Das heißt so: Demokratie lebt! Kein Papiertiger. Kein Theoretikum, das Länder, Kreise, Kommunen– und auch ganz normale Menschen – ignorieren, weil sie niemand haben, der die 50 bis 150 Seiten Formulare ausfüllen kann, um überhaupt antragsberechtigt zu sein. Sondern ein Programm der langen Leine, das jenen viel freie Hand lässt, die es in Anspruch nehmen wollen. Wie der Landkreis Bayreuth, der da in den vergangen fünf Jahren mal so eben rund eine halbe Million Euro abgriff aus diesem Topf. Und das Geld in 115 Projekte/Aktionen steckte.

Flächendeckend, auch wenn nicht in allen Kommunen gleich viel los war. Vom Fastenbrechen bis zu Vorträgen von Überlebenden des Holocaust. Immer mit dem Ziel , den Menschen das zu verklickern, was der Programmname hergibt, was er verspricht: Demokratie lebt! Die Macher von Kreisjugendring & Co sind es zufrieden. Weil da nicht der Holzhammer des Nazis-hassenden Oberlehrers regiert habe. Sondern eine locker-leichte Art, Werte zu vermitteln. Demokratische Werte. Um damit zugleich Integration, ein Miteinander zu fördern. In einer Art und Weise, die haften bleibt im Bewusstsein. Doch wozu braucht es überhaupt so eine Geschichte? Geht die Demokratie wirklich flöten? Nun, in Zeiten, in denen jede Dumpfbacke webtechnisch ihre ganz persönlichen Wahrheiten verbreiten darf, die mit der Realität aber auch so was von gar nichts zu tun haben, in Zeiten, in denen man Grünen-Politikerin Renate Künast mit sexistischem Verbalmüll aus der untersten Schublade bewerfen darf und das von einem Landgericht als gerade noch erlaubt eingeschätzt wird – ja, in solchen Zeiten sollte gerade jungen Menschen schon verklickert werden, was dieses Wort eigentlich bedeutet. Denn historisch gesehen sind wir eine sehr junge Demokratie – und damit alles andere als gefestigt. Gut also, dass dieses Programm unbefristet verlängert wird.