Unfallstatistik Doppelt so viele Tote im Straßenverkehr

Auf Oberfrankens Straßen starben im vergangenen Jahr 49 Menschen. Gründe waren wieder: Raserei, Alkohol und Drogen. Und es gibt immer mehr Wildunfälle.

Im Juni 2022 kam es im Landkreis Hof zu einem schrecklichen Unfall: Bei Pulschnitzberg prallte ein Auto gegen einen Baum, zwei junge Menschen starben. Foto: NEWS5/NEWS5 / Fricke

Drastischer Anstieg: Auf Oberfrankens Straßen sind 2022 insgesamt 49 Menschen bei Unfällen gestorben. Gegenüber dem Vorjahr (25) entspricht dies fast einer Verdoppelung. Eindeutig zuweisbare Ursachen für diese fatale Entwicklung gebe es nicht, sagt der oberfränkische Polizeivizepräsident Armin Schmelzer am Montag bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr. Dass es sich um einen statistischen Ausreißer handeln könnte, darauf weist auch die Entwicklung bei der Zahl der Schwerverletzten hin. Mit 885 lag sie 2022 nur unwesentlich über dem Niveau von 2021 und deutlich unter dem Schnitt der letzten zehn Jahre. Im Corona-Jahr 2021 lag die Zahl der Verkehrstoten zudem mit 25 historisch niedrig.

Nach der Werbung weiterlesen

Unter dem Schnitt der letzten zehn Jahre liegt auch die Zahl der Verkehrsunfälle: 2022 wurden in Oberfranken 31.213 Unfälle registriert, in Bayern 375.500. Deutlich weniger waren es nur in den Corona-Jahren 2020 und 2021, als Lockdowns und Homeoffice den Straßenverkehr spürbar reduziert hatten. Neben der Steigerung der Verkehrsbelastung könnten Ablenkungen durch Handy und Radio die Zahlen erhöht haben, mutmaßt Schmelzer. Zudem habe es im vorigen Jahr einige besonders schwere Unfälle gegeben, bei denen gleich mehrere Menschen starben.

Im langjährigen Vergleich fällt zudem auf, dass der Anteil der Autofahrer an den Toten auf nun rund 50 Prozent leicht abgesunken ist, während der Anteil der Radfahrer zunimmt. Bei den Verletzten hat sich der Anteil der Radler innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt. In deutlich über 50 Prozent der Unfälle waren die Radler Unfallverursacher oder sogar alleinbeteiligt.

Ebenfalls erschreckend: Von den sechs toten Radlern des vorigen Jahres hatten fünf keinen Schutzhelm getragen. Polizeivizepräsident Schmelzer kommentierte bitter: „Über 90 Prozent der Deutschen schützen ihr Handy mit einer Hülle, aber nur 20 Prozent der Radler schützen ihren Kopf mit einem Helm.“ Die Zahle der Motorradunfälle blieb konstant niedrig, aber weiterhin sind Motorradfahrer überdurchschnittlich oft unter den Toten. 2022 waren es elf.

Hauptursachen für Verkehrsunfälle sind der Statistik zufolge weiterhin überhöhte oder unangepasste Geschwindigkeit sowie Fahrten unter Drogen und Alkohol. Bei 1715 Geschwindigkeitsunfällen wurden 2022 in Oberfranken 631 Menschen verletzt und 22 getötet. 2021 hatte es nur fünf Tote wegen Raserei gegeben. Besonders tragisch war im vorigen Jahr der Fall eines jungen Paares aus Sachsen-Anhalt, das im April 2022 mit mäßigem Tempo auf dem rechten Fahrstreifen der A 9 unterwegs war. Auf Höhe der Ausfahrt Gefrees näherte sich von hinten ein 56-jähriger Autofahrer aus Erding mit Tempo 200. Er verlor die Kontrolle über seinen Wagen und krachte in das Auto des Paares. Dabei wurde deren Fahrzeug so deformiert, dass sie darin eingesperrt waren. Dann fing der Wagen Feuer. Jede Hilfe kam zu spät. Beide jungen Leute verbrannten.

Schmelzer kündigte an, dass die oberfränkische Polizei auch in diesem Jahr den Kontrolldruck hochgehalten werde, um möglichst viele Geschwindigkeitsunfälle zu verhindern oder deren Folgen zu mindern. Gleiches gelte für Alkohol- und Drogenfahrten. 2022 waren in Oberfranken bei 502 Unfällen mindestens ein Beteiligter alkoholisiert, bei 61 weiteren Unfällen waren Drogen im Spiel. 330 Menschen wurden dabei verletzt. Außerdem wurden 1579 Alkoholfahrten und 1534 Drogenfahrten aufgedeckt, ehe es zu einem Unfall kam. Allein am zurückliegenden Wochenende mussten in Oberfranken schon wieder zehn berauschte Fahrer ihren Führerschein abgeben.

Es gab aber auch erfreuliche Mitteilungen: So sinkt die Zahl der Verkehrsunfällen mit jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren beständig. 2013 waren sie noch an 3373 Unfällen beteiligt gewesen, 2022 nur noch an 2578 Unfällen. Zudem ist 2022 kein einziges Kind auf Oberfrankens Straßen gestorben. Besorgniserregend ist hingegen die Entwicklung bei den Wildunfällen: Von den 31.213 oberfränkischen Verkehrsunfällen war in 7665 Fällen ein Wildtier beteiligt. Das ist jeder vierte Unfall. 2022 starben ein Motorradfahrer und der Fahrer eines Lamborghinis, nachdem sie jeweils mit einem Reh kollidiert waren.