Tops und Flops Seit 2016 spielten 25 Ausländer für die Tigers

Siegmund Dunker
Der Fels in der Brandung und eine der größten Enttäuschungen auf einem Bild: Torhüter Tomas Vosvrda (Mitte) und Stürmer Nathan Robinson (links) standen in der Saison 2016/17 gemeinsam für die Tigers auf dem Eis. Foto: imago/Hartenfelser/imago sportfotodienst

In Bayreuth spricht man Finnisch. Drei der vier Kontingentspieler für die kommende DEL2-Saison stammen aus dem Land des amtierenden Weltmeisters. Vor allem diejenigen Klubs, deren Budget keinen tiefen Kader zulässt, sind in hohem Maße abhängig von der Qualität ihrer ausländischen Leistungsträger. So auch die Tigers, die seit 2016 durchgehend der DEL2 angehören. Doch wie erfolgreich waren die Bayreuther bei der Besetzung dieser Schlüsselpositionen? 25 Kontingentspieler aus zehn verschiedenen Ländern trugen seit 2016 das Dress der Tigers: fünf Amerikaner, vier Kanadier, vier Tschechen, drei Finnen, zwei Schweden, zwei Slowenen, zwei Letten, ein Russe, ein Slowake und ein Litauer. Man kann den Bayreuthern nun wirklich nicht nachsagen, dass sie ein bestimmtes Jagdrevier gehabt hätten. Der Mut zur Internationalität korrespondierte aber auch mit einer erheblichen Fluktuation. Wir unterziehen sämtliche Kontingentspieler aus den vergangenen Jahren einer Kurzbewertung und geben eine Einschätzung, was von dem neuen Quartett der Tigers zu erwarten ist.

Torwart Tomas Vosvrda (2016 bis 2018, 82 Hauptrundenspiele, 92 Prozent Fangquote): 1,93 Meter groß, 102 Kilogramm schwer – der Tscheche beeindruckte allein schon mit seiner Physis und avancierte zwei Spielzeiten lang zum Fels in der Brandung. Mit ihm als Nummer eins erreichten die Tigers in der Saison 2016/17 zum ersten und einzigen Mal das Playoff-Viertelfinale der DEL2.

Stürmer David Wohlberg (2016/17, 50 Spiele, 20 Tore, 21 Vorlagen): Nach einer illustren College-Karriere spielte der Amerikaner vier Jahre lang für die Farmteams der NHL-Klubs New Jersey Devils und Carolina Hurricanes, ehe er den Sprung über den großen Teich wagte. Den hohen Erwartungen, die sich aus seiner Vita ergaben, wurde Wohlberg aber nur bedingt gerecht. Solide, aber kein Unterschiedsspieler.

Stürmer Ainars Podzins (2016/17, 4 Spiele, 1 Tor, 2 Vorlagen): Nur vier Auftritte absolvierte der Lette im Tigers-Dress, danach zog es den Wandervogel schon weiter. Suchte mit Verve den Abschluss, dabei mit mäßigem Erfolg.

Stürmer Fedor Kolupaylo (2016 bis 2018, 25 Spiele, 7 Tore, 12 Vorlagen): Mit 19 Jahren avancierte der hochtalentierte Russe im Frühjahr 2016 zum Aufstiegshelden. Verscherzte es sich im Sommer dann aber mit der Vereinsführung, als er trotz bestehenden Vertrages mit einem Wechsel nach Russland kokettierte. Nach 23 DEL2-Spielen bekam er seinen Wunsch dann doch erfüllt. Kehrte in der Folgesaison für zwei Partien zu den Tigers zurück. Verschenkte sein Potenzial für eine große Karriere, zuletzt nur noch viertklassig unterwegs.

Stürmer Nathan Robinson (2016/17, 12 Spiele, 5 Tore, 6 Vorlagen): Er hatte drei Deutsche Meisterschaften gewonnen und in 331 DEL-Spielen 252 Scorerpunkte gesammelt. Als die Bayreuther im Januar 2017 die Verpflichtung des 35-jährigen Kanadiers verkündeten, rieben sich nicht nur die Fans der Tigers verwundert die Augen. Robinson eilte der Ruf eines brillanten Skaters voraus, der an der Scheibe alles kann. Doch der nur 1,75 Meter große Außenstürmer kam in Bayreuth nie so richtig an, fand keine Bindung zu seinen Reihenkollegen und enttäuschte in den Playoffs maßlos.

Stürmer David Kuchejda (2016/17, 9 Spiele, 2 Tore, 3 Vorlagen): Der Tscheche war so etwas wie der Gegenpol zum schillernden Robinson: mannschaftsdienlich, zweikampfstark, aber eben auch mit deutlich weniger Talent versehen.

Stürmer Ivan Kolozvary (2016 bis 2022, 287 Spiele, 59 Tore, 151 Vorlagen): Was soll man über ihn noch sagen? Eine Bayreuther Eishockeylegende. Zweieinhalb Jahre lief der gebürtige Slowake für die Tigers in der DEL2 als Kontingentspieler auf, danach erhielt er seinen deutschen Pass und beendete unlängst mit 39 Jahren seine Karriere. In Erinnerung bleiben wird er nicht nur als Spielmacher mit hoher Spielintelligenz, sondern auch als feiner Mensch.

Torwart Martins Raitums (2017/18, 7 Spiele, 87,21 Prozent Fangquote): Der Lette kam, um den verletzungsbedingten Ausfall von Vosvrda abzufedern. Hatte leider nicht annähernd dessen Qualität.

Stürmer Eric Chouinard (2017/18, 27 Spiele, 12 Tore, 25 Vorlagen): Mit der Verpflichtung des 37-jährigen Franko-Kanadiers gelang den Tigers im November 2017 erneut ein Transfercoup. Schließlich hatte der ehemalige Erstrundenpick des NHL-Rekordchampions Montreal Canadiens seine Qualitäten über viele Jahre auch bereits in der DEL in Straubing und Nürnberg nachgewiesen. Mit seinem exzellenten Schuss und seiner starken Übersicht verzückte Chouinard auch die Bayreuther Fans. Seine Erfahrung half ihm zudem in vielen Situationen, seine Geschwindigkeitsdefizite zu kaschieren.

Stürmer Anthony Luciani (2017/18, 32 Spiele, 26 Tore, 20 Vorlagen): Das 1,73 Meter große Kraftpaket bildete mit Chouinard ein brandgefährliches Duo und verwertete dessen Vorlagen mit beeindruckender Effizienz. Ein Spieler, der Spaß machte, weil er das Risiko suchte. Sein nonchalantes Defensivverhalten strapazierte die Geduld seines Trainers Sergej Waßmiller.

Stürmer Ziga Pesut (2017/18, 9 Spiele, 3 Tore, 2 Vorlagen): Der slowenische Nationalspieler kam nicht über die Rolle eines Mitläufers hinaus.

Stürmer Michal Barta (2017/18, 10 Spiele, 0 Tore, 2 Vorlagen): Der Tscheche war stark am Bullypunkt, in der offensiven Zone aber erschreckend harmlos.

Verteidiger Jake Newton (2018/19, 13 Spiele, 4 Tore, 6 Vorlagen): Der mit Gardemaß ausgestattete Amerikaner brachte beste Referenzen mit nach Bayreuth, schließlich hatte er in der Vorsaison zu den punktbesten Verteidigern in Finnlands Topliga gezählt. In Bayreuth übernahm der Amerikaner sofort die Rolle des Powerplay-Quarterbacks. In der eigenen Zone gab er den sanften Riesen, was nicht als Kompliment zu verstehen ist. Nutzte schließlich eine Ausstiegsklausel, um zurück nach Finnland zu wechseln.

Verteidiger Simon Karlsson (2018 bis 2021, 106 Spiele, 20 Tore, 50 Vorlagen): Der Schwede kam als Nachfolger von Newton und stabilisierte die Defensive der Tigers auf Anhieb. Er hatte zwar nicht das offensive Flair des Amerikaners, bestach aber mit seiner Ruhe an der Scheibe und intelligentem Defensivspiel. Entwickelte sich nach seinem Wechsel nach Dresden im vergangenen Sommer noch einmal weiter.

Stürmer Arnoldas Bosas (2018/19, 20 Spiele, 7 Tore, 4 Vorlagen): Nach einer überragenden Oberliga-Saison für Regensburg hatte es der 1,94 Meter große Litauer in der DEL2 deutlich schwerer, mit seiner Physis zu dominieren. Ließ in den ersten Saisonwochen zwar Torjägerqualitäten aufblitzen, mit seiner eindimensionalen Spielweise hatte er es aber bei Waßmiller-Nachfolger Petri Kujala schwer. Tauchte ab November zunehmend unter und wechselte schließlich zurück in die Oberliga.

Stürmer Johan Lorraine (2018/19, 6 Spiele, 2 Tore, 3 Vorlagen): Der spät verpflichtete Schwede beeindruckte im Saisonendspurt mit seiner Schnelligkeit, war danach aber auch schnell wieder weg.

Stürmer Juuso Rajala (2018 bis 2021, 148 Spiele, 34 Tore, 118 Vorlagen): Trainer Kujala setzte gerne auf seine Landsleute – mit Erfolg. Rajala entpuppte sich als begnadeter Spielmacher, der insbesondere in seiner zweiten Bayreuther Saison (50 Assists in 51 Spielen) die gegnerischen Defensivformationen mit seinen Zauberpässen nach Belieben sezierte. Verlor zum Ende seiner Bayreuther Zeit aber jegliches Vertrauen in seinen Abschluss, was ihn zu leicht ausrechenbar machte.

Stürmer Ville Järveläinen (2018 bis 2022, 205 Spiele, 122 Tore, 123 Vorlagen): 1,65 Meter geballte Torgefahr: Der kleine Finne mutierte insbesondere in der vergangenen Saison zur Lebensversicherung der Tigers und stellte mit 43 Treffen in der Hauptrunde einen DEL2-Rekord auf. Sein Schuss ist eine Waffe, die aber nur deshalb so gefährlich ist, weil Järveläinen es meisterlich beherrscht, sich der Bewachung seiner Gegenspieler zu entziehen. Sein Instinkt für freie Räume auf dem Eis ist herausragend. Verlängerte seinen Vertrag bis 2025 – ein Glück.

Verteidiger Roni Rukajärvi (2019/20, 12 Spiele, 0 Tore, 0 Vorlagen): Als Übergangslösung für den verletzten Martin Heider verpflichtet, blieb der finnische Defensivspezialist genau das: eine Übergangslösung. Brachte zwar höherklassige Erfahrung mit nach Bayreuth, präsentierte sich aber nur begrenzt DEL2-tauglich.

Verteidiger Kurt Davis (2020 bis 2022, 104 Spiele, 19 Tore, 79 Vorlagen): Der DEL-erfahrene Amerikaner kam im Februar 2020 nach Bayreuth und wurde seiner angedachten Rolle als Offensivverteidiger auf Anhieb gerecht. Brillierte in der Folgesaison mit 52 Scorerpunkten in 50 Spielen. Die Stärken des geschmeidigen Skaters kamen vor allem im Powerplay zur Geltung. Musste den Spielaufbau oft alleine schultern. Aufgrund seiner geringen Körpergröße von 1,73 Metern mit Problemen in der defensiven Zone.

Stürmer Drew Melanson (2019/20, 29 Spiele, 12 Tore, 20 Vorlagen): Zunächst mit einem Probevertrag ausgestattet, spielte sich der Amerikaner schnell in die Herzen der Fans. Überzeugte mit seiner Beweglichkeit, Intensität und guter Übersicht.

Verteidiger Matic Podlipnik (2021/22, 13 Spiele, 1 Tor, 2 Vorlagen): Für den verletzten Davis verpflichtet, verlieh der Slowene der Tigers-Abwehr mit seiner unaufgeregten Spielweise auf Anhieb Sicherheit. Rutschte nach Davis’ Rückkehr aus der Rotation und kehrte den Tigers im Februar schließlich den Rücken.

Stürmer Luke Pither (2021/22, 40 Spiele, 12 Tore, 26 Vorlagen): Der Kanadier wollte nach langer Verletzungspause in Bayreuth wieder durchstarten. Doch der technisch versierte Center benötigte lange, um seinen Rhythmus zu finden. Hatte dann immer wieder gute Phasen, präsentierte sich für einen Kontingentspieler insgesamt aber nicht konstant genug und fiel im Saisonendspurt aus.

Stürmer Jan Hudecek (2021/22, 3 Spiele, 2 Tore, 2 Vorlagen): Nicht groß, nicht schnell, aber sehr smart: Als Pither-Ersatz fügte sich der spielintelligente Tscheche rasch ins Team ein und hatte mit acht Treffern in den Playdowns entscheidenden Anteil am Klassenerhalt der Bayreuther.

Stürmer Cason Hohmann (2021/22, 48 Spiele, 14 Tore, 60 Vorlagen): Der kleine Amerikaner bildete mit Järveläinen in der abgelaufenen Saison ein kongeniales Duo. Schleppte unermüdlich Scheiben in die offensive Zone und glänzte vor allem im Powerplay als exquisiter Spielmacher. Hätte mit mehr Kaltschnäuzigkeit im Abschluss noch deutlich mehr Scorerpunkte erzielen können.

Die Neuen: Drei neue Kontingentspieler verpflichteten die Tigers für die anstehende Saison, und sie alle lassen den Puls nach oben schnellen. Große Namen garantieren noch keinen Erfolg, doch auf dem Papier haben die Tigers das beste Quartett an Kontingentspielern seit dem Aufstieg 2016 beisammen. Der Finne Sami Blomqvist terrorisierte im Dress des ESV Kaufbeuren die Abwehrreihen der DEL2. Der Kanadier Philippe Cornet zählte über Jahre zu den Leistungsträgern des finnischen Erstligisten HPK Hämeenlinna und hat seine Torjägerqualitäten auch bereits in einem Gastspiel für die Kassel Huskies (2020/21) in der DEL2 unter Beweis gestellt. Järveläinen, der in der vergangenen Saison 27 (!) Treffer mehr als der zweitbeste Torschütze der Tigers (Dani Bindels) erzielt hat, dürfte durch die beiden Neuen erhebliche Entlastung erfahren. Die Bayreuther werden viel schwerer auszurechnen sein. Und auch mit Petteri Nikkilä, einem der prägenden Offensivverteidiger aus Finnlands Topliga, dürfte den Tigers ein Coup gelungen sein. Er dürfte den abgewanderten Davis schnell in Vergessenheit geraten lassen.

 

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