Umstrittener Jahrhundertbau Yarlung Tsangpo: Chinas neuer Mega-Staudamm

Markus Brauer/

Ein neuer neuer Mega-Staudamm in Tibet soll China beim Erreichen seiner Klimaziele helfen. Doch am Unterlauf des Flusses wachsen die Sorgen.

China baut in Tibet den gigantischen Mutuo-Staudamm – dreimal so groß wie der Drei-Schluchten-Damm. Während Peking Klimaschutz verspricht, warnen Kritiker vor Vertreibung, Umweltschäden und geopolitischen Risiken. Foto: Imago/NurPhoto

China hat mit dem Bau eines weiteren gewaltigen Staudamms in Tibet begonnen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet hat, verkündete Ministerpräsident Li Qiang den Baubeginn des Projekts während des Spatenstichs in Nyingchi, im Süden des autonomen Gebiets nahe der Grenze mit Indien.

Nach der Werbung weiterlesen

Der chinesische Ministerpräsident Li Qiang inspiziert eine Baustelle des Sichuan-Xizang-Eisenbahnprojekts in der Stadt Nyingchi im südwestchinesischen Autonomen Gebiet Xizang/Tibet (Archivfoto). Foto: Liu Bin/XinHua/dpa
Vertreter der chinesischen Regierung beim Baubeginn in der Stadt Nyingchi.  Foto: Liu Bin/XinHua/dpa

Kosten von fast 144 Milliarden Euro

Li besichtigte auch noch andere Großbau-Vorhaben in der Region. China will mit dem Damm am Fluss Yarlung Tsangpo Strom in andere Gegenden übertragen, aber auch Energie für die Region gewinnen.

Für den Bau des aus fünf Kraftwerken bestehenden Staudamms erwartet Peking laut offiziellen Angaben Kosten in Höhe von inzwischen geschätzt 1,2 Billionen Yuan (fast 144 Milliarden Euro).

Der Yarlung Zangbo River in der Autonomen Provinz Shigatse (Tibet). Foto: Imago/VCG
Yarlung Zangpo Grand Canyon auf einem Satellitenbild: Foto: Imago/piemags
Der Yarlung Tsangpo fließt durch eine Gebirgsschlucht. Foto: Imago/Imagebroker
Das Großprojekt lässt Umweltbedenken aufkommen und die Sorge vor einem deutlichen Eingriff in die unberührte Natur. Foto: Imago/VCG

Dreimal so groß wie Drei-Schluchten-Damm

Den Bau des Staudamms hatte sich die Kommunistische Partei in ihren laufenden Fünf-Jahres-Plan geschrieben. Im vergangenen Dezember gab Peking schließlich grünes Licht. Der Damm soll jährlich 300 Milliarden Kilowattstunden Strom gewinnen.

China will die gewaltigen Wassermassen des Yarlung Zangbo Flusses in Tibet stauen, um Strom zu gewinnen. Foto: Shen Hongbing/Xinhua/picture alliance/dpa

Er hätte damit dreimal so viel Kapazität wie der berühmte Drei-Schluchten-Damm auf dem Yangtze-Fluss und wäre der größte Staudamm der Welt.

China sieht den Damm als Beitrag für sein Ziel, bis 2030 den Höhepunkt seiner Kohlenstoffdioxid-Emissionen erreicht zu haben und bis 2060 klimaneutral zu werden.

Der neue Damm hätte damit dreimal so viel Kapazität wie der berühmte Drei-Schluchten-Damm auf dem Yangtze-Fluss und wäre der größte Staudamm der Welt. Foto: Imago/CFoto

Sorgen am Unterlauf des Flusses

Das Großprojekt ließ bereits Umweltbedenken aufkommen und die Sorge vor einem deutlichen Eingriff in die dortige Natur. Zudem beschäftigt das Projekt die Länder Indien und Bangladesch, die am Unterlauf des Yarlung Tsangpo liegen. Indien mahnte China im März, dafür zu sorgen, dass der Damm nicht die Aktivitäten der anderen betroffenen Staaten beeinträchtige.

Ohnehin liegt der Damm nahe einem Gebiet, auf das Peking und Neu-Delhi schon länger Machtansprüche erheben. China nennt die Region Zangnan, in Indien heißt sie Arunachal Pradesh. Der Streit um das Gebiet ließ eine diplomatische Eiszeit zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt anbrechen.