stadt Bayreuth (Gewog) das neue kleine Wohngebiet Untere Rotmainaue. Fünf, vielleicht sechs Mehrparteienhäuser sollen insgesamt entstehen. Zwei mit zusammen 24 Wohnungen sind bereits bezogen. Wenn alle Häuser errichten sind, werden es 56 Wohnungen sein.

Und wie in anderen Neubauprojekten hat die Gewog auch beim Bau dieser Häuser darauf geachtet, dass die Wohnungen im Erdgeschoss behindertengerecht sind. Erika Meier und ihr Mann bewohnen eine dieser Wohnungen. Beide sind gehandicapt, wie ihre Ausweise belegen.

Erika Meier kann nur noch kleine Strecken gehen, für größere Entfernungen benutzt sie ein motorisiertes Wägelchen. Ihr stark sehbehinderter Mann ist auf den Rollstuhl angewiesen. Die Aussicht, eine behindertengerechte Erdgeschosswohnung beziehen zu können, erleichterte den Entschluss, die Wohnung in Hochparterre zu kündigen.

Und die Aussicht, auch in Zukunft mit dem Stadtbus mobil sein zu können. „Als wir uns um die Wohnung beworben haben, hat die Gewog-Mitarbeiterin beteuert, dass es eine Busanbindung geben wird“, sagt Meier. Die Nachbarinnen Gabriele Franz und Isabella Keil stimmen ihr zu. Auch sie wollen diesen Satz gehört haben.

Der für sie eine wichtige Bedeutung birgt. Sind sie doch alle ohne Auto, legen die Wege zum Einkaufen oder zur täglichen Arbeit zu Fuß zurück. Lediglich Barbara Mundt benutzt das Fahrrad. Und schwärmt von der Anbindung, egal ob am Roten Main entlang oder auf dem Radweg am Nordring.

„Für Menschen mit Behinderung ist es aber kaum möglich, von hier in die Stadt zu kommen. Und wenn die anderen Häuser bezogen werden, werden noch mehr auf den Bus angewiesen sein“, betont Barbara Mundt. Erika Meier fügt hinzu: „Ich fühle mich hier unten wie lebendig eingesperrt. Wenn es einen Bus gebe, könnten wir mal zum Eis essen in die Stadt fahren.“

Wirtschaftlich nicht vertretbar

Bei den Stadtwerke hätte man sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, antwortet Pressesprecher Jan Koch auf eine Kurier-Nachfrage. Den Wunsch nach einer direkten Busanbindung können wir auch gut verstehen, allerdings haben wir im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens festgestellt, dass es wirtschaftlich und ökologisch nicht vertretbar wäre, weil wir das Gebiet nicht über eine Erweiterung einer bestehenden Linie erschließen können, sondern eine neue Linie schaffen müssten“, schreibt Koch.

Doch dafür sei das Baugebiet einfach zu klein: Die Busse wären zu schlecht ausgelastet und könnten in der Stichstraße zudem nicht wenden. Koch: „Um die Entfernung zur nächstgelegenen Haltestelle Klinik Herzoghöhe in der Kulmbacher Straße deutlich zu verkürzen, haben wir damals vorgeschlagen, einen neuen Fußweg anzulegen.“

Über Treppen zur Haltestelle

Ähnlich hat auch Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe in ihrem Schreiben an Barbara Mundt geantwortet. Die Bewohnerin hatte im Februar im Namen und mit den Unterschriften aller Mieter darauf hingewiesen, dass in der Unteren Rotmainaue zahlreiche Menschen mit Körperbehinderung und schulpflichtige Kinder, die nicht zur Schule gefahren werden könnten, wohnen. Es brauche deshalb unbedingt eine Busanbindung.

Merk-Erbe verwies auf einen eigens gebauten, barrierefreien Fußweg zur Melanchtonstraße und einen geplanten Fußweg zur Kulmbacher Straße, der aber aus topografischen Gründen über eine Treppenanlage verlaufe. Barbara Mundt könne aber versichert sein, dass die Stadtverwaltung wie auch die Stadtwerke daran arbeiteten, „die bestehende Buserschließung weiter zu optimieren“.

Pressesprecher Joachim Oppold fügt noch hinzu, dass das neue Wohngebiet in alle Himmelsrichtungen für Fußgänger und Radfahrer gut zu erreichen sei. In Richtung Innenstadt bestehe eine direkte Führung entlang des Roten Mains, in Richtung Westen und zur Bushaltestelle an der Kulmbacher Straße sei ein neuer barrierefreier Fuß- und Radweg zur Melanchthonstraße angelegt worden und am Nordring bestünden Fußwege in beide Richtungen. Zu einer möglichen Busanbindung schreibt Oppold nichts.

Barbara Mundt und ihre Nachbarinnen wollen sich mit der Ablehnung nicht abfinden und auch weiter für eine Anbindung ihres Wohngebietes an den Stadtbus kämpfen. Was sie optimistisch stimmt: Dass in den nächsten Monaten und Jahren weitere Mieter in die Untere Rotmainaue ziehen und damit der Bedarf wächst. Wegziehen werden sie aber nicht. Weil es hier unten doch so schön und friedlich ist.

 

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