Thema: Landtagswahlen Manipulative Propaganda

Zum Leserbrief von Thea Stark, „Nicht gerade demokratisch“, Kurier vom 4. September.

Liebe Frau Stark, ich teile Ihre Werte! Demokratie, Akzeptanz des Wählerwillens, nicht ausgrenzen oder diffamieren, sondern bei allem Diskurs ein würdevoller Umgang mit dem politischen Gegner, ich füge noch Wahrhaftigkeit hinzu – das brauchen wir in einer Zeit, in der diese Werte zunehmend mit den Füßen getreten werden.

Es ist geradezu unglaublich, wie Diffamierung und Ausgrenzung salonfähig geworden sind. Da ist vom „Jagen der Kanzlerin“ die Rede, vom „Entsorgen“ einer Politikerin in Anatolien, von „linksgrün versifften“ Mitbürgern. Da wird ein Fußballnationalspieler diffamiert als ungeliebter Nachbar, die demokratisch gewählte Kanzlerin symbolisch am Galgen hängend durch die Straßen getragen, und – eine nicht vorstellbare Entwürdigung der Opfer des Nationalsozialismus – eine hundertachtziggradige erinnerungspolitische Wende gefordert (Höcke) bezüglich dieses „Vogelschisses der Geschichte“ (Gauland).

Aber Moment, dies sind ja alles Untaten der Partei, die Sie in Ihrem Leserbrief verteidigen?! Kann es nicht sein, dass sich die AfD ständig als Opfer darstellt, während sie in hohem Maße Täterin ist? Welche die mindestens Dreiviertelmehrheit der Bürger, die nicht AfD wählten, als eben nicht mündige Wähler diffamiert, fremdgesteuert von den Mainstreamparteien mittels Fake News. Die aber als einzige Partei im letzten Bundestagswahlkampf nicht bereit war, auf Bots, also computersimulierte Pseudopersonen, zu verzichten. Deren Kreisverband (Nürnberg) eben mal einen Zeitungsartikel fälschte. Deren stellvertretende Fraktionsvorsitzende ihre extreme Meinung eben mal mit „bin auf der Maus ausgerutscht“ wegerklärte. Eine Partei, die allen Ernstes jede Forderung nach entschlossenem Handeln in Sache Klimawandel und Umweltschutz als Hysterie und Wahn abwertet.

Unser politisches System auf eine Stufe zu stellen mit der SED-Diktatur der DDR und damit die AfD zu einer von Diktatur befreienden Bewegung zu stilisieren, ist sowohl eine Verdrehung der Geschichte als auch ein historischer „Raub“ des Engagements der damaligen Bürgerrechtsbewegung. Und übrigens, die Spaltung Deutschlands in Ost und West, und damit auch das Schicksal des Ostens, ist letztlich Folge des Handelns eines größenwahnsinnigen rassistischen Diktators. Dass nun eine im Wesen ursprünglich europakritische Partei sich der Unzufriedenheit vieler Ostbürger bedient, ist geradezu absurd. Eine Partei, welche die Wut und Angst der Bürger bei der Tat durch einen Flüchtling in Chemnitz zu sogenannten Trauermärschen nutzt; wo aber waren die Trauermärsche für den von einem Rechtsextremen erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten?

Liebe Frau Stark, Sie nennen in Ihrem Leserbrief die richtigen Werte, aber Sie wählen die falsche Partei, weil diese nur zu diesen Werten steht, wenn es für die eigene Sache von Vorteil ist. Dann sind es aber keine Werte, sondern eher manipulative Propaganda.
 

 

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