Thema Israel/Gaza: Keiner kann gewinnen

Von Elmar Schatz

Zwei Kinder weinen um ihren Vater: Er starb als israelischer Reserveoffizier. Aus einem Tunnel war ein Palästinenser-Kommando aufgetaucht und hatte den 45-Jährigen getötet. Drüben im Gazastreifen kommen viele Kinder und Frauen ums Leben. Bei den Angriffen israelischer Einheiten auf Raketenstellungen und Tunneleingänge. Ein aussichtsloses Unterfangen; denn keine der beiden Seiten kann gewinnen.

Es darf gewiss nicht hingenommen werden, dass israelische Städte und Dörfer aus dem Gazastreifen heraus beschossen werden. Aber alle Versuche in der Vergangenheit lehren doch, dass dieser Konflikt nicht militärisch zu lösen ist. Die israelische Armee mag noch so viele Abschussrampen aufspüren, für die zerstörten Stellungen werden immer wieder neue gebaut.

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Im Gazastreifen mit einer Länge von rund 60 Kilometern sowie einer Breite zwischen sechs und 14 Kilometern sind etwa 1,8 Millionen Menschen eingepfercht. Sie sind in ihrer Hoffnungslosigkeit anfällig für Propaganda. Jeder israelische Vergeltungsschlag facht ihren Hass weiter an, genauso wie jede palästinensische Rakete in Israel die Rachelust steigert.

Das Geschehen im Gazastreifen sowie in Israel lässt die Welt resignieren. Ja, es muss so hart gesagt werden, es ermüdet. Es hat dazu geführt, dass kaum noch diplomatische Energie und Fantasie investiert wird, um kraftvoll eine Lösung herbeizuführen.

Lange ist es her, dass sich Männer im Nahen Osten die Hand reichten, wie im Herbst 1978 der später von Fanatikern im eigenen Land ermordete ägyptische Präsident Anwar-el Sadat, der mit dem israelischen Premier Menachem Begin das Camp-David-Abkommen schloss.Von einem jüdischen Extremisten erschossen wurde 1995 der Versöhner und israelische Premier Jitzak Rabin. Er hatte den Ausgleich mit Palästinenserführer Yassir Arafat gesucht. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu irrt. Er glaubt, die Gefahr aus dem Gazastreifen mit einer wenige Tage dauernden Operation bannen zu können. Er gießt stattdessen Öl ins Feuer.

Netanjahu hat keine andere Wahl; er kann nur versuchen, gemeinsam mit Ägypten und UN-Diplomatie den Unruheherd zu befrieden. Wenn er über seinen Schatten springt und den Palästinensern eine eigenstaatliche Perspektive eröffnet, besteht die Chance, dass dieses Pulverfass vielleicht doch nicht explodiert.