Man müsse also kein Fußball-Professor sein, um das aktuelle Problem der DFB-Auswahl in der Defensive auszumachen: „Ich bin ein großer Freund davon, mit dem Bau eines Hauses beim Fundament zu beginnen. Und im Fußball ist das Fundament die Arbeit gegen den Ball. Darauf kann man dann aufbauen so hoch man will.“

Die Ursachen für den Rückstand des Teams von Bundestrainer Joachim Löw mit 0:2 und später 2:3 sieht Rost weniger in taktischen Details, als in personellen: „Es gibt in diesem Team viele richtig feine Fußballer, die ein Spiel vorne entscheiden können. Havertz, Gnabry, Werner – gar keine Frage. Wenn solche Leute aber den defensiven Zweikampf nicht ganz so konsequent annehmen, dann braucht es eben auch Leute, die hinten das Heft in die Hand nehmen – auch gern mal verbal –, eben bestimmen, wo und wann gepresst wird. Die dürfen auch hin und wieder ein wenig eklig sein.“

Mit Kritik an Löw hält sich der Altstädter Coach zurück: „Jede Mannschaft ist ein Spiegelbild ihres Trainers. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.“ Ein Grundsatz für die Zusammenstellung des Kaders ist ihm aber doch wichtig: „Ich habe die klare Meinung, dass in der Nationalmannschaft die besten Spieler stehen sollten. Ich halte nichts von Einsätzen für Spieler, die in ihrem Klub vielleicht sogar nur auf der Bank sitzen, nur damit sie Spielpraxis bekommen.“

Rost will aber keineswegs ausschließen, dass der Bundestrainer mit seiner Betonung des Testcharakters im Hinblick auf das große Ziel der Europameisterschaft 2021 („Wir haben bewusst viel riskiert und überall auf dem Platz Mann gegen Mann gespielt.“) am Ende Recht behält: „Joachim Löw hat viel Erfahrung aus vielen Turnieren. Er weiß, was er sehen will und was es noch braucht, um bei einem Turnier zu bestehen. Am Ende muss er dann aber auch liefern.“

Den ganz großen Erfolg in der Nations League würde Timo Rost dafür durchaus aufs Spiel setzen: „Ich halte nicht viel von diesem Format. Es hat für mich keinen großen sportlichen Wert. Der Wettbewerb ist eher für die kleinen Nationen lukrativ, die da etwas erreichen können. Aber das verwässert eher die Qualität.“

Statistik

Deutschland: Neuer (München) – Klostermann (Leipzig), Ginter (Mönchengladbach / 77. Can (Dortmund)), Rüdiger (Chelsea), Gosens (Bergamo / 57. Halstenberg (Leipzig)) – Kimmich (München), Kroos (Real Madrid) – Havertz (Chelsea / 77. Draxler (Paris)), Goretzka (München), Gnabry (München) – Werner (Chelsea).

Tore: 0:1 Gavranovic (5.), 0:2 Freuler (26.), 1:2 Werner (28.), 2:2 Havertz (55.), 2:3 Gavranovic (57.), 3:3 Gnabry (60.).