Thema: Fleischkonsum Politik setzt falsche Anreize

Zum Artikel „Streit um die Lust auf Fleisch“, Kurier vom 8. August.

Der Durchschnitts-Deutsche isst mit rund 60 Kilogramm pro Jahr vergleichsweise zu viel Fleisch. Unter der Massenproduktion von Fleisch leidet häufig das Tierwohl. Eine pauschale Verurteilung der gesamten Landwirtschaftsbranche ist dennoch nicht angebracht.

Dazu genügt ein Blick auf die Deutschland-Karte der Tierproduktion. Es gibt in einigen Regionen Deutschlands tiefrote Zonen in der Kategorie Tierwohl und Flächenverbrauch. Rot steht dabei für eine besonders kritikwürdige Haltung von Tieren in Mastbetrieben.

Die Grünen und die Regierungsparteien SPD und Union fordern nun eine Anhebung des Mehrwertsteuersatzes auf Fleischprodukte.

Die Agrarpolitik hat in den vergangenen Jahrzehnten die falschen Anreize gesetzt. Die Devise lautete: Wachsen oder weichen. Da ein kleiner Betrieb aufgrund der Fixkosten, die unabhängig von der bewirtschafteten Fläche entstehen, pro Hektar höhere Kosten hat als ein großer Betrieb, wurden sie systematisch benachteiligt.

Unzählige Höfe, die seit vielen Generationen bestehen, wurden aufgrund der falschen politischen Weichenstellungen zum Aufgeben gezwungen. Die Landwirte sollen nun ungeachtet ihrer Produktionsweise die Suppe auslöffeln, die ihnen die Politik jahrzehntelang eingebrockt hat.

Heutzutage wird unter der Woche an der Lebensmitteltheke geknausert um an den inflationären Vergnügungsveranstaltungen an den Wochenenden oder bei den Urlaubsreisen kleckern zu können.

Mit einer Verteuerung der Fleischprodukte wird man vor allem diejenigen Verbraucher belasten, die auf günstige Nahrungsmittel angewiesen sind. Es ist ein gesellschaftspolitischer Skandal, dass es in diesem Land selbst in den zuletzt wirtschaftlich außerordentlich guten Zeiten zunehmend viele Menschen gibt, die beim Essen sparen müssen oder sogar auf die humanitäre Hilfe von Essenstafeln angewiesen sind, um einigermaßen über die Runden zu kommen.
 

 

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