Tierschutzverein Ex-Schatzmeister nennt Vorwürfe hirnrissig

Im Tierheim geht die Arbeit weiter, während im Tierschutzverein die Auseinandersetzung zwischen ehemaligem und amtierenden Vorstand heftiger wird. Zwischen den Mühlsteinen: Die Mitglieder. Foto: Archiv//Ronald Wittek

Es brodelt im Tierschutzverein: Der seit November 2019 amtierende Vorstand hat gegen den vorherigen Vorstand Anzeige erstattet. Es sei dem Verein erheblicher Schaden entstanden. Der Ex-Vorstand hat nun in einem langen Schreiben an die Mitglieder alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Bayreuth - Es geht um Tankrechnungen und Architektenkosten, einen Leasingvertrag und Hundesnacks: Mitten hinein in die Abstimmung der Mitglieder des Tierschutzvereins über die Zukunft des amtierenden Vorstandes (der Kurier berichtete) platzt der vorherige Vorstand mit Ex-Vorsitzendem Guido Zahn an der Spitze mit einem siebenseitigen Schreiben an die Mitglieder, in dem alle Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen werden. Für Mitglieder des Vereins, denen das Tierwohl am Herzen liegt, wird die Situation immer verworrener.

Hohe Bürde

Als es in der Mitgliederversammlung im November 2019 dem Team von Karin Stanzel gelang, das amtierende Vorstandsteam von Guido Zahn abzulösen, nahm es auch eine hohe Bürde mit in die neue, dreijährige Amtszeit. Die anwesenden Mitglieder hatten mehrheitlich dem Zahn-Vorstandsteam die Entlastung versagt und somit dem Stanzel-Team die Aufgabe auferlegt, die Geschäfte der zurückliegenden Jahre zu durchforsten. In einem Schreiben vom Januar diesen Jahres informierte Vorsitzende Karin Stanzel die Mitglieder darüber, dass „in mühsamer Kleinarbeit Überprüfungen und Untersuchungen vorgenommen wurden, die dazu geführt haben, dass wir nicht nur früher handelnde, sondern auch unterstützende weitere Personen angezeigt haben.“ Die Strafanzeigen seien, schreibt Stanzel weiter, von der Staatsanwaltschaft Bayreuth an die Kriminalpolizei Bayreuth „zur Durchführung weiterer Ermittlungen“ freigegeben worden.

Dort, bei der Kriminalpolizei, ist man auch heute noch mit den Ermittlungen beschäftigt. „Die polizeilichen Ermittlungen laufen noch“, sagte am Dienstag Leitender Oberstaatsanwalt Martin Dippold auf Anfrage des Kuriers. Die Wiedervorlage des Vorgangs sei auf Ende Mai terminiert.

Voll handlungsfähig

Während der amtierende Vorstand einen Rechtsanwalt damit beauftragt hat, Schadensersatzansprüche gegen den vorherigen Vorstand zu formulieren, versuchte dieser, eine außerordentliche Mitgliederversammlung durchzusetzen. Im Jahr 2020 bleiben die Bemühungen erfolglos, in diesem Jahr haben die Bemühungen dank der Unterstützung von 61 Mitglieder Erfolg. In einem Schreiben an die Vereinsmitglieder informieren Vorsitzende Stanzel und Schatzmeister Oliver Pichl am 22. Februar, dass es eine außerordentliche Mitgliederversammlung geben werde. Auf der Tagesordnung stehen zwei Punkte: 1. Abwahl des aktuellen Vorstands; 2. Neuwahl eines Vorstands. Die Begründung der Antragsteller, der amtierende Vorstand sei weder handlungs- noch beschlussfähig, weisen sie zurück.

Mitglieder ausgeschlossen

Bevor die Mitglieder mit Schreiben der Vorsitzenden vom 19. März zur postalischen außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen werden (der Kurier berichtete), erhalten sie zwei Tage zuvor ein Informationsschreiben des amtierenden Vorstandsteams, aus dem sie nicht nur erfahren, dass Guido Zahn und sein Vorstandsteam aus dem Verein ausgeschlossen worden seien, sondern auch, was man ihnen vorwirft. Dem Tierschutzverein sei „erheblicher Schaden entstanden“, schreibt der Vorstand, der zur Untermauerung seiner Behauptung ein Schreiben des Anwaltes beigelegt hat. Dessen Meinung: „Die Erfolgsaussichten, Schadensersatzansprüche gegen ehemalige Vorstandsmitglieder des Vereins durchzusetzen“, seien „sehr gut“. Da geht es einmal um Architektenhonorare, um Tankquittungen, um ein Leasing-Fahrzeug, um Speisen, Süßigkeiten und Hundesnacks und um „Getränke, die größtenteils in Hof gekauft wurden“. Das Fazit des Anwalts: „Es drängt sich der Verdacht auf, dass ehemalige Vorstandsmitglieder sich zu Lasten des Vereins privat versorgten.“

Vorwürfe sind haltlos

„Völlig hirnrissig“ nennt der ehemalige Schatzmeister Peter Gutowski, der gemeinsam mit Guido Zahn in Hof eine Anwaltskanzlei betreibt, im Gespräch mit dem Kurier die Vorwürfe. Er wolle sich eigentlich nicht dazu äußern und verweist auf ein Schreiben der ehemaligen Vorstandsmitglieder. Dieses Schreiben, das am 21. März datiert ist und damit mitten die Abstimmungsphase fällt, rückt die Vorwürfe aus seiner und der Sicht der ehemaligen Vorstandsmitglieder zurecht. Oder anders gesagt: Für alle Vorwürfe gebe es eine Erklärung und keine Belege, die das Gegenteil beweisen würden. Er, Gutowski, selbst sei erst vor zwei Wochen über die polizeilichen Ermittlungen informiert worden. Befragt habe ihn noch niemand. Erst wenn er Akteneinsicht genommen habe, werde er sich gegenüber der Staatsanwaltschaft äußern. Und fügt an: Jeder der ehemaligen Mitglieder des Vorstandes habe sich mittlerweile einen Anwalt genommen. Aber Gutowski ist guten Mutes: „An den Vorwürfen ist nichts dran.“

Zweifel hegt er hingegen am Wahlmodus. Insbesondere daran, dass die Umschläge, in denen die Mitglieder ihre Abstimmungsbelege zurückschicken sollen, nummeriert sind. „Wer sagt denn, dass die Umschläge beziehungsweise die Ziffern nicht Namen zugeordnet werden können“, fragt Gutowski.

Laufendes Verfahren

Vorsitzende Stanzel versteht die Kritik nicht. „Wir haben die Umschläge durchgehend nummeriert, damit nicht mehr Umschläge eingehen als verschickt wurden. Und es wurde willkürlich nummeriert, die Umschläge wurden bunt durcheinandergemischt. Sicherer kann man eine geheime Wahl nicht machen“, ist sie überzeugt. „Das ist die sicherste Wahl, die möglich ist.“ Zum Schreiben des Ex-Vorstandes will sie sich hingegen nicht äußern. „Das ist ein laufendes Verfahren. Die Entscheidungen fällen die Gerichte.“ So viel sagt sie dann aber doch: „Wenn die juristische Betrachtung keine handfesten Beweise erbracht hätte, hätten wir nicht Anzeige erstattet.“

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