Immer mehr Seiteneinsteiger, die keine Ausbildung als Lehrer haben, unterrichten an Thüringens Schulen. Sie sollen helfen, den akuten Lehrermangel im Freistaat abzumildern. Das Bildungsministerium will sie nun besser beraten.

Erfurt (dpa/th) - Der Freistaat will eine Beratungsstelle für angehende Seiteneinsteiger für das Lehramt schaffen. "Die Frage ist nicht mehr, ob wir Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger brauchen - wir brauchen sie schlicht und ergreifend -, sondern wie wir sie bestmöglich und umfassend für ihren Einsatz vor der Klasse fit machen", sagte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) der Deutschen Presse-Agentur. Unter anderem die Schulämter, die Studienseminare und das entsprechende Thüringer Fortbildungsinstitut würden in den nächsten Jahren Seiteneinsteiger besser beraten und sie noch intensiver für ihren Beruf qualifizieren.

Nach Angaben des Bildungsministeriums soll im Zuge der Lehrergewinnungskampagne ab 2021 eine Beratungsstelle geschaffen werden. Sie soll auch Messebesuche organisieren, wo über den Seiteneinstieg informiert werden soll. Dies sei erforderlich, weil die Bildungsbiografien der potenziellen Pädagogen sehr unterschiedlich seien, sagte eine Sprecherin des Ressorts.

Seiteneinsteiger können in Thüringen seit 2017 in den Schuldienst des Landes eingestellt werden. Voraussetzung ist, dass die Bewerber einen Universitätsabschluss haben, der sie aber noch nicht für ein Lehramt qualifiziert. Zudem können etwa auch Fachschulabsolventen oder Meister als Fachlehrer für den fachpraktischen Unterricht an Berufsschulen eingestellt werden.

Weil sie alle in der Regel keine pädagogische Ausbildung haben, wird ihnen das entsprechende Wissen durch eine Nachqualifizierung am Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien vermittelt. Zudem erhalten sie einen vierwöchigen Intensivkurs.

Ein Seiteneinsteiger wird allerdings überhaupt nur dann in den Schuldienst des Landes eingestellt, wenn für die entsprechende Stelle kein voll ausgebildeter Nachwuchslehrer gefunden werden konnte. "Bei Einstellungen werden originär ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer immer das Prä haben", sagte Holter.

Nachdem die Einstellung von Seiteneinsteigern in den Schuldienst zunächst von einiger Skepsis zum Beispiel auch in der Landespolitik begleitet worden war, ist die Kritik daran zuletzt leiser geworden - während die Zahl der pro Jahr eingestellten Seiteneinsteiger deutlich gestiegen ist. "Seiteneinsteiger sind mittlerweile eine wichtige und notwendige Säule zur Absicherung des Unterrichts", sagte Holter.

Nach Zahlen des Bildungsministeriums waren im Jahr 2018 unter den 697 Neueinstellungen in den Schuldienst zum Stichtag 1. August 28 Seiteneinsteiger - das entspricht einer Quote von vier Prozent. Im Folgejahr war die Quote der Seiteneinsteiger dann auf 6,3 Prozent gestiegen, damals gab es 54 Seiteneinsteiger in den Schuldienst, bei 851 Neueinstellungen insgesamt. Seit dem 1. Januar 2020 wurden den Daten nach 129 Seiteneinsteiger durch den Freistaat eingestellt; das macht einen Anteil von 15,8 Prozent an den bis zum 24. August erfolgten 817 Neueinstellungen aus.