Über 320 Zeugnisse Abi – letzter Streich

Mit der Beruflichen Oberschule geht am Donnerstag die letzte Schule in die Abizeugnis-Vergabe: Mehr als 320 Schülerinnen und Schüler bekommen in der Oberfrankenhalle ihre Zeugnisse. Darunter auch Bayerns Beste in ihrer Fachrichtung. Von den Gymnasiasten sind einige noch in der Nachspielzeit. Corona hat auch hier eine Rolle gespielt.

325 Schülerinnen und Schüler sind an der Beruflichen Oberschule angetreten, rund 320 haben am Donnerstagnachmittag ihre Zeugnisse in der Oberfrankenhalle bekommen.

Berufliche Oberschule: Mit einer „Gemeinschaftsleistung der Schule“ habe man den Jahrgang 2022, der besonders unter den Corona-Einschränkungen zu leiden hatte, durch die Schulzeit gebracht, sagt der Direktor Timo Eckert im Kurier-Gespräch. Das Umschalten von Präsenz- auf Online-Unterricht sei weder für die Schule, noch für die Schüler leicht gewesen. Glücklicherweise, sagt Eckert, habe die Stadt Bayreuth die Teams-Plattform schon vor Corona zur Verfügung gestellt, womit eine einheitliche Kommunikation möglich war – kein Wirrwarr wie an anderen Schulen.

„Die Schüler haben großteils wahnsinnig viel Selbstdisziplin mitgebracht. Die das nicht hatten, haben natürlich gelitten“, sagt Eckert. Er gehe allerdings davon aus, dass auch dieser Jahrgang „gut vorbereitet ins Berufs- oder Studienleben starten“ werde. Auf eine allerdings ist Eckert besonders stolz: Auf Bayerns beste Absolventin in der Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung, Alina Fuchs. Die dritte Beste in unterschiedlichen Ausbildungsrichtungen in drei Jahren.

Die beste Abiturientin: Einen 0,94-er Schnitt hat Alina Fuchs in ihrem Abitur hingezaubert. „Die Einstellung ist sehr wichtig“, sagt die 18-Jährige am Donnerstag im Kurier-Gespräch. „Ich hab schon viel gelernt, anders kriegt man es nicht hin.“ Zudem hätten die Lehrer sie sehr gut unterstützt. Alina Fuchs hat allerdings schon vor ihrem Wechsel nach Bayreuth Top-Leistungen gebracht: Mit 1,08 hat sie die Realschule in Ebermannstadt abgeschlossen. „Dass ich es jetzt noch besser schaffe, hätte ich nie gedacht.“ Die Waischenfelderin will jetzt auf jeden Fall studieren – und zwar Lehramt, entweder fürs Gymnasium oder eine berufliche Schule.

Was ihr wichtig ist: „Bei allem Lernen muss der Ausgleich passen. Ich spiele zum Beispiel Fußball.“ Und auch das lange auf hohem Niveau in der U 17-Bundesliga in Fürth, jetzt kickt sie in Waischenfeld. „Beim Training und beim Spiel kommt man einfach auf andere Gedanken.“

An den fünf Bayreuther Gymnasien hat es die Zeugnisse schon für alle Abiturientinnen und Abiturientinnen gegeben. Für alle? Nicht ganz.

GCE: Am Gymnasium Christian-Ernestinum (GCE) „sind wir sozusagen in der Nachspielzeit“, sagt der Direktor Franz Eisentraut. Drei aus dem 54 Schüler kleinen Jahrgang hat es während der Prüfungen mit Corona erwischt, sie müssen zum Teil am Freitag noch Mathematik nachschreiben. „Wir korrigieren das dann gleich, dass am Freitagabend die Zeugnisse ausgehändigt werden können“, sagt Eisentraut, denn nächste Woche ist an den Unis Anmeldeschluss. Das Abi an sich sei wegen des kleinen Jahrgangs – der ja wegen des Lockdowns an allen Gymnasien Startschwierigkeiten hatte – recht ruhig gewesen. Klein, übersichtlich mit kleinen Gruppen für die Prüfungen.

MWG: So hat man das auch am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium (MWG) gemacht, sagt die Direktorin Elisabeth Götz. „Das Schulgebäude war geräumt, dass es totenstill war und die Schüler in kleinen Gruppen eine schöne Prüfungs-Atmosphäre hatten.“ Rund 130 Schüler hatten sich am MWG auf den Weg zum Abitur gemacht, es sei „erstaunlich, wie sie die ganzen Umstände weggesteckt haben. Wobei es innendrin bei so manchem anders aussieht.“ Die Abiturienten hätten zwar die eine oder andere Erleichterung gehabt, „geschenkt wurde ihnen aber nichts“ betont Götz.

RWG: Der zweite Jahrgang, der zwischen Präsenz und digitalem Unterricht wechseln musste, hat auch am Richard-Wagner-Gymnasium sein Abitur gemacht, sagt Chris Ströhla, der stellvertretende Schulleiter. 86 Abiturienten, darunter drei, die mit 1,0 die Schule verlassen, haben es bestanden. Er habe, sagt Ströhla, bei der Verabschiedung gesagt, dass dieser Jahrgang ein Musterbeispiel für Resilienz gewesen sei: Sie haben sich der Probleme, die auf die zukamen, angenommen, hätten durch Veränderung ihres Verhaltens darauf reagiert und die Probleme gelöst.

GMG: Mit „unserem bisher besten G-8-Schnitt“ habe am Graf-Münster-Gymnasium der zweite Corona-Jahrgang abgeschnitten, sagt Direktor Christian Kramer. Die 58 Abiturienten hätten einen Schnitt von 2,12 hingelegt, vier erreichten die Note 1,0. „Glücklicherweise konnten bei uns alle mitschreiben.“ Im Vergleich zu den Vorjahren sei alles wie am Schnürchen gelaufen – auch die Auflagen hätten viel mehr zugelassen, sagt Kramer. „Die Schüler haben das trotz Lockdown und der langen Zeit ohne Präsenzunterricht offenbar gut hinbekommen.“

WWG: Die Corona-Nachwirkungen „darf man nicht vernachlässigen“, sagt Martin Schmidt, der Direktor des Wirtschaftswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Gymnasiums (WWG) der Stadt Bayreuth mit Blick auf das Abi. „Die merkt man deutlich. Umso erfreulicher: Das Abitur ist sehr erfolgreich gelaufen. Ich war begeistert, wie alle auf den Punkt fit waren.“ 99 Abiturienten haben am WWG ihr Abitur geschrieben, lediglich ein Schüler musste in Deutsch nachschreiben.

Was Schmidt unterstreicht: Die älteren Schüler waren nicht die mit den größten Problemen. Die zwei Corona-Jahre merke man gerade in der Mittelstufe – „mit Motivationsproblemen, gerade bei den Buben“ und Wissenslücken. „Hoffen wir, dass wir das kompensieren können.“

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