Truppenübungsplatz Gefechtsübungszentrum fällt Trumps Mauerplan zum Opfer

Wird künftig mehr im Freien geschossen als zu simulieren? Ein geplantes Gefechtsübungszentrum in Grafenwöhr ist nun erst mal dem Bau der Grenzmauer zu Mexiko zum Opfer gefallen. Unser Bild vom 26. August zeigt einen US-Fallschirmjäger mit einer Panzerfaust auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Foto: U. S. Army/David Wiggins

GRAFENWÖHR. Mexikanische Mauer statt Oberpfälzer Übungszentrum: Der auf dem Truppenübungsplatz geplante „Mission Training Complex“, ein 31 Millionen-Dollar-Projekt (etwa 28 Millionen Euro) wird vorerst nicht gebaut. Mit dem Geld soll stattdessen ein Teil von Trumps Mauer zu Mexiko gebaut werden.

Zu den Wahlversprechen von US-Präsident Donald Trump hatte eine Verringerung der illegalen Einwanderung durch eine Mauer an der US-Südgrenze gehört. Die ursprünglich Mexiko zahlen sollte. Auch der US-Kongress legte sich quer, als es um die Finanzierung ging. Mit einem Kunstgriff ist es Trump nun gelungen, insgesamt 3,6 Milliarden US-Dollar aus dem Verteidigungsetat umzulenken für die Finanzierung von Teilen der Grenzmauer.

Die Logik dahinter: An der Grenze sind auch US-Truppen im Einsatz, also ist die Mauer in Verbindung mit der Ausrufung eines Notstands im weiteren Sinne ein Verteidigungsprojekt, wie die Tageszeitung „Stars & Stripes“ in ihrer Internetausgabe berichtet.

Auch andere Standorte betroffen

Das nun umgelenkte Geld war bestimmt für Bauprojekte des US-Militärs, und zwar zu etwa gleichen Teilen in den USA selbst sowie in US-Militäreinrichtungen auf der ganzen Welt. Außer dem neuen Übungszentrum in Grafenwöhr sind in Deutschland auch Vorhaben in Baumholder, Stuttgart, Ramstein, Spangdahlem und Wiesbaden betroffen – vor allem Schulen. Nicht betroffen ist eines der größten Projekte des US-Militärs in Deutschland, der Neubau des US-Hospitals in Landstuhl bei Kaiserslautern.

Der „Mission Training Complex“, ein Gefechtsübungszentrum mit Klassenräumen und Kampfsimulatoren in Grafenwöhr indes ist nicht gestrichen, sondern nur aufgeschoben, so Franz Zeilmann, der Pressesprecher der US-Garnison Bavaria in Grafenwöhr. Der für weitergehende Anfragen direkt an das US-Verteidigungsministerium verweist.

Bürgermeister gelassen

Laut „Stars & Stripes“ haben Pentagon-Offizielle die hohe Bedeutung der nun geschobenen Projekte betont und vertrauen auf eine spätere Finanzierung. Der Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch nimmt die Nachricht gelassen auf. Es werde immer mal wieder was verschoben. Und es sei relativ zu sehen auf dem Hintergrund der zahlreichen Baumaßnahmen der Amerikaner der vergangenen Jahre.

Die Verschiebung kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem der Trainingsbetrieb – und damit auch der Schießlärm – auf dem Truppenübungsplatz wieder zugenommen hat. Seit Russland 2014 die Krim annektiert und im Osten der Ukraine einen Krieg vom Zaun gebrochen hat, wächst insbesondere in den baltischen Natoländern und in Polen die Furcht vor russischer Aggression. Außer US- und deutschen üben verstärkt osteuropäische Truppen in Grafenwöhr.

Polen winkt mit Milliarden

US-Präsident Trump hat zuletzt mit Blick auf die zu geringen deutschen Verteidigungsausgaben gedroht, US-Truppen aus Deutschland nach Polen zu verlegen. Bisher sind im Baltikum und in Polen US-Truppen und andere Natotruppen auf rotierender Basis meist in provisorischen Unterkünften stationiert. Polen wirbt um eine dauerhafte Stationierung von US-Truppen und winkt mit eigenen Milliardenbeiträgen für den Bau von Kasernen und Unterkünften.

Das nun umgelenkte Geld reicht für etwa 250 Kilometer Mauer. Die gesamte US-mexikanische Grenze ist 3100 Kilometer lang.

Am härtesten trifft die Streichliste übrigens Puerto Rico, wo für 400 Millionen US-Dollar Einrichtungen erneuert werden sollten, die 2018 dem Hurrikan Maria zum Opfer fielen.

 

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