Tölzer Löwen profitieren von einem Trainerwechsel Der Playoff-Gegner des EHC Bayreuth unter der Lupe

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Nur ein Platz trennt die Oberliga-Konkurrenten EHC Bayreuth (4.) und Tölzer Löwen (5.) nach Ende der Hauptrunde, doch die Punktedifferenz beträgt stolze 20 Zähler. Die Tigers gehen also ab Freitag – auch wegen des Heimvorteils – als Favorit in die erste Playoffrunde. Doch Vorsicht ist geboten: Die Oberbayern steigerten sich gerade in den zurückliegenden sieben Spielen. Der Grund? Ein Trainerwechsel.

Ein mannschaftsdienlicher Spieler mit Durchsetzungsvermögen: Joseph Lewis (Mitte) ist mit 19 Treffern und 35 Vorlagen Topscorer der Tölzer Löwen. Foto: Scheitterer Foto: red

Vor der Partie am 6. Februar gegen Sonthofen übernahm Yanick Dubé das Traineramt von Florian Funk. Zwar wirkte sich das nicht sofort aus – das Heimspiel ging 3:4 verloren –, doch dann folgten fünf Siege, nur Meister EHC Freiburg war eine Nummer zu groß.

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Noch deutlicher als an der Punktebilanz sieht man die Veränderungen bei den Tölzern an der Spielweise. Dubé war mit dem ambitionierten Vorhaben gestartet, ein neues System zu integrieren. Trotz der kurzen Zeit ist das schon zum Teil gelungen. Der DEL-erfahrene und langjährige Spieler der Löwen paukt mit seiner Mannschaft Theorie und setzt neue Akzente im Training.

Auffälligstes Resultat: Die Oberbayern sichern besser nach hinten ab und lassen kaum einfache Gegentreffer zu. Zudem tritt das Team jetzt wieder als Mannschaft auf, jeder arbeitet für den anderen.

Der Star ist die Mannschaft

Und Bad Tölz muss über die Mannschaftsleistung ins Spiel finden. Einen überragenden Block sucht man bei den Löwen vergeblich. In der ligaweiten Scorerliste ist der bestplatzierte Tölzer Joseph Lewis – auf Platz 16.

Zum Vergleich: Mit Ivan Kolozvary (4. Platz/86 Punkte), Andreas Geigenmüller (8./72), Jozef Potac (10./65) und Michal Bartosch (11./63) stehen gleich vier Bayreuther unter den Top 15. Löwen-Topscorer Lewis (19 Tore/35 Vorlagen) fällt vor allem durch seine Schnelligkeit auf und dabei hat er auch stets den Blick für den besser platzierten Nebenmann. 35 Vorlagen sind der mit Abstand beste Werte im Tölzer Team, zudem hat Lewis die zweitmeisten Treffer erzielt (19). Seine größte Stärke ist das Zusammenspiel mit den Reihenkollegen. Egal ob mit Klaus Kathan und Florian Strobl oder Tom-Patric Kimmel und Christoph Kabitzky, Lewis punktet weiter.

Auch, weil die vier anderen genannten Stürmer im Tölzer System kaum ersetzbar sind. Ex-Nationalspieler und Führungspersönlichkeit Kathan bringt mit seiner Erfahrung oft Ruhe ins Spiel, der pfeilschnelle Strobl ist stetiger Antreiber, der wuchtige Kimmel ist ein guter Techniker mit Zug zum Tor und Torjäger Kabitzky (20 Treffer) darf keine Sekunde unbewacht bleiben.

Routiniers in der Abwehr

In der Abwehr ziehen vor allem Christian Kolacny und Lubos Velebny die Fäden. Kolacny ist dabei ein grundsolider Verteidiger, der kaum Fehler macht und im Spielaufbau oft gesucht wird. Er gab bereits 24 Torvorlagen. Velebny, der 33-jährige Slowake wurde erst während der Saison verpflichtet, spielt hinten routiniert und sucht vorne mit seinem starken Schlagschuss oft den Abschluss.

Mit Marco Wölfl und Jakob Goll verfügen die Tölzer über ein ausgeglichenes Torhüterduo. Jedoch agieren die beiden Keeper in dieser Saison eher auf mittelmäßigem Oberliga-Niveau. Dabei sind sie aber sicher besser als ihr Gegentorschnitt (3,7) aussagt, Bad Tölz hat mit 161 Gegentreffern die schlechteste Bilanz aller Playoff-Teilnehmer. Allerdings fehlte Wölfel zuletzt verletzungsbedingt – wie übrigens auch Stürmer Christoph Fischhaber. Ob das Duo bis zum Playoff-Auftakt fit wird, steht noch nicht fest.

Kader mit vielen Talenten

Da spielt es den Tölzern in die Karten, dass sie über einen schier unerschöpflichen Kader verfügen. Ohne einen großen Leistungsverlust können die Löwen Spieler aus der eigenen Jugend nachschieben. Darunter Junioren-Nationalspieler wie Torwart Konstantin Kessler, Christian Heller, Fabian Schlager und Daniel Merl.

Vier Reihen bieten die Tölzer eigentlich immer auf. Dabei sind die ersten beiden, etwa gleichstarken Reihen hauptsächlich für die Tore verantwortlich, während der dritte und vierte Block die Topformationen der Gegner stoppen und müde spielen soll. Angesichts dieses Potenzials ist es verwunderlich, dass die Tölzer erneut ihre eigenen Ziele klar verpasst haben. Vor der Saison strebte der Traditionsverein einen Platz unter den Top vier an.

Großer Zuschauerschwund

Die Folge ist ein deutlicher Zuschauerschwund. Im Schnitt wollten nur 882 Fans die Löwen-Heimspiele sehen. Eingeplant war ein Durchschnitt, der auf dem Niveau des Vorjahres (1079) lag. Die schlechten Zuschauerzahlen hat aber wohl auch Ex-Trainer Florian Funk mit zu verantworten. Er war bekannt als Mann der klaren Worte – und machte seinen Unmut auch gegenüber den Fans deutlich. Zudem warfen die Fans Funk vor, dass die Mannschaft in seiner fünfjährigen Amtszeit zuletzt keine Entwicklung mehr nahm. Seit dem Jahr 2012 mit der gewonnenen Oberliga-Meisterschaft – auch die Vereinsentscheidung, den sportlich erreichten Aufstieg in die Zweitklassigkeit nicht wahrzunehmen, stieß vielen Fans sauer auf – hinken die Tölzer ihren eigenen Ansprüchen deutlich hinterher.