Tigers taumeln am Abgrund: 1:2 gegen Tölz

Von Eberhard Spaeth

Den Bayreuth Tigers droht mehr denn je der Abstieg aus der DEL2. Nachdem in der entscheidenden zweiten Playdown-Runde gegen die Tölzer Löwen am Mittwochabend das vierte Spiel auf heimischem Eis mit 1:2 (0:1, 0:1, 1:0) verloren gegangen ist, liegen sie in der Best-of-seven-Serie mit 1:3 zurück.

Abgestürzt: Eine Strafzeit forderten die Bayreuther in dieser Situation, als Anthony Luciani (schwarzes Trikot) über den Tölzer Torhüter Mikko Rämö gestoßen wurde. Die Schiedsrichter sahen es jedoch anders. Foto: Peter Kolb Foto: red

Die Rettung kann jetzt nur noch mit drei Siegen in Folge gelingen, zwei davon auswärts. Die Tigers stehen jetzt aber nicht nur direkt am Rande des Abgrunds, sondern sie taumeln dort auch noch sehr bedenklich. Ihre Leistung vor nicht einmal 1500 Zuschauern war nämlich im Verhältnis zur Bedeutung der Partie ausgesprochen schwach. Der Endspurt in den letzten elf Minuten nach dem Anschlusstor konnte nichts mehr retten.

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Das wollte auch Trainer Sergej Waßmiller nicht beschönigen: „Im ersten Drittel haben wir viele Chancen, liegen aber 0:1 hinten. Im zweiten waren wir dann zu passiv, zu lasch und sind auch durch Strafzeiten völlig aus dem Konzept gekommen. Das Tor gab noch einmal einen positiven Impuls, aber die Tölzer haben am Ende gut verteidigt und verdient gewonnen.“

Wieder ein Gegentor in eigener Überzahl

Obwohl es bereits nach acht Sekunden je eine Strafzeit auf beiden Seiten gab (Sergej Stas und Chris St. Jacques) fehlte der Partie zunächst die Leidenschaft, die man aufgrund der enormen Bedeutung erwarten durfte. Beide Mannschaften blieben oft in der neutralen Zone hängen, was mehr an schlechten Pässen lag, als am Körpereinsatz der gegnerischen Defensive. Die Tölzer kamen nur vereinzelt zu Möglichkeiten, wenn ihr Forechecking griff, oder der Bayreuther Aufbau schon im eigenen Drittel ungenau war. Viel häufiger kamen die Tigers zu ernsthaftem Abschluss, aber es fehlte an Durchschlagskraft und Präzision, um den erneut zuverlässigen Löwen-Torwart Mikko Rämö vor unlösbare Aufgaben zu stellen. Die beste Chance hatte Luca Gläser, als er allein auf das Tor zulief, aber mit Schuss und Nachschuss am finnischen Torwart scheiterte (12.).

Diese Bilanz des ersten Drittels dürfte im Lager der Tölzer allerdings kaum jemanden gestört haben, denn die Gäste lagen in Führung. Trotz der schlechten Erfahrungen in Spiel drei hatten sich die Tigers wiederum ein Gegentor bei eigener Überzahl eingehandelt. Im einzigen Powerplay des ersten Drittels ging in der eigenen Zone ein Zweikampf in der Ecke verloren, Michael Endraß lief vors Tor und bezwang Torhüter Martins Raitums, der den als verletzt gemeldeten Tomas Vosvrda vertrat.

Grobe Fehler führen zu 3:5-Unterzahl

Ins zweite Drittel gingen die Bayreuther offenbar mit guten Vorsätzen für mehr Aggressivität, die bei den Zweikämpfen an der Bande deutlich wurden und auch bei der ersten Unterzahlsituation (13.), die problemlos überstanden wurde. Diesen Ansatz verdarben sich die Gastgeber jedoch selbst durch zwei grobe Fehler: Sechs Feldspieler auf dem Eis (kein ganz neues Problem!) und 15 Sekunden später ein relativ ungestörter Befreiungsschlag von Marvin Neher über die Bande führten zu einer 3:5-Unterzahl. Nachdem sich die Tigers befreit hatten, kam Johannes Sedlmayr (einer der auffälligsten Spieler der ganzen Serie) nach langem Pass mit Tempo über die blaue Linie und allein vor das Tor, wo er Raitums mit der Rückhand überwand.

Pfiffe und Buhrufe beim Gang in die Kabine

Danach hatten die Tigers zunächst Glück, dass die Tölzer eine aus ihrer Sicht eigentlich weniger nötige Härte ins Spiel brachten. Das bescherte zwei Überzahlchancen, die aber enttäuschend verliefen. In ersten Powerplay (31.) gelang nicht einmal eine Grundaufstellung, und das zweite war zu durchsichtig, weil der Abschluss ganz auf Anthony Luciani zugeschnitten war. Danach besannen sich die Gäste darauf, zurückhaltender zu verteidigen. Das gab den Bayreuthern mehr Spielraum für den Aufbau, aber dadurch wurde ihre zeitweise erschreckende spielerische Ratlosigkeit nur umso deutlicher. Folge waren Pfiffe und Buhrufe beim Gang in die zweite Pause.

Dauerdruck nach dem Anschlusstor

Am enttäuschenden Eindruck änderte sich im letzten Drittel zunächst wenig. Allmählich verhielten sich die Tölzer allerdings allzu passiv und nutzten sogar eine Überzahl (48.) offenbar nur, um Zeit zu gewinnen. Das wurde wenig später durch den Anschlusstreffer der Tigers bestraft. Die verbleibenden elf Minuten verliefen dann fast so einseitig wie das letzte Drittel in Spiel drei – und mit demselben Ergebnis. Gegen die nur noch auf Zerstören bedachten Tölzer entwickelten die Bayreuther zeitweise Dauerdruck. Im Abschluss fanden sie aber keine zwingenden Lösungen oder scheiterten an Rämö. Daran änderte auch ein Geschenk der Gäste nichts, die sich 2:36 Minuten vor dem Ende eine Strafe für einen Wechselfehler einhandelten.

Statistik

Bayreuth Tigers: Raitums – Heider, Pavlu; Neher, Potac; Linden, Mayer; Gerstung, Müller – Luciani, Stas, Alanov; Geigenmüller, Kolozvary, Bartosch; Gams, S. Busch, V. Busch; Ontl, Voronov, Gläser.

Tölzer Löwen: Rämö – Borer, Reiter; Kolacny, Schwarz; Horschel, Frank – Schlager, St. Jacques, Vihko; Kathan, Kornelli, Sedlmayr; Strobl, Edfelder, Endraß; Ehliz, Schenkel, Hörmann.

SR: Aumüller, Oswald; Strafminuten: Bayreuth 14, Bad Tölz 10; Zuschauer: 1447.

Tore: 0:1 (7.) Endraß (Strobl – 4 gegen 5), 0:2 (28.) Sedlmayr (Kolacny, Rämö – 5 gegen 3), 1:2 (49.) Stas (Alanov, Mayer).