Bereits als starke Dritte im Einzel bestätigte sie den Aufwärtstrend der vergangenen Wochen. Trotz vier Schießfehlern (1/2/0/1), wobei jeder mit 45 Sekunden bestraft wird, fehlten ihr dank Laufbestzeit über die zehn Kilometer (29:53,5 Minuten) nur 26 Sekunden zur Siegerin Emilie Behringer (0/2/0/1) vom SC Todtmoos. Tags darauf sicherte sich Kastl mit nur einem Fehler im Stehendanschlag ihr bestes Deutschlandpokalergebnis im Sprint über sechs Kilometer. Die Zweite Natalie Keller (SV Frankenhain) hatte bereits weit über eine Minute Rückstand. „Das Rennen war für mich ganz wichtig“, sagte die junge Landespolizistin. „Ich war schon etwas verunsichert.“

Aber auch im abschließenden Massenstart war davon nichts mehr zu spüren. Bei aufkommenden Windböen arbeitete Kastl am Schießstand vollkommen routiniert (0/1/0/0) und verteidigte unter allen Teilnehmerinnen den dritten Platz. Nicht nur bei ihren Trainern Wolfgang Rappl (in Neubau) und Tobias Reiter (am Stützpunkt in Ruhpolding) war die Freude riesengroß. „Dass mir die Qualifikation so gut gelingt, freut mich sehr. Die Laufzeit war in Ordnung, aber das Material fühlte sich am Schluss nicht mehr so gut an.“ "

"Erst einmal alles auf mich zukommen lassen“

Für die Athletin des SC Neubau war es also ein Traumstart ins Jahr 2020. Aber der Deutschlandpokal sollte ja nur die Pflicht sein. Die Kür kommt mit der Jugend-WM – und da stellt sich schnell die Frage nach den Zielen. Selina Kastl zögert ein paar Sekunden. „Ein genaues Ziel will ich gar nicht nennen. Ich will erst einmal alles auf mich zukommen lassen.“

Auf eine Sache kann die 18-Jährige in jedem Fall bauen: eine gute Vorbereitung. In diese steckte Kastl so viel Zeit wie noch nie zuvor. „Ich habe in den vergangenen Wochen im Training sehr gut gearbeitet, das zahlt sich jetzt aus“, sagt sie. Dabei ist ihr durchaus anzumerken, dass sie ordentlich Selbstvertrauen getankt hat.

Unter der Woche kommt Kastl nach eigener Aussage auf 15 bis 18 Trainingsstunden, dazu kommen zahlreiche Wettkämpfe an den Wochenenden. „Es ist schon ganz schön stressig im Moment“, sagt die oberfränkische Biathlon-Hoffnung. Sie könnte sich jetzt über all die harte Schweißarbeit aufregen – macht sie aber nicht. Warum auch. Schließlich ist es ein großes Ziel, auf das die Athletin des SC Neubau hinarbeitet: der Weltcup. Und selbst da soll noch nicht Schluss sein. „Natürlich will ich auch mal bei Olympia starten“, betont Kastl und wirkt mehr als bereit, den steinigen Weg auf sich zu nehmen.

Laura Dahlmeier als Vorbild

Inspirieren lässt sich Selina Kastl dabei übrigens von Laura Dahlmeier. Die Doppel-Olympiasiegerin von 2018 ist das große Vorbild der Oberfränkin. „Was sie geleistet hat, ist der Wahnsinn“, schwärmt Kastl. Dass Dahlmeier ihre Karriere im vergangenen Mai im Alter von nur 25 Jahren beendete, stört Kastl nicht besonders: „Das muss jeder Sportler für sich selbst wissen.“

INFO: Bevor es zur Jugend-WM in die Schweiz geht, absolviert Selina Kastl noch ein Trainingslager. Das Team des Deutschen Skiverbands (DSV) startet am Samstag nach Hochfilzen (Österreich). Neben einigen Trainingseinheiten steht dort auch die offizielle Einkleidung für die WM auf dem Plan.