Thema: Antisemitismus Wissen hilft gegen Dumpfbacken

Foto: Ralf Münch

KOMMENTAR. Bei denen, die vernünftig ticken, setzt sofort die Löschroutine ein. Wenn die Bildchen und die Texte über die angeblich so sozialen Netzwerke reintickern aufs Smartphone. Bilder und Texte, die unverhohlen rechtsradikale Inhalte transportieren. Die rassistisch sind, die Minderheiten verunglimpfen. Die angeblich lustig sein sollen.

Texte und Bilder, weitergeleitet von Menschen, die sich offensichtlich keine Gedanken darüber machen, was sie da verschicken. Oder, noch schlimmer: Die genau wissen, was sie tun. Die Stimmung machen wollen, die im Geschichtsunterricht geschlafen haben – ziemlich lange wohl –, oder die millionenfachen Mord an Menschen standhaft leugnen.

Es ist beschämend, dass es im Jahr 2019 Aufklärung braucht. Dass es in einer modernen Gesellschaft, die zu jeder Zeit rund um die Uhr Zugriff auf jegliche Art ernsthafter und sensibel recherchierter Information hat, offensichtlich eine große Dunkelziffer an braun angehauchten Schläfern gibt, die hellwach sind, wenn es Hass und Hetze zu verteilen gilt.

Es ist beschämend, dass im Jahr 2019 Menschen vorsichtig sein müssen, wenn sie nicht einfach evangelisch, katholisch oder ohne Konfession sind. Weil eine Minderheit die Macht zu haben glaubt, zu entscheiden, was – Achtung! – rechtgläubig ist.

Deshalb ist es gut, dass es auch in Bayern einen vom Staat Beauftragten gibt, der sich um die Anliegen derer kümmert, die von Antisemitismus und Rassismus bedroht werden. Es ist eine Aufgabe mit Bandwurm-Bezeichnung, die aber einen Inhalt vertritt, die so lang und wichtig ist wie die Bezeichnung selbst: Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe. 

Der ehemalige Kultusminister Ludwig Spaenle, oft nicht so ganz glücklich agierend in seinem früheren Amt, findet klare Worte als Ombudsmann. Er weiß, wovon er spricht. Er weiß, dass es nicht reicht, passiv am Schreibtisch zu sitzen und auf den Posteingang zu starren.

Er weiß: Gegen dumpfbackigen Antisemitismus, gegen Rassismus, gegen Extremismus hilft Wissen – ein positives Pestizid gegen rechtes oder linkes Gedankengut.

Und es helfen Beispiele wie das der jüdischen Gemeinde in Bayreuth, deren Vorsitzender Felix Gothart darauf setzt, dass jüdisches Leben blühen kann – mitten in Bayreuth, gemeinsam mit den Bayreuthern.

eric.waha@
nordbayerischer-kurier.de

 

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