Trotz schwül-heißem Wetter strömen Tausende Besucher zur Eröffnung in den Stadel Bierwoche: Neun Tage Ausnahmezustand

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Folklore und Tradition: Das Kulmbacher Bierfest vereint beides auf ziemlich einzigartige Weise. Zur Eröffnung der 65. Kulmbacher Bierwoche strömten am Samstag Tausende in den Bierstadel am Zentralparkplatz. Jetzt darf neun Tage lang ausgelassen gefeiert werden.

Die Zeremonie zum Auftakt erfolgt seit Jahrzehnten nach dem selben Ritual: Aufstellung vor dem Rathausportal, Tanz der Büttner, Schüsse der Böllerschützen, Zug der Brauereivertreter, Stadt- und Kreisräte in den Bierstadel. Der Oberbürgermeister trägt ein Gedicht vor - und zapft das erste Fass Festbier an. So geschah es auch in diesem Jahr. Und so muss es sein: Rituale stiften Identität und Vertrautheit.

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Im Zelt ertönen "Henry"-Rufe, so mancher der Ehrengäste, wie der Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrich tragen kleine, herzförmige Sticker am Revers mit der Aufschrift "Prost, Henry". Die Temperaturen im Zelt sind fast angenehmer als draußen, die Stimmung ausgelassen. Brauereivorstandssprecher Markus Stodden begrüßt stellvertretend für seine Vorstandskollegen Jörg Lehmann und Otto Zejmon die Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Darunter die Bundestagsabgeordneten Thomas Silberhorn, Emmi Zeulner und Hans Michelbach, die Landtagsabgeordneten Inge Aures, Baron Ludwig von Lerchenfeld und Martin Schöffel und Landrat Klaus Peter Söllner. Aus Bayreuth dabei sind Unipräsident Stefan Leible und IHK-Präsident Heribert Trunk.

Schon Tage vor dem Auftakt verwandle sich Kulmbach, so Stodden. "Überall hängen Fahnen und Bierduft schwebt über der Stadt, weil das Festbier eingebraut wird."Jetzt könne der neuntägige Ausnahmezustand beginnen, die fünfte Jahreszeit in Kulmbach.

Oberbürgermeister Henry Schramm schlägt routiniert und gezielt den Zapfhahn ein - und das erste Festbier konnte fließen. Seine Rede in Reimen leitet er ein mit den Sätzen "Ein Schuss ein Tor, ganz Deutschland lacht, unsere Jungs haben den Titel klargemacht ...".  Mit Witz und Ironie verknüpft er die Freude über den WM-Titel mit der Bierwoche, auf der sicherlich  "weltmeisterlich" gefeiert werde.

Zum ersten Mal als Bierkönigin nimmt Tina-Christin Rüger am Auftakt des Bierfestes teil. "Ich bin wahnsinnig stolz, dass ich dabei sein darf", sagt die Kronacherin. "Alle sind gut drauf und freuen sich. Ich will gar nicht mehr heim." Bevor sie zur bayerischen Bierkönigin wurde, besuchte die Oberfränkin privat schon die Bierwoche. Jetzt ist der Terminkalender der sympathischen 26-Jährigen rappelvoll, die ihren Beruf als Sanitäterin nach wie vor ausübt. "Ich versuche, so oft es geht, meinen Freund und meine Freunde mitzunehmen", erzählt sie.

Auch Landrat Söllner genießt den jährlichen Aufzug: "So viele Freunde wie zur Bierwoche hat der Landrat sonst nie", sagt er ins Mikrofon. Und Friedrich lobt die Qualität des Kulmbacher Biers.

Das schmeckt auch den Chinesen vorzüglich. Eine Abordnung der Kulmbacher Handelspartner aus Peking nahm an der Eröffnung teil und genoss das Festbier und das deftige Essen. "Wir sind in China sehr trinkfest", sagt einer von ihnen stolz. In allen chinesischen Provinzen sei Kulmbacher Bier inzwischen zu kaufen. Vier Festwirte betreuen an die vier Ausschankecken im Bierstadel: Claudia Ohnemüller (Mönchshof), Rita Schulz (EKU), Guido Kögel (Kulmbacher) und Elfriede Frank (Kapuziner).

Wie die Polizei meldet, war die Stimmung am ersten Bierfestwochenende friedlich. Nur an der Stadthalle waren Jugendliche phasenweise aggressiv, wurden aber von den Sicherheitskräften zurechtgewiesen. Zum Bierfestauftakt kam es kurz nach 14 Uhr vor der Stadthalle zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Männern. Dabei schlug einer dem anderen so heftig mit der Faust ins Gesicht, das der zu Boden ging und von den BRK-Helfern behandelt werden musste. Zirka 9000 Besucher waren am Abend im Stadel. Bei einem Besucher stellte die Polizei ein Messer sicher.


Eine Bildergalerie vom Auftakt der Bierwoche können Sie hier anschauen.