Tobias Holfelder vom GCE Abitur mit 899 von 900 Punkten

Tobias Holfelder an seiner Schule, die er mit herausragendem Abi verlassen hat. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Nach dem Abi war er einfach mal weg. Mit den Eltern. In New York. Davor allerdings hat er – nicht nur – in den letzten zwei Jahren seiner Schulzeit am Gymnasium Christian-Ernestinum (GCE) in einer eigenen Liga gespielt. Und ein Abi hingelegt, das ihm so schnell keiner nachmacht. Das in jeder Hinsicht einzigartig ist. 899 Punkte hat Tobias Holfelder gesammelt – mehr als alle Absolventen in den Jahren davor.

Tobias Holfelder (18) lacht viel. Ist ausgesucht freundlich. Und wenn er sagt, er habe die Punkte nicht unerbittlich gejagt, dann glaubt man ihm das auch. Denn genauso, wie er beharrlich für die Schule gearbeitet hat, wie er sagt, hat er sich auch eingebracht – selbst in einer Phase, in der es buchstäblich um jeden Punkt geht.

Tutor war er in der Mittelstufe für die Kleinen. „In der zwölften Klasse war ich Jahrgangsstufen-Sprecher. Und die Abi-Feier habe ich natürlich auch mit organisiert“, sagt er am Dienstag im Gespräch mit dem Kurier.

Seit der fünften Klasse habe er „nie große Probleme an der Schule gehabt, unüberwindliche Hürden habe ich keine gesehen“, sagt er. „Wobei: Barren oder Reck, das waren an der Schule nie meine großen Freunde“, sagt er. Um gleich nachzuschieben, dass ihm die Ball-Sportarten eher liegen. Tennis, zum Beispiel. Handball hat er auch gespielt. Und zwei Halbjahre mit viel Spaß Basketball. „Und Tanzen, das habe ich auch recht weit gemacht.“

Fünf mal 15 Punkte allein im Abi

Wegen einer Klassenfahrt steigt Tobias Holfelder eine Woche später in die zwei entscheidenden Jahre der Schulzeit ein. Die Q-Phase, in der im Block immer Klausuren geschrieben werden, „da spielen die Lehrer Tetris, um auszuloten, wo noch was reingeht“, sagt er.

Da man ja nie wissen könne, „wie es am Schluss im Abi läuft“, habe er die Punkte nicht gejagt. „Ich wollte so gut wie möglich abschließen – und schauen, was rauskommt. Alle Punkte zu haben, das war es nicht.“

Obwohl er es nicht nur in der Abi-Prüfung geschafft hat, alle Punkte zu haben. Fünf mal 15 in den Prüfungen. Besser geht nicht. Dass er 899 von 900 Punkten erreicht hat, findet er – wie seine Mitschüler – sogar ganz witzig. Und er weiß natürlich auch, wo er den Punkt liegen gelassen hat. „In der letzten Klausur in Wirtschaft und Recht, da hatte ich 13 Punkte.“

Mit dem Abi in der Tasche geht es jetzt erst einmal die Festspielzeit über den Grünen Hügel hoch „als Blauer Mann“, wie er mit einem Lächeln sagt. „Danach drei Monate Praktikum im Klinikum, wenn ich die Zusage kriege.“ Und danach: „Wenn es mir zusagt, möchte ich Medizin studieren.“

Stipendium am Maximilianeum abgelehnt

Überraschung: Das Stipendium am Maximilianeum hat er „abgelehnt. Erstens, weil man im Maximilianeum nicht Medizin studieren kann. Und dann weiß ich nicht, ob es das ist, was ich mir so für mich vorstelle: Im Kreis der Illustren und Hochbegabten zu wohnen. München ist schon schön, aber ich brauche es zum Studium nicht zwingend.“

Der Direktor des GCE, Franz Eisentraut, gerät förmlich ins Schwärmen, wenn er an die Prüfung denkt, die er besucht hat. Griechisch-Colloquium von Tobias Holfelder. „Das habe ich mir mit angehört. Das war ein Hochgenuss“, sagt Eisentraut im Gespräch mit dem Kurier.

„Tobias hat nicht einfach Wort für Wort übersetzt, er hat eine freie Übersetzung gewählt, bei der man gesehen hat, welche Substanz dahinter steckt. Allein das Wort Logos, was ja mit Geist übersetzt werden kann – er hat Sinn gewählt, was einfach stimmiger war. Allein dieses Colloquium hat gezeigt: Da ist so viel auf fruchtbaren Boden gefallen, noch dazu in einer besonderen Weise.“

So etwas noch nie erlebt

Fünf Jahre ist es her, da gab es ein Ergebnis am GCE, das auch besonders war: Zwei Schülerinnen hatten punktgleich mit 897 Punkten ihr Abi absolviert. Die 1,0 auf dem Zeugnis deutlich unterboten.

„Das, was Tobias geschafft hat, habe ich aber noch nie erlebt“, sagt Eisentraut. „Wahrscheinlich ist er der Beste, der je die Schule verlassen hat.“ Dieses Abitur sei „schon was Exponiertes, weil ja wirklich zwei Jahre lang wirklich alles passen muss“, weil man sich als Schüler zwei Jahre lang keinen Schnitzer erlauben darf, der eine Leistung auf dem Niveau schnell verkratzen würde. „Das ist wie ein Finale, das zwei Jahre dauert. Für das man Eifer, Talent und natürlich auch Glück braucht.“

 

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