Thema: Wagner Hoffen auf faire Darstellung

Leserbrief von Claus J. Frankl, zur Zeit Bayreuth, Regisseur und Dramaturg
 Quelle: Unbekannt

Zum Artikel „Ein Leben auf zwei Bühnen“, Kurier vom 5. April.

Siegfried Wagner: Homosexueller, Antisemit, erfolgloser Komponist – wie unfair dargestellt! Ich frage mich, wann diese vereinfachten Darstellungen endlich verstummen werden?

Er war nicht homosexuell, er war nachweislich Zeit seines Lebens bisexuell. Gerade diese Bisexualität brachte ihn damals in arge Bedrängnis, da er dadurch im Kaiserreich gerade als „Erbe des Namens” erpressbar wurde.

Er war kein Antisemit, folgte zwar vorhandenen Tendenzen seiner Familie, hatte jedoch zu Menschen jüdischen Glaubens die gleiche widersprüchliche Haltung wie vorher schon sein Vater Richard.

Er war kosmopolitisch und neidisch in einem – aus einer Position der Schwäche heraus wurde er häufig zum Mitläufer. Nationalsozialistisch zeigte sich später seine Witwe Winifred, Siegfried Wagner als Festspielleiter wehrte sich jedoch vehement ab 1924 gegen die Vereinnahmung durch die Deutschnationalen und von Antisemiten wie Hitler, den er ausdrücklich verärgerte, indem er jüdische Künstler engagierte.

Als Komponist war er durchaus nicht erfolglos, einige seiner Opern wurden zwischen 1899 und 1914 ausgesprochen häufig in Theatern des In- und Auslandes nachgespielt.

Dann erfolgte allerdings der erste Bruch, der sich nach 1919 nicht mehr kitten ließ. Der zweite Bruch kam durch seine Witwe Winifred, die die Wiederaufführung der Werke nach 1945 verhinderte.

Eine faire Darstellung von Leben und Werk Siegfried Wagners wäre angesichts seines 150. Geburtstages wünschenswert, gerade in seiner Heimatstadt Bayreuth.