TVB Stuttgart-Spieler Jan Forstbauer Ein Cannstatter in der Bundesliga

Torsten Streib

Handball-Bundesligist TVB Stuttgart spielt in der Porsche-Arena und hat einen echten Cannstatter im Team: Jan Forstbauer. Der Linkshänder sieht für sich „noch Luft nach oben“.

 
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Videoanalysen sind im Sport, vor allem im Profibereich, keine Besonderheit mehr, gehören zum Alltag. Dennoch gleicht nicht ein Blick auf die Stärken und Schwächen der gegnerischen Mannschaften dem anderen. Im Nachhinein als „komisch“ bezeichnet Jan Forstbauer, der seit seiner Geburt Mitglied beim TV Cannstatt ist, das genaue telegene Hinschauen vor der Heimpartie am vergangenen Donnerstag gegen den HSV Hamburg. Für den Rückraumspieler des Handball-Erstligisten TVB Stuttgart war es ein Blick in die eigene Vergangenheit – sechs Jahre lang warf er für die Hansestädter aufs Tor, ehe er im Sommer dieses Jahres nach Stuttgart zurückkehrte.

„Besondere Partie“ gegen Hamburg

Es sei schon anders als sonst gewesen, Videoanalysen über Spieler zu betreiben, mit denen man viele Jahre zusammengespielt und sportliche Ziele verfolgt habe, sagt Forstbauer. In seiner Zeit in Hamburg stieg er mit dem Team in die zweite und auch in die erste Liga auf. „Aus sportlicher Sicht spannende und tolle Jahre, aber auch sonst bietet die Stadt ja unheimlich viel, hat es mir super gefallen“, erzählt Forstbauer. Weniger gefallen hat ihm indes der Ausgang der Partie eben gegen den HSV , die für ihn „durchaus etwas Besonderes“ war. Die Gäste um den Trainer Torsten Jansen dominierten in der Porsche-Arena und siegten mit 28:22. Forstbauer erzielte ein Tor. „Natürlich hätte ich gegen die alten Haudegen gerne gewonnen, wir haben aber auch schlecht gespielt“, sagt er.

Jan Forstbauer bei der Präsentation durch den TVB Stuttgart Foto: Jens Körner

Generell läuft es bei den Stuttgarter Handballern alles andere als erhofft. Platz zwölf wollten sie in dieser Saison anpeilen, ein Jahr später Platz zehn. Die sportliche Realität stellt sich zur Halbzeit weniger rosig dar: Rang 15, nur vier Zähler von der Abstiegszone entfernt. Nach fünf Auftaktniederlagen wurde der spanische Trainer Roi Sanchez früh durch den langjährigen Bundesliga-Spieler Michael Schweikardt ersetzt.

„Wir verkaufen uns unter Wert“

Eben die klar formulierten sportlichen Ziele waren neben der Familie der Grund für Forstbauer, nach zehn Jahren Abstinenz mit seiner Ehefrau Sina wieder zu Bittenfeld beziehungsweis nach Stuttgart zurückzukehren. „Wir haben eine ambitionierte, talentierte Mannschaft, verkaufen uns aber unter Wert“, sagt der 30-Jährige.

Und auch mit sich selbst ist Forstbauer, Spitzname Forsti, noch nicht zufrieden. Zwar hat er alle 17 Ligaspiele bestritten und insgesamt 29 Tore erzielt. Aber: „Bei meiner Angriffsleistung ist noch Luft nach oben; es fehlt mir derzeit an der Selbstsicherheit, um mehr Durchschlagskraft zu erzeugen.“ Dinge, die in Zeiten des Erfolgs wie selbstverständlich wirken. So kommt der 1,90 Meter große und 96 Kilogramm schwere Linkshänder, der sein Abitur einst im Friedrich-Eugen-Gymnasium gebaut hat, im Augenblick verstärkt in der Abwehr zum Einsatz.

Erste Handballschritte in Cannstatt

Die ersten Gehversuche in Sachen Handball absolvierte Forstbauer in Cannstatt, bei der damaligen HSG, nun HSG Cannstatt-Münster-Max-Eyth-See. Bis zur C-Jugend spielte er dort, wechselte dann nach Kornwestheim. Er habe vor kurzem sogar ein HSG-Spiel der Männer in der Bezirksklasse gesehen und war im Rahmen des Handball-Grundschulaktionstages des Deutschen Handball Bundes und des Handballverbandes Württemberg als TVB Stuttgart-Botschafter in der Altenburgschule in Bad Cannstatt.

Profi in Bittenfeld, Melsungen und Hamburg

Über den TV Kornwestheim und TSV Schmiden kam Forstbauer 2010 zum damaligen Zweitligisten TV Bittenfeld, 2012 wechselte der 53-fache Juniorennationalspieler zum Liga-Konkurrenten SG Leuterhausen. 2013/14 stand er beim Bundesligisten MT Melsungen unter Vertrag, hatte aber zudem ein Zweitspielrecht für Leutershausen wie auch ein Jahr später für den ThSV Eisenach. In der Saison 2015/16 stand Forstbauer ausschließlich für Melsungen auf dem Parkett, ehe es ihn nach Hamburg zog.

Student der Politikwissenschaften

In der Hansestadt begann Forstbauer ein Studium in Politikwissenschaften und macht aktuell seinen Master. Wie es nach seiner sportlichen Karriere weitergeht, wisse er noch nicht. Nur so viel: „Es ist schwer vorstellbar, dass ich Trainer werde“, sagt er und lacht.

Aber soweit ist es eh noch nicht. Einige Jahre als Profi, falls er von schweren Verletzungen verschont bleibt, stehen dem Cannstatter noch bevor – verbunden mit zahlreichen Videoanalysen. Die nächste, vor der Partie beim HC Erlangen am 27. Dezember, wird wieder eine wie viele andere sein.

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