Thema: Basketball Eine passable Saison für Medi

Es war nicht alles gut für Trainer Raoul Korner (rechts) und seinen Assistenz-Trainer Lars Masell in der abgelaufenen Saison. Von einer verkorksten Saison zu sprechen, ist dennoch unangemessen. Foto: Peter Kolb

KOMMENTAR. Bundesliga-Playoffs verpasst, in der Vorrunde der Champions League raus und dann manch grausame Vorstellungen wie unlängst gegen Würzburg – was war das bloß für eine Saison von Medi Bayreuth? Katastrophal? Enttäuschend? Furchtbar? Nichts davon! Passabel war sie, die neunte Erstliga-Saison der jüngeren Bayreuther Basketballgeschichte – eine drei Minus. Um das zu erkennen, muss man Wut und Enttäuschung ausblenden. Neun Niederlagen in den letzten elf Spielen sind auch für die nachsichtigsten Medi-Anhänger ein hartes Brot, zumal Pleiten wie in Bremerhaven, in Weißenfels und vor allem gegen Würzburg Einstellungsdefizite einiger Spieler offenbarten.

Weitet man seinen Blick über das verkorkste letzte Saisondrittel hinaus, erkennt man schnell: Platz zwölf mit 28:40 Punkten ist so schlecht nicht. Nach dem Bundesliga-Ergebnis der letzten (6./42:26) und dem der vorletzten Saison (4./44:20) ist das aktuelle zwar das schlechteste in der Ära von Raoul Korner, verglichen mit allen anderen seit der BBL-Rückkehr einer Bayreuther Mannschaft im Jahr 2010 ist es aber auch das drittbeste. Selbst die Relation zwischen Aufwand und Ertrag liegt im grünen Bereich. Gemessen am Etat von rund vier Millionen Euro rangiert die Medi-Mannschaft genau da, wo man sie auch erwarten durfte – im Mittelfeld. Anders als in den vorangegangenen Spielzeiten haben Raoul Korner und seine Mannschaft diesmal nicht „overperformed“, sondern lediglich das Minimalziel realisiert.

Bei der Suche nach Gründen kommt man an den längeren Verletzungspausen von prägenden Elementen wie Hassan Martin und Steve Wachalski ebenso wenig vorbei wie an der Zusatzbelastung durch die abermalige und keineswegs selbstverständliche Champions League. Die fiel für den kleinen Kader mehr ins Gewicht als in der Vorsaison, weil die Teamchemie offensichtlich nicht optimal war. Wobei wir bei Raoul Korner wären: Der Österreicher hat bei der dritten Zusammenstellung des Medi-Teams seinen Nimbus der Unfehlbarkeit eingebüßt. Es fehlte seinem Team an Harmonie, an Teamspirit und an einem Spielmacher. Vor allem die Baustelle auf der ausländischen Pointguard-Position war gravierend und wurde nie geschlossen. David Stockton blieb weit hinter den Erwartungen zurück, der nachverpflichtete Kyan Anderson erfüllte sie ebenso wenig. Dass der zurecht so hoch gelobte Coach auch nur ein Mensch ist, ist eine für viele Medi-Fans neue Erkenntnis. Sie wird aber helfen, seinen sehr wahrscheinlichen Verlust zu verarbeiten.

Ob mit oder ohne Korner: Die künftigen Herausforderungen, denen sich die Bayreuther Organisation stellen muss, werden nicht kleiner. Die jüngst aufgestiegenen Hamburg Towers werden nicht kleckern. Alleine die Ankündigung, mindestens einen Fünf-Millionen-Etat auf die Beine stellen zu wollen, rückt sie in den Kreis der Playoff-Anwärter. Ein Konkurrent mehr für den hiesigen Standort. Der aber rüstet sich: Die Installation eines Sportlichen Leiters, der Ausrüster-Vertrag mit Puma, das geplante Trainingszentrum oder erste überregionale Erfolge der Nachwuchsmannschaften sind Beleg zunehmender Professionalisierung und tragen dazu bei, Bundesliga-Basketball in Bayreuth zukunftssicher zu machen. Insofern hat Medi Bayreuth in dieser Saison einiges vorzuweisen. Und dann war da ja noch der 3. Januar: Nach 21 Jahren gewann erstmals wieder eine Bayreuther Mannschaft in Bamberg. Also spätestens jetzt – bitte lächeln!

stefan.wolfrum@nordbayerischer-kurier.de

 

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