Der Absturz eines Jets im Wald bei Engelmannsreuth liegt gerade mal ein Vierteljahr zurück. Noch immer wird dort nach Schadstoffen im Boden gesucht. Die Retter mussten sich im Nachhinein vorsorglich untersuchen lassen. Dabei konnte man noch zufrieden sein, dass der F 16 nicht über einem Wohngebiet abgestürzt war.

Umso erstaunter registrierten viele Auerbacher am Freitagnachmittag, dass das Militär ausgerechnet über dem Stadtgebiet und dem südlichen Umland seine Kreise drehte. Müssen sich die Menschen in der Region das gefallen lassen? Kann die Politik intervenieren? Diese Fragen stellte der Kurier den zuständigen Bundestags- und Landtagsabgeordneten.

Sehr häufig Flüge

Alois Karl könne sich die Belästigung durch derartige Übungen gut vorstellen, erklärte Harald Frank, der Referent des CSU-Bundestagsabgeordneten. Schließlich haben auch über seinem Wohnort Neumarkt über Jahrzehnte sehr häufig Flüge von Jets, Propellerflugzeugen und Hubschraubern der US-Streitkräfte und weiterer NATO-Partner stattgefunden.

Grundsätzlich sei es Karls Anliegen, dass die Belastungen der Bürger durch den Übungsbetrieb in den Bereichen der beiden Übungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels möglichst gering gehalten, und unnötige Lärmbelastungen oder weitere Folgen vermieden werden. Zum aktuellen Fall werde er sich noch mit dem Bundesverteidigungsministerium in Verbindung setzen.

Übungen waren angemeldet

Auch Harald Schwartz, Landtagsabgeordneter der CSU, hat nach der Anfrage Erkundigungen eingeholt. Im Landratsamt erfuhr er, dass die Übungen grundsätzlich angemeldet waren. „Sie waren weder überraschend noch illegal.“ Da es sich um Verteidigungspolitik handle, sei die Landespolitik allerdings nur eingeschränkt zuständig, so der CSU-Mann.

SPD-Abgeordneter Reinhold Schwartz meinte, dass er wohl auch auf die Barrikaden gehen würde, wenn Jets über seinen Heimatort donnern. Er hatte sich im Internet einen Kurzfilm über die Flugübung angesehen. Als Politiker könne er freilich Briefe schreiben und auf Antworten warten. „Leider wird hier nur was zu machen sein, wenn sich viele, viele Leute beschweren.“

„Meine Jungs fanden es super!"

Nach der Übung blieb es weitgehend ruhig im Luftraum über Auerbach. Manche fanden es womöglich schade: „Meine Jungs fanden es super! Bei jedem Überflug sind sie raus gerannt“, sagte uns eine zweifache Mutter aus Ranna, fügte aber hinzu: „Jeden Tag wäre das nichts, aber so finde ich das spannend. Sieht man halt nicht jeden Tag.“ Aussagen wie die eines Welluckers „Stört mich nicht, ist halt so“ hörte man selten. Viele Bürger reagierten eher mit Unverständnis. Es sei wirklich beängstigend gewesen, meint eine Frau.

Eine junge Mutter erzählt uns, dass sich ihre Kinder ängstlich ganz fest an sie klammerten, als die lauten Jets über die Stadt donnerten. Als Kind habe sie sich in solchen Situationen immer unter dem Tisch versteckt, erzählte uns eine Studentin und meinte dazu: „An manchen Tagen fühlt es sich an, als ob eine Front nur vier Kilometer entfernt wäre.“ Ein Ehepaar aus Nitzlbuch ist am Freitagnachmittag spazieren gegangen und erinnert sich, dass ein normales Gespräch nicht möglich war, als die Militärflugzeuge kamen.

Keine Beschwerden beim Bürgermeister

Bei Bürgermeister Joachim Neuß hat sich niemand wegen der lauten Überflüge beschwert. Das Rathaus sei allerdings am Freitagnachmittag auch nicht besetzt gewesen, sagt er. Es sei ja schon mehrere Wochen lauter gewesen. „Wir bekommen regelmäßig die Vorankündigungen. Aber was nützen diese, wenn es laut wird?“ Auch bei der Bürgerinitiative BUT hat sich niemand beklagt. Dazu Vorsitzender Thomas Dier: „Die Beeinträchtigungen waren ja eher kurzfristig.“ Viel wichtiger ist für BUT, dass auf der Schießbahn 213 unweit der Ortschaften Nitzlbuch und Bernreuth nicht mehr geschossen wird. „Wir verbuchen das als einen Erfolg unserer Arbeit.“

Im Truppenübungsplatz Grafenwöhr üben aktuell 13 Nationen, erklärte Franz Zeilmann, Pressesprecher der US-Armee. Darunter seien unter anderem Engländer und Bundeswehr. In dieser Woche sei das Manöver in der Endphase. Zu den Militärjets sagte Zeilmann, dass diese in Grafenwöhr weder starten noch landen.

Großer Radius notwendig

Die Maschinen kommen zum Beispiel vom Militärflugplatz im rheinland-pfälzischen Spangdahlem oder vom Fliegerhorst in Landsberg/Lech. Sie fliegen zum Truppenübungsplatz und proben den Abwurf von Übungsmunition im Zielgebiet. Wenn sie erneut anfliegen, sei ein großer Radius notwendig, der innerhalb des Übungsplatzes nicht gegeben ist.

Nach der Übung fliegen die F 16-Jets wieder zu ihren Stützpunkten. Dass es in der vergangenen Woche besonders laut war, habe laut Zeilmann auch am Wetter gelegen. Bei Nebel oder Wolken seien die Triebwerke am Boden wesentlich intensiver zu hören als bei klarem Himmel.