Verstärkt wird dieser Eindruck durch die starke Vorstellung, die die Füchse in diesem vierten Spiel über weite Strecken boten. Sie wirkten spritziger, waren abgeklärter und durchschlagskräftiger. Sie hatten aber auch immenses Glück: Als Anthony Luciani 1:52 Minuten vor Spielende das vermeintliche 2:2 gelungen war – die Scheibe war erkennbar hinter der Torlinie –, verweigerten die Unparteiischen dem Treffer die Anerkennung. Die Volksseele im Tigerkäfig kochte. Und auch Trainer Sergej Waßmiller in der anschließenden Pressekonferenz: „Der Puck war klar im Tor. Man sieht das eindeutig. Ich bin sprachlos.“

Die Bayreuther mussten sich aber auch den Vorwurf gefallen lassen, zu spät aufgewacht zu sein. Hätten sie so druckvoll und leidenschaftlich agiert wie in der Schlussphase, sie hätten das Eis sicher nicht als Verlierer verlassen.

Das Spiel war anfangs geprägt von gegenseitigem Respekt. Als beide Mannschaften ihre vornehme Zurückhaltung abgelegt hatten und der Offensivdrang größer wurde als der Wille zur Fehlervermeidung, waren es zunächst die Füchse durch Christian Neuert (4.) und ihren Topscorer Jeff Hayes (6.), die Gefahr ausstrahlten. Je älter das Spiel wurde, desto besser bekamen es aber die Tigers unter Kontrolle. Dokumentiert wurde dies durch eine Reihe vielversprechender Offensivaktionen. Zunächst traf Michal Bartosch nur die Latte, dann nahmen Jan Pavlu (9.), Sergej Stas (11.), Anthony Luciani (11.) und Bartosch (13.) Gäste-Torhüter Maximilian Franzreb unter Feuer, ehe der wieselflinke Hayes (13.) mit einem Solo und anschließendem Rückhandschuss Tigers-Goalie Tomas Vosvrda vor Probleme stellte. Und auch die doch etwas schmeichelhafte Führung entsprang einer starken Einzelleistung: Roope Ranta tankte sich von rechts in die gefährliche Zone und düpierte Vosvrda mit der Rückhand – 0:1.

Tigers schrauben Intensität nach unten

Nach dem ersten Wechsel verflachte die Partie. Den Tigers mangelte es plötzlich nicht nur an zündenden Ideen, sie schraubten nun auch das Tempo und die Zweikampfintensität nach unten. Da auch die Füchse fast jegliche Offensivbemühungen ruhen ließen, hatten beide Torhüter wenig zu tun. Selbst die insgesamt zehn Strafminuten in diesem Drittel – sechs für die Gäste, vier für die Bayreuther – förderten nur wenig Torgefahr zu Tage, wobei die Tigers im Powerplay zu statisch wirkten, die Füchse zu verspielt. Im Schlussdrittel sahen die Zuschauer zunächst eine Fortsetzung des wenig ansehnlichen zweiten Abschnitts. Da es dem Bayreuther Spiel weiter an physischer Intensität mangelte, mussten die heimischen Anhänger auf einen Geniestreich eines Bayreuther Stürmers oder auf einen kapitalen Schnitzer der Gäste hoffen.

Sie hofften zunächst vergebens. Schlimmer noch aus ihrer Sicht: Der Schnitzer unterlief Tomas Vosvrda. Als der überragende Jeff Hayes die Scheibe per Handgelenkschuss in Richtung des Bayreuther Goalies bugsierte, sprang das Spielgerät Vosvrda an die Schulter und von dort aus im hohen Bogen ins eigene Gehäuse. Angesichts der so geringen Durchschlagskraft der Gastgeber schien dieser Treffer schon vorentscheidenden Charakter zu haben. Nun aber zeigten die Tigers das, was sie in dieser Playdown-Serie bislang ausgezeichnet hatte: Herz. Sie warfen alles in diese letzten Minuten, kamen in der Tat noch zum Anschlusstreffer durch den nun entfesselten Luciani. Nur das 2:2 wollte nicht mehr gelingen. Wieder aufgrund eines Schnitzers – diesmal verursacht durch die Unparteiischen!

Bayreuth Tigers: Vosvrda – Heider, Linden; Neher, Potac; Gerstung, Müller; Mayer – Luciani, Stas, Pavlu; Geigenmüller, Kolozvary, Bartosch; V. Busch, S. Busch, Gams; Voronov, Gläser.

Lausitzer Füchse: Franzreb – Bär, Owens; Geiseler, Mücke; Adam, Kania; Kohl, Hofmann – Tegkaev, Hayes, Ranta; Neuert, Eriksson, Kuchejda; Schmidt, Götz, Warttig; Kuschel, Jahnke, Schiller.

SR: Steinecke, Westhaus; Strafminuten: Bayreuth 12, Weißwasser 12 plus 10 für Geiseler; Zuschauer: 1674.

Tore: 0:1 (16.) Ranta (Tegkaev, Hayes), 0:2 (49.) Hayes (Tegkaev), 1:2 (57.) Luciani (Kolozvary – 5 gegen 4).