Droht „Stiftland 21“? Widerstand gegen Windparks im Landkreis Tirschenreuth

Udo Fürst

TIRSCHENREUTH. Die Diskussion um die Standorte von Windkraftanlagen in der Region nimmt immer neue Dimensionen an. Nachdem bekannt wurde, dass das Stiftland zum Mittelpunkt der Windenergie in der nördlichen Oberpfalz werden soll, kündigen einige – vor allem CSU- – Bürgermeister härtesten Widerstand gegen das Vorhaben des Planungsverbandes Oberpfalz Nord an. Neualbenreuths Rathauschef Albert Köstler zum Beispiel droht sogar mit einem „Stiftland 21“.

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„Solange ich etwas zu sagen habe, werde ich dafür eintreten, dass wir ,windkraftfrei’ bleiben. Ich nehme die Bevölkerung mit auf die Straße, dann gibt es eben Stiftland 21“, kündigte Köstler Widerstand gegen die Pläne an. Das Papier sieht bei Neualbenreuth und Waldsassen große Flächen für Windparks vor. Dagegen soll der Bereich von Kemnath frei von Windkraftanlagen bleiben.

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Tut in der Seele weh

Mehr als die Hälfte der vom Planungsverband vorgeschlagenen Vorrangflächen liegen im Landkreis Tirschenreuth. Die größten zusammenhängenden Windparks in der Oberpfalz sind demnach bei Waldsassen und Neualbenreuth vorgesehen. Ausgerechnet dort, wo die Akzeptanz ausgesprochen gering ist und wo sich auch schon Bürgerinitiativen gegen Windräder gegründet haben. „Die Planungen entsprechen nicht dem, was wir uns vorgestellt haben“, sagt der Bürgermeister von Waldsassen, Bernd Sommer (CSU). Die Stadt habe längst eigene Pläne, die aber im Entwurf nicht berücksichtigt seien. „Auf jeden Fall müssen die Sichtachsen zur Wallfahrtskirche Kappl und zum Kloster freigehalten werden.“ Sommer plädiert dafür, die Planungen den Kommunen zu überlassen.

Auch in Neualbenreuth stößt der Entwurf auf strikte Ablehnung. Das Sibyllenband sei eine exponierte touristische Einrichtung, unterstreicht Bürgermeister Albert Köstler (CSU). „Mir würde es in der Seele wehtun, wenn um unser Tal herum Windräder die unverbrauchte Landschaft zerstören würden.“

Landrat Wolfgang Lippert dazu: „Wir müssen den Spagat schaffen, dass wir zwar Windkraft brauchen, diese aber nicht überall hingesetzt werden kann.“ Deshalb müssten allein die Kommunen entscheiden dürfen, wo solche Anlagen entstehen sollen.

„Kommunen dürfen mitreden“

Trotz aller Bedenken und Kritik gab der 24-köpfige Planungsausschuss Oberpfalz Nord grünes Licht für das Beteiligungsverfahren. Damit ist der Entwurf Grundlage für das weitere Vorgehen in Sachen Windkraftnutzung in den Landkreisen Amberg-Sulzbach, Schwandorf, Neustadt/WN und Tirschenreuth sowie den Städten Amberg und Weiden.

Der Ausschussvorsitzende, der Neustädter Landrat Simon Wittmann (CSU), entkräftete die Einwände mit dem Versprechen, dass den Kommunen nichts übergestülpt werden solle. „Projekte, die jetzt genehmigungsfähig sind, können ohne Probleme aufgenommen werden“, erklärte er. Mit dem Start des Beteiligungsverfahrens werde „in keinster Weise“ eine Vorentscheidung getroffen. Vielmehr gehe es im folgenden Prozedere darum, die konkreten Vorstellungen einzuarbeiten. Städte, Gemeinden, Behörden und Verbände erhalten den Entwurf in den nächsten Tagen. Bis zum 31. Dezember sollen sie eine Stellungnahme dazu abgeben.

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