Aktuell sei es das Thema Bürokratie, das besonders den kleinen Betrieben zu schaffen macht, sagte Luger. „Immer mehr Aufzeichnungen, Bescheinigungen, Kontrollen und Statistiken lassen dem Unternehmer keinen Platz mehr für selbstverantwortliches Handeln“, sagte die Bezirksvorsitzende und forderte eine Regelung, nach der Betriebe bis zu einer gewissen Größe von gewissen Vorschriften befreit werden. Stattdessen komme jetzt die Bonpflicht hinzu, obwohl die zumindest geplanten zusätzlichen Sicherheitseinrichtungen an den Kassen gar keine Manipulationen mehr zuließen.

Das alles leiste ebenso dem Wirtshaussterben Vorschub wie die Tatsache, dass Essen, das mitgenommen oder geliefert werde, nur mit sieben Prozent Mehrwertsteuer belegt sind, während bei Speisen in Gaststätten 19 Prozent anfallen.

Das sei nicht nur ein eklatanter Wettbewerbsnachteil. Es sei angesichts der aktuellen Diskussionen um Umwelt und Nachhaltigkeit auch geradezu grotesk, dass der Bereich, wo durch die Verpackungen enorme Mengen Plastik und Pappe anfallen, gegenüber den Gaststätten bevorteilt werde, die das Essen auf Porzellan servieren. Eine entsprechende Petition habe schon knapp 67.000 Unterstützer.

Das drängendste Problem der Branche bleibe aber der Mangel an Arbeitskräften, obwohl diese Zahl in Bayern in den vergangenen zehn Jahren von 300.000 auf mehr als 400.000 zugenommen habe. „Viele Betriebe haben bereits die Öffnungszeiten reduziert oder zusätzliche Ruhetage eingeführt“, sagte Luger.

Auch in Oberfranken mit seinen laut Bezirks-Geschäftsführer Günther Elfert rund 5000 Betrieben und gut 40.000 Mitarbeitern ist die Zahl der Auszubildenden im vergangenen Jahr leicht um zehn auf 486 zurückgegangen. Vor wenigen Jahren seien es aber noch über 900 gewesen, sagte Luger. Sie appellierte an ihre Gastronomen-Kollegen, Ausbildung zur Chefsache zu machen und sich intensiv um den Nachwuchs zu kümmern.

Ralf Barthelmes, Präsidiumsmitglied im Dehoga-Landesverband, räumte auf Kurier-Nachfrage ein, „dass wir es auch versäumt haben, unsere Preise nach oben anzupassen, auch um unsere Mitarbeiter noch besser bezahlen zu können. Niedriglöhne wie früher kann sich zwar niemand mehr leisten, wenn er gute Leute haben will. Aber mit der Industrie können wir trotzdem nicht annähernd mithalten.“

Gut sei, dass die Staatsregierung mittlerweile die Systemrelevanz der Branche mit 447.000 Mitarbeitern in gut 40.000 Betrieben erkannt und zum Beispiel das Gaststättenmodernisierungsprogramm aufgelegt habe. Allerdings sei die Nachfrage zehn Mal so hoch gewesen wie die 30 Millionen Euro im Topf. „Das zeigt doch, dass die Betriebe investieren wollen. Deshalb braucht es jetzt eine Fortführung, damit auch andere Betriebe in den kommenden Jahren profitieren können“, sagte Barthelmes.


Übernachtungszahlen

Bis Ende November sind die Übernachtungszahlen in Oberfranken um 2,6 Prozent gestiegen, die Zahl der Ankünfte sogar um 3,2 Prozent. Das seien die zweitbesten Werte im Freistaat nach Oberbayern und besser als der Bayernschnitt mit jeweils 2,2 Prozent, sagte Dehoga-Bezirkschefin Andrea Luger.

Für das Gesamtjahr werde die Zahl der Übernachtungen im Bezirk deshalb erneut bei deutlich über fünf Millionen liegen. Die Bettenauslastung mit gut 40 Prozent und die Aufenthaltsdauer von im Schnitt 2,4 Tagen blieben nahezu gleich.

Allerdings gibt es deutlich regionale Unterschiede. Auch wenn Coburg ein kleines Minus von 0,3 Prozent hinnehmen musste, zeigen die Steigerungsraten von Bamberg (plus 6,0 Prozent), Hof (plus 8,7) und Bayreuth (10,3 Prozent), dass der Megatrend Städtereisen anhält, so Luger.

Allerdings verzeichneten auch die Ferienregionen Frankenwald (plus 6,5), Fichtelgebirge (plus 4,7), Coburg-Rennsteig (plus 2,3) und Steigerwald (plus 1,1) Zuwächse. Lediglich in den Bereichen Obermain-Jura (minus 0,4) und Fränkische Schweiz (minus 2,1) gingen die Übernachtungszahlen leicht zurück.