Alternativen: die Kauerndorfer könnten durch eine ständig überwachte Tempobegrenzung auf 40 km/h sofort entlastet werden. Der Sinn des teuren Tunnels müsse nochmals geprüft werden, ebenso die Möglichkeit, die Anwohner fair zu entschädigen und ihnen alternative Baugrundstücke zur Verfügung zu stellen. „Generell sind wir Grünen immer für den Erhalt von Substanz, auch von Häusern, nur muss man hier insgesamt danach fragen, was mehr Sinn macht.“
Fazit: „Natürlich sieht es gut aus, auf einem Foto ein Band zu durchschneiden und somit etwas Sichtbares getan zu haben. Ein Vorzeigeprojekt. In Bezug auf was? Wir wollen eine Diskussion anstoßen, über Alternativen beraten, Kompromisse finden, gemeinsam mit Kommunal- und Bundespolitik voranschreiten und den Menschen in Kauerndorf nachhaltig helfen.“
Gemeinderat spricht von „Dolchstoß“
Forderungen, den Tunnel zu überdenken, finden in Ködnitz kein Verständnis. Man könne getroffene Beschlüsse nicht immer wieder neu in Frage stellen.
Kritik an dem Vorstoß der Grünen und des Bunds Naturschutz zum Stopp des Tunnelbau in Kauerndorf gab es bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Ködnitz. Michael Heisinger sprach die jüngste kritische Veröffentlichung der Tunnelgegner an und forderte eine öffentliche Stellungnahme der Gemeinde Ködnitz: Entsetzt sei er von diesem Vorstoß, der auch von der Grünen-Fraktion im Landkreis unterstützt werde: „Sie fallen unserer Gemeinde und dem Projekt in den Rücken.“ Das sieht auch Bürgermeisterin Anita Sack ganz ähnlich. Kritik an dem Projekt hätte während der Planungsphase geäußert werden können. Jetzt sei alles geplant und kurz vor dem Start. „Man kann doch nicht immer einen Schritt vorwärts und dann wieder zwei Schritte zurück machen.“
Im Nachhinein nachkarten zu wollen und das, obwohl die ganze Sache seit 30 Jahren endlose Diskussionen hatte, das findet Michael Heisinger glatt daneben. Endlich sei die Entscheidung getroffen. Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner habe sich mit Erfolg für die Kauerndorfer eingesetzt. „Jetzt kommt so ein Schuss in den Rücken, dabei auch von einem Bürger unserer Gemeinde.“ Für Heisinger steht fest: „Wenn so ein Projekt beschlossen ist, dann ist es beschlossen, und man kann da nicht unendlich weiter diskutieren. Jetzt ist einfach einmal Schluss.“ Heisinger forderte Bürgermeisterin Anita Sack und den gesamten Gemeinderat zu einer öffentlichen Stellungnahme auf und ist erbost: „Für mich ist das eine Frechheit und eine Riesenschweinerei dieser Leute, die jetzt so ein Fass aufmachen, dabei mit irrwitzigen Vorstellungen.“ Die Kauerndorfer Bürger würden verunsichert und in eine Situation gebracht, die vollkommen unnötig ist“.
Für Anita Sack stellt sich die ache ganz einfach dar. Man könne und müsse im Vorfeld alle möglichen Argumente bedenken. „Aber wenn ich 50 Jahre lang alles mögliche überlege und dann endlich eine Entscheidung treffe, dann muss das auch akzeptiert werden.“ Die Kostenübernahme sei inzwischen beschlossen. Bald soll es losgehen mit dem Riesenprojekt. „Das soll jetzt gemacht werden. Ich freue mich für meine Kauerndorfer und stehe absolut dahinter.“ Die Kritiker, die jetzt aktiv geworden sind, hätten im Vorfeld genügend Möglichkeiten gehabt, ihre Bedenken einzubringen. Das sei durchaus auch geschehen.
Das Staatliche Bauamt habe hervorragend geplant. „Jetzt sind die Mittel freigegeben, da muss es doch auch mal gut sein. Wenn die Tangente fertig ist, sei das für den gesamten Landkreis gut. „Wir können doch nicht dauernd alles wieder neu diskutieren. alles wurde besprochen und abgearbeitet. Die Entscheidung für den Tunnel ist gefallen. Was soll das jetzt, alles wieder von vorn zu debattieren?“ Bereits im kommenden Herbst soll laut Anita Sack mit Vorprojekten begonnen werden. Abholzungsarbeiten für den Bau sind, wie berichtet, bereits gelaufen. Rei/mbu