Kunstmuseum Bayreuth Künstler Ulrich Behl gestorben

Ulrich Behl hinter sich bewegenden Strohhalmen. Foto: Kunstmuseum Bayreuth

„Er war ein lustiger, sehr positiver Mensch, der mit einer unglaublichen Energie durchs Leben gegangen ist“, sagt Marina von Assel. Das habe ihm geholfen. Auch in den letzten Jahren seiner schweren Erkrankung. Die Übergabe seiner Schenkung an das Kunstmuseum Bayreuth wird er nun nicht mehr erleben können. Am 1. September ist Ulrich Behl im Alter von 81 Jahren in Kiel gestorben.

Bayreuth - Im März dieses Jahres hatte sich der Bayreuther Stadtrat mit dem Werk des Künstlers beschäftigt und dessen Schenkung, die die Sammlung Konkreter und Konzept-Kunst im Kunstmuseum Bayreuth inhaltlich ergänzt und ausbaut, angenommen. Museumsleiterin Marina von Assel war in den vergangenen Monaten immer wieder nach Kiel gereist, um die Schenkung vorzubereiten. „Es ist alles Weitere mit ihm abgesprochen“, sagt sie. Im Laufe des Jahres werden die Werke in Bayreuth ankommen und dann im Museum inventarisiert werden.

300 Objekte und Zeichnungen

Einer der Schwerpunkte des Bayreuther Kunstmuseums ist die Konkrete und Konzeptkunst. Bei der Schenkung handelt es sich um 300 Objekte und Zeichnungen. Einige Werke des Kieler Künstlers waren 2018 in einer Ausstellung im Neuen Rathaus in Bayreuth zu sehen. Dabei ist auch das Foto entstanden, auf dem Ulrich Behl durch farbige Plastikstrohhalme hindurch zu sehen ist. Das Objekt stand damals beim Eingang zur Ausstellungshalle. Ventilatoren setzten die Strohhalme in Bewegung, so dass weiche Bewegungen entstehen konnten. Lichtkunst und Bewegungsenergie waren für Ulrich Behl wichtige Felder seiner Arbeit.

Überdies muss der Künstler ein begeisterter Tischtennisspieler gewesen sein. Was die Entstehung einer ganz besonderen Serie von Druckgrafiken zur Folge hat. Wie Marina von Assel erklärt, hat Behl dabei mit einem mit Kohle gefärbten Tischtennisball gegen Papierblätter gespielt, die an der Wand hingen, so dass sich Zufallsverdichtungen ergeben haben. Durch die Abrücke des Balls seien kleine Druckgrafiken qua Tischtennis entstanden. „Das ist ganz spannend, weil sich dadurch eine Cloud ergibt“, sagt die Museumsleiterin.

Lottozahlenbilder

Ob Behl wohl auch ein begeisterter Lottospieler war? Man weiß es nicht. Aber: „Er war jemand, der sich mit dem Zufall auseinandergesetzt hat.“ Und Lottozahlen sind nun mal ein Zufallsprodukt. Aus diesen Zahlen, die ein Muster darstellen, hat der Künstler dann seine Lottozahlenbilder gemacht.

Ulrich Behl ist 1939 in Arnswalde geboren. Nach der Vertreibung kam er mit seiner Familie nach Scherenbostel nach Hannover. Von 1971 bis 1979 arbeitete er als Dozent für Kunsterziehung an der Pädagogischen Hochschule Kiel. Ab 1977 wandte er sich dem Bereich der Konkreten Kunst zu, zu deren wichtigen Vertretern er gehört. 1995 war Behl Teilnehmer der „Artelaguna“ bei der Biennale in Venedig. Behls Werk ist in vielen Ausstellungen und Sammlungen im In- und Ausland vertreten.

Immer wieder ist Ulrich Behl auch zu Ausstellungen nach Bayreuth gekommen. Wenn nun viele seiner Werke im Bayreuther Kunstmuseum gleichsam ihre letzte Ruhestätte finden, fügt sich eins ins andere.

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