Uni-Campus Kulmbach Noch ist nicht jedes Schräubchen fest

Das Interesse am Campus Kulmbach der Universität Bayreuth ist groß: Gründungsdekan Prof. Stephan Clemens erläutert Besuchern, wie das 
Gelände neben dem Bahnhof von der Uni in Zukunft genutzt werden könnte. Foto: Peter Kolb

BAYREUTH/KULMBACH. Ein Schild am Eingang der Hornschuch-Villa weist den Weg: Die siebte Fakultät für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit der Universität Bayreuth hat ihren Sitz in Kulmbach. Doch noch sind viele Hürden zu überwinden, bis dort die ersten Studenten ein- und ausgehen.

Der Ernährungs-Campus, einst vom bayerischen Kabinett bei der Sitzung in Kulmbach beschlossen, wird kommen. Das steht fest. Aber der Dekan der neuen Fakultät, Stephan Clemens, hat noch einige Baustellen zu beackern. Genau genommen seien es vier, wie der Professor und Lehrstuhlinhaber für Pflanzenphysiologie in einem Gespräch am Rande des Denkmaltags in Kulmbach schilderte.

Noch Verhandlungen mit der Brauerei

Sein Büro befindet sich in repräsentativen Räumen im ersten Stock der sanierten Villa. Hinter ihm an der Wand: Ein Luftbild des Güterbahnhofsgeländes, wo der Ernährungscampus dereinst stehen soll. Und da wären wir schon bei der ersten Baustelle: dem künftigen Standort für den Campus mit Vorlesungssälen, Seminarräumen, Laboren und einer Mensa. Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs gehört der Kulmbacher Brauerei. Der Eigentümer wollte es als Erweiterungsfläche nutzten. Derzeit wird noch mit der Immobilien Bayern verhandelt. „Ich sehe darin die einzige vernünftige Lösung“, sagt Clemens. „Auf einem 50 000 Quadratmeter großen Grundstück kann die Uni noch wachsen. Das wäre eine attraktive Perspektive.“ Mit der Brauerei fänden vertrauensvolle Gespräche statt, sagt der Gründungsdekan, der zuversichtlich ist, dass „ein Interessenausgleich und eine Lösung für alle“ möglich sind.

Historisches Gebäude ist nicht barrierefrei

Da der Campus vermutlich noch Jahre brauchen wird, bis er in der Stadt Kulmbach durch Neubauten sichtbar wird, müssen der Professor und seine Mitarbeiter an einer Übergangslösung arbeiten. Baustelle Nummer zwei. Denn die Lehrstühle, die nach Kulmbach sollen, brauchen eine funktionierende Infrastruktur. In der Villa würden zwar Seminarräume zur Verfügung stehen. Allerdings ist das historische Gebäude nicht barrierefrei. „Wir könnten übergangsweise Teile der Spinnerei nutzen, um dort Arbeitsplätze für Studenten und eine kleine Bibliothek einzurichten.“ Das Wichtigste seien jedoch Labore, um dem wissenschaftlichen Anspruch gerecht zu werden. Diese jedoch fehlten, so Clemens. Am Max-Rubner-Institut habe die Universität zwar bereits eine Forschungsstelle. „Die Kapazität wird aber nicht ausreichen.“ Zumal das Institut womöglich selbst noch erweitern wolle.

Herausforderung bei der Stellenbesetzung

Daher denke die Uni über die Anmietung von Räumen nach oder den Ankauf von Modulbauten. Am Standort Straubing der Technischen Universität München sei einer ähnlichen Problematik so begegnet worden. Der Campus für Biotechnologie und Nachhaltigkeit habe solche Container für Labore angeschafft. In Kulmbach würden sie nächstes Jahr gebraucht. Denn im Wintersemester 2020/21 sollen die ersten Studenten im internationalen Master-Studiengang Lebensmittelsicherheit anfangen.
Die nächste Herausforderung stellen die Stellenbesetzungen dar. Zu besetzen sind fünf Professuren, für Biochemie der Ernährung, für das Metabolom der Ernährung, Digitale Gesundheit und Datenverarbeitung in den Lebenswissenschaften, Lebensmittelrecht und das Management von Wertschöpfungsketten in der Ernährungsindustrie. Zudem ist eine Juniorprofessur für den Einfluss von Ernährung und Bewegung auf die Gesundheit ausgeschrieben.

„Man muss die Bereitschaft mitbringen, sich auf dieses Abenteuer einzulassen"

Viele seiner Kollegen aus Bayreuth würden sich mit dem Vorhaben identifizieren. „Wir werden unser Möglichstes tun, dafür zu werben und proaktiv Kandidaten anzusprechen“, sagt Clemens über das Besetzungsverfahren. „Man muss die Bereitschaft mitbringen, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Ein Campus im Aufbau ist mit viel Arbeit verbunden, aber bietet auch sehr viel Gestaltungsmöglichkeiten, weil noch nicht jedes Schräubchen festgezurrt ist.“ Als „Selbstläufer“ sieht Clemens das Vorhaben noch nicht. Da die Uni Bayreuth im Wettbewerb mit vielen anderen um die besten Köpfe stehe. „Wer erfolgreich forschen will, braucht eine klare Perspektive.“ Er hofft, junge Talente anlocken zu können, die längerfristig bleiben.

Kulmbach benötigt vernünftige, finanzielle Ausstattung

Zwei Bachelor- und fünf Master-Studiengänge sollen in Kulmbach angeboten werden. Sie sind konzipiert – jetzt müssen sie nur noch angenommen werden. Der erste Master, der nächstes Jahr starten soll, wird sich um die Qualität und die Sicherheit von Nahrungsmitteln drehen. Mit ihm sollen Zukunftsfragen der Ernährung beantwortet und die globalen Märkte untersucht werden. Doch ohne eine „vernünftige finanzielle Ausstattung“ könne der Campus nicht aufgebaut werden. Daher müsse jedes Jahr aufs Neue um Haushaltsmittel und politische Unterstützung gekämpft werden, sagt der Gründungsdekan. Was in Kulmbach aufgebaut wird, soll nachhaltig sein.

Infrastruktur für die Studierenden ausbauen

Die jungen Frauen und Männer, die in Kulmbach ihr Studium beginnen, sollen sich gut betreut fühlen. „Uns fehlt noch eine Servicestelle, die sich um die Bedürfnisse der Studierenden kümmert“, sagt Clemens über die vierte Baustelle. Dem Professor schwebt ein zentraler Ansprechpartner vor, der berät und weiterhilft. „Dafür müssen wir eine akzeptable Infrastruktur aufbauen.“ Um gute Studienanfänger anzulocken, sei das Angebot noch besser zu vermarkten. Zugleich müssten die Verkehrsoptionen verbessert werden: Zum Beispiel ein Semesterticket bis Kulmbach einzuführen und die Radwege zwischen Bayreuth und Kulmbach auszubauen. Es gibt also noch einiges zu tun, bis alles ineinandergreift.

 

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