Uni Open Air Wütende Rapper crashen Interview mit Campus TV

BAYREUTH. Selbst tief im Unigebäude vibrieren die Fensterscheiben noch. Wer weglaufen will, hat keine Chance, denn den Hip-Hop-Beats entkommt heute niemand. Die wummern am Samstag so stark über Pflastersteine des Uni-Campus, dass es in den Knien kitzelt. Hip-Hop dominiert in diesem Jahr das „Uni Open Air“ und der Headliner stellt klar: Es braucht keine Berliner Ghetto-Herkunft, um mit wuchtigen Beats und harten Texten abzuräumen. Zugezogen Maskulin schreien ihre Fans an, bis die Stimme versagt. Das Duo, das nach Berlin „zugezogen“ ist, singt von Perfektionswahn und Fremdenhass, ironisch und durchaus intelligent – nur ihre Attitüde nervt gewaltig, gehört aber wohl zum Image.

Ihr Groll bricht sich bahnen, auch im Interview mit Campus TV (CTV), dem uni-eigenen Fernsehsender aus Bayreuth. „Ist mir mittlerweile echt egal, ob uns die Leute verstehen oder nicht“, pampt Rapper Testo Reporterin Franziska Kirchner an. Auf das mitgebrachte Interesse der engagierten CTV-Crew scheinen die beiden keine Lust zu haben und verschwinden wenig später vor laufender Kamera in die Garderobe. Show oder nicht – der Stimmung hat das nicht gut getan. Das Interview gibt es in Kürze auf den Kanälen von Campus TV zu sehen.
 
Für gute Stimmung hingegen sorgt Kuso Gvki. Der DJ mixt in seinem Programm Schlagzeug und Bass zu seinen flirrenden Samples. Seine mächtigen Dubstep-Beats schäumen die Menge auf. Trotz Maske bleibt er nahbar, beklatscht die grandiosen Soli seines Schlagzeugers frenetisch – sympathische Musiker haben einfach was. Gleiches gilt für Kid38. Der Rapper aus Bayreuth eröffnet das „Uni Open Air“ mit cleveren Texten aus der eigenen Feder.
 
Stimmungswechsel: von Hip-Hop zu Reggea
 
Mit The Magic Mumble Jumble ändert sich die Atmosphäre promt. Mit der achtköpfigen Folk-Pop-Band zieht unvermittelt ein bisschen Woodstock-Feeling in das Rondell vor der Bühne ein. Ein psychadelisch-bunter Bühnenhintergrund, Kunstblumen an den Mikroständern und Seifenblasen, die im Sonnenlicht glitzerten. Vom ersten Trompeten-Ton an hat Leadsänger Paul Instance das Publikum im Griff. Leben, Liebe, Lachen: „If happiness was right above, won?t you try to touch the sky?“ Es kann manchmal so einfach sein. „Glaubt ihr an die Liebe?“, ruft Instance ins Publikum. Und die Menge jubelt. Und wiegt gelöst sanft im gechillten Wohlfühl-Sound der Folkmusiker.
 
„We all want sunshine“, „Show your love.“ Die meisten würden sich mit den Songs wahrscheinlich am liebsten durch den ganzen Abend tragen lassen. Die Band Blinker besteht nicht etwa aus Anglern. Denn ein Blinker, das ist eigentlich ein Metallköder, der zum Angeln von Raubfischen verwendet wird. Oft verziert mit bunten Fender.
 
Der Frontman Blinker der gleichnamigen Band nennt sich selbst einen Mensch gewordenen Köder. Klar, so ganz unauffällig ist er mit seinem pinken Iro und den roten Socken auch nicht. Blinker ist nicht Punk. Zumindest nicht per se. Auf der Bühne packen sie es kräftig an: „Glücklich sein mit dem Scheiß auf den wir Bock haben“, und seine Songs sind durchaus mit Tiefgang und überlegt; so singt er in „Herr Doktor“ über die Generation der Mittzwanziger: „Hauptsache woanders und am besten noch mehr Action. Dabei ist jeder, den ich kenn’ in Therapie, aber alle haben Spaß wie noch nie.“
 
All das kleidet er in einen eher poppigen Sound, manchmal süßlich, was er durchbricht, wenn er mal die Akustikgitarre auspackt. Zusammen mit der ersten kühlen Abendbrise ziehen zwei eiskalte Engel auf der Bühne ein. Sehr roboterhaft marschieren Nina und Lotta Kummer in weißen Satinkleidern im Gleichschritt ein, beinahe soldatisch, begleitet vom getragenen Keybordsound.
 
Etwas sperrig und mechansich bleibt dann auch der Auftritt der beiden Schwestern mit Johannes Bonitz an den Tasten. Aber das gehört auch zum Programm. So ist sie halt, die Indi-Band aus Chemnitz. Blond und Barbie können ja die anderen machen. Nebenbei bemerkt: Ja, Kummer, Chemnitz und Musik – die beiden Mädels sind tatsächlich die Schwestern von Till und Felix von Kraftklub.
 
Als Nachfolger des sonnig-fröhlich-unbeschwerten Sounds ihrer Vorgänger haben es die zwei „Blonden“ etwas schwer, aber man hört ihnen doch gerne zu, lässt Musik und Texte auf sich wirken, während man sich mit dem Angebot aus den drei Foodtrucks für den weiteren Abend stärkt.
 
 
 

1 Kommentar

Kommentieren

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading