Thema: Reparationen Nach 80 Jahren offen und ausgewogen diskutieren

Zum Artikel „Die offene Rechnung“, Kurier vom 23. August.

Bei allem Verständnis, was Polen 1939 bis 1945 im Zweiten Weltkrieg durch die Deutschen erlitten hat, und insbesondere voller Scham gegenüber den Opfern der Shoa, sollten Meinungsäußerungen zu den horrenden polnischen Reparationsforderungen historische Tatsachen nicht unerwähnt lassen.

Die Reparationsfrage ist rein juristisch an sich abgeschlossen. Es verwundert, dass die polnische Seite versucht, die rechtlich verbindlichen Abmachungen ihrer damaligen kommunistisch geführten Regierungen anzuzweifeln. Konsequenterweise müsste die polnische Seite dann auch die Westverschiebung der polnischen Grenze in Zweifel ziehen.

Was zum nächsten Punkt führt: Warum wird in der Debatte niemals erwähnt, dass Polen nach 1945 Schlesien, Pommern und das südliche Ostpreußen vom Deutschen Reich und damit trotz aller Zerstörungen wertvolle Kompensationen erhalten hat, die heute auch den wirtschaftlichen Aufschwung Polens (Kattowitz, Oberschlesien, Stettin, Danzig) ermöglichen.

Ebenfalls wird nicht erwähnt, dass die Sowjetunion durch den Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 (er wird an seinem Jahrestag nicht einmal im Kurier erwähnt) ins östliche Polen eingefallen ist und dieses Gebiet 1945 für sich beanspruchen konnte. Warum fordert Polen keine Reparationen von Russland, dem Nachfolgestaat der Sowjetunion?

Schließlich, auch wenn es keiner hören will: Auch die Leiden der 1945 durch Siegerwillen vertriebenen Deutschen sollten nicht unerwähnt bleiben. Hitlerdeutschland hat zwar den Krieg entfesselt, die Verbrechen, die bei der Vertreibung der Deutschen aus Polen (und der damaligen Tschechoslowakei) verübt wurden, müssten eine seriöse polnische Politik stiller werden lassen.

Statt emotional eine Zeitzeugin zu zitieren („... sollten die Deutschen zahlen“), sollte der Kurier dem Vorbild etwa von FAZ und SZ folgen und seriös berichten. Es fehlt von redaktioneller Seite auch ein Hinweis, wie besorgniserregend die antideutsche Stimmungsmache der momentanen PIS-Regierung in Polen ist, obwohl das Land durch die EU und damit auch durch deutsche Gelder profitiert.

Übrigens: Man braucht mich nicht in die Nähe von Rechtsradikalen zu stellen. Ich bin kein Heimatvertriebener und schreibe sine ira et incensu als Historiker. Wir sollten uns in Deutschland endlich daran gewöhnen, historische Sachverhalte nach 80 Jahren offen und ausgewogen zu diskutieren.
 

 

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