Thema: Landwirtschaft Problem Massentierhaltung

Zum Leserbrief von Helmut Korn „Ruinöse Überproduktion“, Kurier vom 24. Mai.

Ich schätze das Engagement von Herrn Korn sehr und teile viele seiner Anliegen. Was das Höfesterben betrifft, muss ich ihm mit Nachdruck widersprechen.

Es ist sicher nicht Absicht, sondern nur Unkenntnis: Bei den allermeisten Familienbetrieben in Bayern beträgt der Milchviehbestand weniger als 40 Kühe. Das passt dann zu einer Fläche von etwa 13 Hektar und ist mit einer Vollarbeitskraft und mithelfenden Familienmitgliedern noch zu bewältigen (nicht mit Acht-Stunden-Tag, nicht in 40 Wochenstunden und nicht mit vier Jahresurlaubswochen!).

Bei mehr als drei Großvieheinheiten (= Kühe) je Hektar würden ohnehin sonst unverzichtbare Fördermittel entfallen und die Vorgaben der Gülleverordnung wären kaum noch einzuhalten.

Das Problem ist doch eindeutig die gewerblich/industrielle Massentierhaltung. Hier muss der Gesetzgeber ansetzen! Viehbestandsbezogene Mindestflächen auch für diese Betriebe und Nachweis deren Gülle, unter Einhaltung der Gülleverordnung auf eigenen Flächen (kein „Gülleexport“), nach guter fachlicher Praxis bedarfsgerecht ausbringen zu können, muss obligatorisch werden! Zudem sollten solche Agrarindustriebetriebe nicht mehr die Steuervorteile und flächenbezogene Grundförderung bäuerlicher Betriebe erhalten.

Milchviehhaltung mit Weinbau zu vergleichen ist so unsinnig wie Runkelrüben mit Erdbeeren. Beim Weinbau verbessert sich mit der Mengenbegrenzung die Produktqualität und damit auch der Preis; beim durchschnittlichen Milchvieh-Familienbetrieb fiel dessen Einkommen durch Mengen- oder Viehbestandsbegrenzung nur unter die Mindestlohngrenze, denn bei dem bestimmt nicht die Qualität den Preis, sondern letztlich die Discounter!

Gäbe es genügend Naturschützer, die (zum Mindestlohn) deren landschaftspflegerische Leistung zu übernehmen bereit wären, wenn die aufgebenden Bauern in außerlandwirtschaftliche Berufe drängen oder in Rente gehen würden?

Ich lade Herrn Korn gern auf einen Milchviehhof im Ostallgäu 900 m NN ein und lege dessen arbeitsstundenbezogenes Nettoeinkommen (ohne und incl. beschränkungsabhänge Fördermittel) offen.
 

 

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