Uffbasse: Hessisch, ned islamistisch

Von Kerstin Fritzsche
 Foto: red

Mittwochabend machte auf Twitter und Facebook ein Foto eines kleinen gefälschten Zeitungsartikels die Runde, in dem berichtet wurde, dass angeblich nach dem Angriff in Grafing eine zweite Festnahme in Märkisch-Oderland erfolgte. Ein Hesse sei dort verhaftet worden, weil er beim Telefonat Dinge wie "Alla gut" und "Alla tschüß" gesagt habe. Ein aufmerksamer Bürger habe "Allah" verstanden und die Polizei gerufen. Fragwürdige Satire. Aber mit ernstem Hintergrund. Eine gebürtige Hessin zeigt, was islamistisch anmuten könnte, aber 100 Prozent hessisch ist, so dass Sie in keinem anderen Bundesland deswegen gleich die Polizei rufen müssen.

Der Artikel:

 

Es handelt sich dabei allerdings um eine Fälschung. Die dpa erklärte auf Kurier-Nachfrage am Donnerstagmittag: "Im Internet kursiert das Foto einer angeblichen Agenturmeldung, im Zusammenhang mit der Messerattacke in Bayern sei ein zweiter Mann aus Hessen in Brandenburg vorübergehend festgenommen worden. Dieser Artikel stammt nicht von dpa, es handelt sich um eine Fälschung."

Allerdings hat die Sache eine wichtigen, erschreckenden Aspekt: Solche Sachen passieren in Zeiten, in denen Menschen wegen ständigem Terror-Verdacht tendenziell übervorsichtig reagieren, häufiger. Wirklich wahr ist hingegen nämlich, dass ein Professor in den USA ist unter Terrorverdacht geraten, weil er in einem Flugzeug Kryptisches auf Papier kritzelte. Der Mann mit dunklen Locken musste vorübergehend aussteigen und wurde vernommen, wie die "Washington Post" berichtet. Es habe sich dann herausgestellt, dass der 40-Jährige ein renommierter Volkswirtschaftler an der Universität von Pennsylvania ist, der sich kurz vor dem Start in eine Differentialgleichung vertieft hatte, wie die Süddeutsche berichtete.

Damit man "alla" aber wirklich nicht mit "Allah" verwechselt: Im Hessischen, aber auch in Mannheim ("Monnem") sowie Teilen der Pfalz und in Rheinhessen, ist "alla" ein Hilfswort im umgangssprachlichen Gespräch. Eine direkte Übersetzung ist nicht möglich, es kommt auf den Zusammenhang an.

 

Einige Beispiele:

"Alla guud (gut)": am weitesten verbreitet. Meint so etwas wie "ja dann", "ist gut", "okay". Kann aber auch meinen: "Jetzt mach mal hin/schneller!", als Aufforderung an jemanden.

"Alla hopp!": "Jetzt aber los!", ansonsten aber auch gerne ähnlich gebraucht wie "Alla gut", kann aber an der südhessischen Bergstraße sowie Mannheim/Ludwigshafen auch ähnlich wie "Alla tschüß!" als Abschiedsformel genutzt werden. Oft ein gutes Mittel zum Ausdruck von Ungeduld; derjenige möchte dann das aktuelle Gespräch gerne beenden. Wird sogar bis in den Rhein-Neckar-Raum herein benutzt, beispielsweise gibt es in Schwetzingen eine "Alla-Hopp-Stiftung", die Menschen in Bewegung bringen will. Bitte auf keinen Fall verwechseln mit dem "Alleh hopp!" als närrischem Schlachtruf der saarländischen Prunksitzung im Fasching. Die Hessen feiern ihne ihrn Fassenacht ganz annersda, gell.

 

Verwandte Begriffe:

allsemol: ab und an, manchmal

alleweil: soeben

Allmoi: Egoist

allsfort: Immer zu, ununterbrochen

allminanner: alle zusammen

 

PS: Die Abschiedsformel kennen Sie jetzt ja schon. Wenn Sie einen Hessen korrekt in seinem Dialekt begrüßen möchten, sagen Sie "Ei gude, wie?" (= Servus, wie geht es dir denn heute?"). Wenn es nicht klappt, macht das aber auch nichts, denn die Hessen sind wie die Franken tolerante, gesellige Menschen, die ihren Ebbelwoi gerne teilen, auch wenn sie nicht hundertprozentig verstanden werden. Sie sind dann nicht gleich "allaans" (alleine) wie CDU-Rechtsaußen Hans-Jürgen Irmer im Hessischen Landtag.

 

 

 

Geselligkeit gibt es zum Beispiel zu Handkäs mit Mussigg:

 

 

Oder Grie' Soß:

 

 

Achtung, auch hier Verwechslungsgefahr: Marco "Toni" Sailer, Fußball-Profi aktuell noch bei SV Darmstadt 98, ist "nur" der längste Bart der Bundesliga, aber kein Terrorist. Foto: dpa


 

 

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