Drei Stationen, drei Gänge Erste kulinarische Ortsführung verbindet Essen mit Geschichte

THURNAU. Das waren Zeiten, als der Eimer Bier noch 60 Liter fasste und zweieinhalb Gulden kostete! Oder als die Bayreuther Adligen in Thurnau ihren Gerstensaft für Feste bestellten, weil das Thurnauer ein „gut alt Bier, welches hier nicht zu bekommen ist“, gewesen sei.

Diese und noch viele andere Details aus der Thurnauer Ortsgeschichte erfuhren die Teilnehmer der ersten kulinarischen Ortsführung, die das nächste Mal am Donnerstag, 30. Juni, um 18 Uhr innerhalb der Thurnauer Kunst- und Kulturwochen „Schwantastisch“ angeboten wird. Nicht nur den Geist, sondern auch den Bauch füttern konnten die Besucher auf dem Rundgang vom Marktplatz zur Laurentiuskirche, zum Oberen Markt, dem Schloss, dem Schlossweiher und dem Alten Rathaus.

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An diesem Abend wartete in der Alten Fronveste der erste Gang des Menüs auf die erwartungsfrohen Teilnehmer, ein Antipasti-Teller mit Rot- und Weißwein. Solcherart gestärkt ließen sich die Entstehungsgeschichte des Schlosses und die nicht immer ganz übersichtlichen Besitzverhältnisse der Familien Förtsch, Künßberg und Giech sehr viel leichter verdauen. In der Schlossbräu am See näherte sich die gut gelaunte Gruppe dann kulinarisch einer der großen Traditionen des Ortes an: dem Bier brauen. Thurnau war schon vor 400 Jahren für sein gutes Bier bekannt. Damals durfte jeder Bier brauen, der zur Reihe der „brauenden Bürger“ gehörte, erzählte Ortsführerin Petra Ziegler. Noch heute zeugen die teils mehrstöckigen Gewölbekeller unter den historischen Gebäuden im alten Ortskern davon, dass die Thurnauer nicht nur ein Fässchen zum Eigenbedarf eingelagert hatten. 1908 sind nur noch acht brauende Bürger verzeichnet, der letzte war der Bierwirt Kirschner. Doch die Tradition lebte wieder auf: In der Schlossbräu wird ein eigens eingebrautes Bier nach einem Rezept von 1911 ausgeschenkt und vor wenigen Jahren haben sich die „Thurnauer Braufreunde“ zusammengefunden.

Es gibt so viel zu erzählen über die Thurnauer Geschichte, über Persönlichkeiten, Originale, die kleinen und die großen Begebenheiten und so manche Kuriosität, dass die anvisierten zwei Stunden bei Weitem nicht reichten. So konnten die Gäste nach der letzten Station am Alten Rathaus und dem abschließenden Dessert – Panna Cotta – in der Pizzeria Weißes Ross in jeder Hinsicht gesättigt nach Hause gehen. hes