In 2,5 Sekunden auf 100 Studenten präsentieren Rennwagen in Bayreuth

, aktualisiert am 27.04.2022 - 17:38 Uhr

Zum Schluss wurde auch schon mal die eine oder andere Nacht durchgearbeitet. Mit Erfolg: Die Studenten vom Bayreuther Team Elefant Racing haben ihren neuen Elektro-Rennwagen pünktlich der Öffentlichkeit vorgestellt und zuvor bereits die ersten Runden gedreht.

Acht Monate haben die Studenten entwickelt, konstruiert, getüftelt und montiert – jetzt ist es fertig, das mittlerweile 16. Modell aus der Bayreuther Uni-Rennwagenschmiede. Sein Name: FR 22 Thor, nach dem Donnergott.

Und er sieht tatsächlich aus wie ein kleiner Formel-1-Wagen. Mit einer glänzend-schwarzen, vorn spitz zulaufenden Fahrgastzelle, mit jeder Menge Spoilern, mit profillosen Reifen, wie man sie eben aus dem Rennsport kennt.

Luca Eisentraut, als Vereinsvorsitzender der Chef des studentischen Rennstalls, äußerte sich bei der Präsentation des Elektro-Renners gegenüber dem Kurier „sehr erleichtert, dass letztlich alles geklappt hat“. Zwar gebe es immer wieder erfolgreiche Zwischenschritte: „Aber dass wirklich alles zusammenpasst und er auch fährt, das wissen wir erst seit wenigen Tagen.“

Bei der Präsentation im Kolpinghaus war „danke“ eines der am häufigsten benutzten Wörter. Danke den Studenten, die viele Tausend Stunden in den Boliden gesteckt haben; danke den Sponsoren, die trotz der Corona-Pandemie bei der Stange geblieben sind und so das 300.000-Euro-Projekt erst möglich gemacht haben; danke der Uni für die Unterstützung.

Verschiedene Teams hatten jeweils an einzelnen Elementen des Rennwagens gearbeitet – am Monocoque, an Fahrwerk und Bremsen, am elektrischen Antrieb, an der Aerodynamik und vor allem auch an der Steuereinheit für das autonome Fahren. Denn eines von vier geplanten Rennen soll Thor ohne Fahrer absolvieren.

Die Teamleiter nannten bei der Präsentation ihrer Arbeit beeindruckende Details. So wird ihr Rennwagen von vier Radnabenmotoren angetrieben, die zusammen 180 PS leisten, vor allem aber bis zu 1500 Newtonmeter Drehmoment bereitstellen – ein Wert, den es bei normalen Autos nicht im Ansatz gibt. Zumal FR 22 Thor leer gerade mal knapp unter 200 Kilo wiegt. Was eine Beschleunigung von Null auf 100 Sachen in rund 2,5 Sekunden möglich macht.

Die größte Herausforderung aber war diesmal, die Komponenten für das autonome Fahren im Fahrzeug zu integrieren. Dafür, so Teamleiter Jens Fuchs, wurden neben einer 3-D- und zwei normalen Kameras noch Lasersensoren und ein Hochleistungscomputer zur Verarbeitung der Signale eingebaut.

Details, die auch Uni-Präsident Stefan Leible beeindruckten. Er betonte, dass die Uni stolz auf ihr Rennteam sei. Im Gespräch mit dem Kurier betonte er, dass ihm besonders der interdisziplinäre Ansatz bei Elefant Racing gefalle. „Studenten verschiedenster Fachrichtungen und Fakultäten arbeiten zusammen und stellen so etwas Besonderes auf die Räder“, sagte er. Ein Projekt, das den Studenten neben dem Studium viel fürs spätere Leben bringe, nicht zuletzt auch für den Berufsweg. Und der Uni Renommee.

Ob er selber den Rennwagen auch mal steuern will? „Ein früheres Modell bin ich schon mal gefahren. Das geht echt ab und macht Spaß“, sagte der Uni-Präsident und hofft, dass es beim Saison-Abschlussevent im Herbst vielleicht wieder mal klappt.

Doch so weit ist es noch lange nicht. Erst einmal stehen vier Rennwochenenden an: Im Juli im niederländischen Assen und Spielberg in Österreich, im August am Hungaroring in Budapest und schließlich am deutschen Hockenheimring. Wobei es in Ungarn ohne Fahrer um die Pylonen gehen soll. „Theoretisch könnten wir autonom auch mit der Höchstgeschwindigkeit von etwa 110 km/h fahren“, sagt Vereinschef Eisentraut: „Aber aus Sicherheitsgründen bleibt es da bei maximal 50.“

Er und seine Mitstreiter haben sich vorgenommen, bei den Rennen gegen Konkurrenz aus ganz Europa immer mindestens unter die besten 15 zu kommen, in einigen Teildisziplinen auch unter die erste fünf. Uni-Präsident Leible jedenfalls legte die Latte schon mal hoch: „Der Wagen ist ja diesmal zwei Monate früher fertig als sonst. Da können sie also noch jede Menge testen und optimieren.“

Autor

 

Bilder