Kein Novum ist die offen zur Schau gestellte Antipathie der rund 50 Mitglieder zählenden Fangruppierung Mainkurve gegenüber dem Geschäftsführer-Ehepaar. Immer wieder wurden Margrit und Matthias Wendel offen – meist via Facebook – von Anhängern kritisiert, teils auch angefeindet. Zudem boykottierte die Mainkurve die Spiele der DEL2-Mannschaft in der zurückliegenden Saison – aufgrund der Ablehnung der beiden Geschäftsführer und den von ihnen durchgeführten Maßnahmen, wie zum Beispiel dem Verändern des Logos.

An Bedeutung gewinnt der offene Brief zweifelsohne dadurch, dass ihn auch die Ostkurve unterzeichnet hat. Die Ostkurve ist ein rund 125 Mitglieder zählender Fanclub, der in diesem Jahr 35. Geburtstag feierte. Beide Fangruppen waren sich in der Vergangenheit nicht immer grün, nun aber scheint sie ein gemeinsames Feindbild geeint zu haben, jedenfalls sprechen sie in diesem Brief eine gemeinsame Sprache. Und die ist überaus deutlich.

Vorwurf: finanzielles Versagen

Sie werfen dem Ehepaar Wendel, ohne es ein einziges Mal namentlich zu erwähnen, unter anderem finanzielles Versagen vor, begründen dies mit der geplanten Kapitalerhöhung in der GmbH und prangern an, sich auch in anderen Bereichen „absolut untragbar“ verhalten zu haben, „sei es dem Stammverein, ehrenamtlichen Helfern oder der Nachwuchsabteilung gegenüber“.

Als Beispiel wird die „Demission“ von Trainer Sergej Waßmiller und Dietmar Habnitt, dem Sportlichen Leiter, angeführt. „Die Krönung dieses schäbigen Verhaltens sind die damit einhergegangenen öffentlichen Falschaussagen den Medien gegenüber, es habe zwischen Mannschaft und sportlicher Leitung Differenzen gegeben, die sich auf Nachfrage bei Spielern als frei erfunden herausstellten und vielmehr beim Verhältnis zwischen Geschäftsführung und sportlicher Leitung zu verorten waren“, heißt es. Gegen Ende des Schriftstücks der klare Appell an die Gesellschafter, die sich Ende dieser Woche noch einmal treffen werden, um über Ligazugehörigkeit und Personalien zu beraten: „Ihr habt es in der Hand, diesem Treiben ein Ende zu setzen.“

Margrit Wendel: Brief ist "massiv" vom Stammverein gesteuert

Margrit Wendel weiß von dem Brief, gelesen hat sie ihn nicht. Solche Anfeindungen seien nichts Neues, sagt sie relativ gelassen. „Wir haben momentan aber wesentlich Wichtigeres zu tun, als uns um so etwas zu kümmern.“ Konfrontiert mit zwei massiven Vorwürfen aus dem Brief, möchte sie dann aber doch Stellung nehmen. Die angespannte finanzielle Lage sei Ergebnis der sportlichen Situation und den damit verbundenen Umständen, wie Nachverpflichtungen und Zuschauerrückgang. „Ich betone aber, wir sind nicht in Zahlungsschwierigkeiten. Und die angedachte Kapitalerhöhung hat nichts mit dieser Saison zu tun, sondern mit der nächsten.“ Und: Ihre dem Kurier gegenüber geschilderten Differenzen zwischen Spielern und sportlicher Leitung seien alles andere als frei erfunden. „Bei uns saßen oft genug Spieler und haben sich beschwert“, sagt Margrit Wendel, die vermutet, dass der Brief „massiv“ vom Stammverein, dem EHC Bayreuth, gesteuert werde.

Einer, der diesen Brief mit ausgearbeitet hat, ist Sebastian Ries. Er ist Mitglied der Mainkurve, aber auch Schriftführer beim EHC Bayreuth. Für ihn sei dieser Appell ein letzter Versuch, das Bayreuther Eishockey zu retten, sagt er. „Mit dem Ehepaar Wendel ist kein Neuanfang möglich. Die Gräben sind zu tief.“ Mit Gräben meint er nicht nur „das sehr belastete Verhältnis“ zwischen Stammverein und GmbH, sondern auch innerhalb der Anhängerschaft. Er hatte sich schon für die erste Mitgliederversammlung am vergangenen Mittwoch eine Palastrevolution gewünscht. „Das ist leider nicht passiert. So groß ist der Rückhalt für die Wendels bei den Gesellschaftern aber auch nicht, wie sie es glauben machen wollen.“

Als „Hilferuf in Richtung Gesellschafterversammlung“ möchte Sandra Strömsdörfer den offenen Brief verstanden wissen. Die Laineckerin ist Vorstandsmitglied der Ostkurve. Ihr Fanclub habe sich in der Vergangenheit bewusst aus allen Streitigkeiten herausgehalten. „Jetzt aber ist die Schmerzgrenze erreicht. Auf jedem Fantreffen in anderen Städten werden wir auf die Zustände in Bayreuth angesprochen – und immer wieder fällt der Name Wendel.“ Sie hat aber nicht nur Angst um den Ruf des Bayreuther Eishockeys, sondern um den Standort. „Es ist höchste Zeit für einen Personalwechsel an der Spitze.“