Rettungskarten im Auto Sonnenblende sinnvoll nutzen

Die Rettungskarte sollte hinter der Fahrersonnenblende mitgeführt werden, meint der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) und der stellvertretende Kommandant Timo Pohl. Foto: mabu

Rettungskarten im Auto erleichtern den Rettungskräften im Falle eines Unfalls die Arbeit

Meistens, wenn die Feuerwehren im Einsatz sind, muss es schnell gehen. Ein Auto brennt, Menschen sind eventuell eingeklemmt und die Zeit drängt. Zwar können die Retter diese Szenarien üben, doch keine Alarmierung ist wie die andere. Gerade die Vielfalt bei den Fahrzeugen und deren unterschiedliche Bauarten erschweren den Einsatz der Feuerwehrleute. Was viele Bürger nicht wissen, es gibt eine einfache Hilfe: die Rettungskarte. Ein einfaches Mittel, um den Rettungskräften alle nötigen Informationen schnell mitzuteilen.

Schon über zehn Jahre gibt es nun die Rettungskarte offiziell. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erstellte mithilfe der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (VFDB) das Konzept, wie eine solche Karte die Sicherheit der Feuerwehrleute gewährleisten und das Retten von verletzten Personen unterstützen kann. Die Idee war relativ einfach, denn jede dieser Karten enthält eine detaillierte Skizze des jeweiligen Automodells, auf dem gewisse Baumerkmale eingezeichnet sind – wie zum Beispiel, wo sich die Airbags befinden, der Kraftstofftank sitzt oder die Karosserieverstärkung verbaut wurde.

Große Herausforderungen für die Feuerwehren

Letzteres stellt auch die größte Feuerwehr der Umgebung vor eine große Herausforderung, wie der stellvertretende Kommandant Timo Pohl berichtet. Vor ein paar Jahren wollten die Verantwortlichen der Pegnitzer Feuerwehr ihre Geräte testen sowie den ehrenamtlichen Helfern die Möglichkeit geben, an einem schweren Fahrzeug zu üben. Für diese Übung erhielt die Feuerwehr einen fabrikneuen BMW X5 (Wert 50 000 Euro) aus einer nicht für den Verkauf bestimmten Nullserie. Das bedeutet, dass dieses Auto für genau solche Zwecke produziert wurde. Zum Testen und Experimentieren. Mutwillig wurde das Fahrzeug mit einem Bagger deformiert und anschließend zwei Tage lang mit diversen Rettungsgeräten bearbeitet.

Das Ergebnis war erschreckend. Dadurch, dass die Sicherheitssysteme in den modernen Autos immer besser werden, hatten die Feuerwehrleute große Schwierigkeiten, das Fahrzeug zu zerlegen. Zum einen konnten die Scheiben kaum noch eingeschlagen werden, die Kunststoff-Karosserie ließ sich nicht verformen und letzten Endes scheiterte sogar die kräftige Rettungsschere am Seitenaufprallschutz. „Sie hat es nicht geschafft, die B-Säule durchzuschneiden. Da war dann Schluss und die Schere an ihrer Grenze“, mahnt Pohl, der sich Sorgen um die vorgeschriebene Rettungsfrist macht. Bei der Übung erhielten die Feuerwehrleute zwar einen Tipp eines Kollegen der Nürnberger Feuerwehr, doch dieser sei nicht ungefährlich für die Insassen des Fahrzeugs. Das Dach könne mithilfe von Rettungszylindern abgesprengt werden. So käme man zwar relativ schnell an die zu Rettenden, doch die Lärmentwicklung der Sprengung sei so enorm, dass die Verletzten vorher eigentlich narkotisiert werden müssten.

Früher habe man einen V-Schnitt gemacht, um an die eingeklemmten Personen zu kommen. Doch auch davon mussten die Kräfte abrücken. In den oberen Säulen säßen nämlich nun die Gaskartuschen für die Airbags. „Wenn man da reinschneidet, dann sprengt es einem die Schere entgegen. Das ist lebensgefährlich für alle Beteiligten.“ Eigentlich müsse man direkt an der B-Säule ansetzen. Doch was ist, wenn die Geräte nicht mehr kräftig genug sind? „Die ganze Diskussion im Stadtrat um die Ausrüstung der Feuerwehr macht einfach keinen Sinn. Wir brauchen die aktuellste Technik.“ Gerade, weil die Automobilindustrie sich durchgehend weiterentwickle und ständig neue Sicherheitspakete zum Schutz der Insassen verbaue. Doch genau diese Technik erschwere eben nun die Arbeit der Feuerwehr, wenn denn mal was passiert. „Wir haben da irgendwann keine Chance mehr.“

Rettungskarte kann im Ernstfall Leben retten

Die Rettungskarte mache vor allem auch in Zeiten von E-Autos Sinn, da von diesen ebenfalls eine große Gefahr ausgehe. Es gebe viele Dinge, die die Rettungsarbeiten an verunfallten E-Autos erschweren. Zum einen könnte es sein, dass ein solches Fahrzeug immer wieder das Brennen anfängt, weil die Batterie beschädigt wird und mit der Luft reagiert. Zum anderen verliefen dicke Kabel durch das Fahrzeug, die den Strom verteilen und ebenfalls zur Gefahr für die Einsatzkräfte werden könnten. „Da gibt es dann auf der Rettungskarte, falls wir denn eine haben, gewisse Symbole, auf die wir achten müssen. Hier durchschneiden oder an dieser Stelle eben nicht.“ Natürlich gehe der stellvertretende Kommandant nicht davon aus, dass jeder nach einem Unfall an die Rettungskarte denkt und den Feuerwehrleuten ungefragt übergibt, doch auch daran habe man bereits gedacht. So empfiehlt der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC), die Rettungskarte hinter der Fahrersonnenblende zu platzieren, da dieser Ort mit allen Feuerwehren international vereinbart wurde.

Zwar sei das Ausdrucken dieser Rettungskarte keine Pflicht, könne aber im Ernstfall Leben retten, ist sich Pohl sicher. Jeder könne im Internet nach seinem Fahrzeug suchen und die entsprechende Datei herunterladen, ausdrucken und hinter die Sonnenblende klemmen. Der Vorgang dauere wenige Minuten und helfe, die Rettungszeit von einer Stunde einzuhalten. Bis dann müsse nämlich ein Verletzter spätestens in einer Klinik versorgt werden. „Das ist nur ein Beispiel, an dem man festmachen kann, wie wichtig solche kleinen Dingen wie die Rettungskarte sind, und natürlich, dass die Feuerwehr immer auf dem neuesten Stand der Technik sein sollte.“

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