Theater am Gericht Große Gefühle im Garten des Justizpalastes

Sommer-Idylle hinter den Gerichtssälen im Garten des Justizpalastes Bayreuth. Foto: red

Im Namen der Kunst – und nicht des Volkes! Sehnsucht und Liebe, zwei große Gefühle im Garten des Justizpalastes. Den öffnet die Bayreuther Justiz wieder für zwei idyllische Sommer-Theaterabende.

Am Gericht geht es nicht nur um schlimme Sachen. Vor allem hinterm Gericht geht es in diesem Sommer wieder um die schönen Künste – und natürlich die Liebe. Der Justizpalast öffnet zum zweiten Mal quasi seine Gartentür für Veranstaltungen des Fränkischen Theatersommers.

Die Idee, Räume und Gärten der Justiz für die Bewohner der Stadt zu öffnen, ist bereits vor Corona entstanden. Die Juristen wollen zeigen, dass hier keine Geheimniskrämerei hinter verschlossenen Türen stattfindet, wie es Katharina Roggenbrod, Richterin am Landgericht Bayreuth und dort auch zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, im Gespräch mit dem Kurier sagt. Auch wer nicht zu Gericht muss, soll sich die Gebäude und Grundstücke anschauen können.

Romantische Ecken

Das Gerichtsgebäude selbst ist imposant, die romantischen Ecken aber liegen hinten – im Garten. Dort stehen Zuschauerstühle rund um den romantischen Pavillon. Seine Bühne wird der Theatersommer vor der Rückseite des Justizpalastes aufbauen, dessen Fassade als Kulisse dient.

Die erste Veranstaltung findet am Mittwoch, 27. Juli, um 19 Uhr statt. Dann geht es um „Reise-Sehnsüchte“. Der Fränkische Theatersommer bietet mit diesem Abend des Musiktheaters die Möglichkeit, sein Fernweh durch Reisen mit Musik und Text zu stillen.

Reisebegleiter sind berühmte Komponisten und Autoren von Frederic Chopin bis Duke Ellington und von Heinrich Heine bis Mascha Kaléko. Sprecher ist Jan Burdinski, am Klavier spielt Beate Roux, an der Geige Bogdan Lewandowkski.

Zwangsheirat droht

Eine Woche später, am Mittwoch, 3. August, ebenfalls um 19 Uhr gibt es den „Arzt wider Willen“. Eine Hommage an den Dichter Molière, dem mit dieser Neu-Inszenierung zu seinem 400. Geburtstag gratuliert werden soll. In dieser temperamentvolle (Ballett-)Komödie im Stile der italienischen Commedia dell‘ arte frönt Molière seiner Lust an der schieren Komik, am Slapstick und an der übermütigen Satire. Ein blühendes Mädchen fällt in Ohnmacht und Krankheit, weil ihm die Zwangsheirat droht. In ihrem Fall bieten Ärzte, die nur die Symptome kurieren wollen, keine Heilung. Was tun?

Ob Sganarelle, der „Wunderdoktor“, der im ehrwürdigen Bürgerhaus der Patientin mit seiner „Therapie“ für einige Turbulenzen sorgt, der richtige Mann ist, dem Problem zu Leibe zu rücken? Immerhin muss er von der eigenen Frau zunächst tüchtig „behandelt“ werden, damit er die eigenen Macken kuriere. Wenn das Publikum am Ende an seiner ärztlichen Kunst auch fast verzweifeln möchte, die Heilung erfolgt dennoch auf unspektakuläre, aber wirksame Weise: durch wahre Liebe.


Eintrittskarten sind unter der Telefonnummer 09274/947440 und im Internet unter www.theatersommer.de erhältlich.

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