Test Renault R4 Der kantige Kult als elektrische Kiste

Thomas Geiger,

Der Renault R4 ist zurück. Die Franzosen etablieren das praktische Auto aus den 70er Jahren am unteren Ende der Preisliste für E-Autos.

Renault baut sein elektrisches Angebot am unteren Ende des Marktes weiter aus und lockt jetzt auch sparsame Familien an die Ladesäule. Ein knappes Jahr nach dem als elektrischer Stadtflitzer wiedergeborenen R5 bringen die Franzosen deshalb nun auch den R4 zurück. Aus dem gleichen Baukasten konstruiert, zeigt er sich aber etwas größer und vor allem praktischer. Dafür ist er aber nicht ganz so agil und dynamisch, wenn er im Sommer zu Preisen ab 29 400 Euro in den Handel kommt. Damit ist er in der Basisversion 1500 Euro teuer als sein kleiner Bruder, in einigen Varianten ist der R4 aber bis zu 500 Euro im Vorteil.

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Orientierung am Vorbild

Genau wie der R5 orientiert sich auch sein Vetter – aufrechter und mit mehr Kanten – an einem Vorbild. Ohne zu sehr retro zu sein und jüngere Kunden damit zu verschrecken, nimmt er die Linie jenes Kleinwagens wieder auf, den Renault bis 1994 als R4 über acht Millionen Mal gebaut und so zu einem der meistverkauften Autos der Welt gemacht hat. Er hat deshalb nicht nur von Original inspirierte Rundscheinwerfer, sondern die gleichen kantigen Kotflügel und dieselbe Silhouette. Sogar die geriffelten Leisten an den Flanken haben sie ins hier und heute übertragen. Und als eines der ganz wenigen modernen Autos bekommt der R4 auf Wunsch ein fast schon klassisches Rolldach aus Stoff, das ihn auf Knopfdruck zum Beinahe-Cabrio macht.

Innen sehr modern

Innen dagegen erwartet die Kunden ein modernes Ambiente mit einem für Kleinwagen in dieser Preisklasse vergleichsweise liebevollen Interieur: Aufwendig ausgewählte Materialien wie die gesteppten Sitzbezüge und das im gleichen Muster geprägte Dach, die Nationalflagge als wiederkehrendes Zierelement und für frankophile Zeitgenossen statt eines Cupholders einen Baguettehalter – fehlt eigentlich nur noch der Schaltknauf, der wie der Griff eines Regenschirms aus dem Armaturenbrett ragt.

Die Krückstockschaltung verschwindet – leider

Aber weil der R4 an die Vergangenheit erinnern, diese aber nicht in die Zukunft verlängern will, gibt’s stattdessen einen konventionellen Lenkradhebel für die Wahl der Fahrtrichtung: Hinter dem Lenkrad prangen digitale Instrumente und daneben ein Touchscreen mit Navigation samt Ladeplanung, über 100 Apps und einem Avatar, der zum digitalen Begleiter werden will.

Mehr Platz als der R5

Vor allem aber hat der R4 Platz – mehr als der R5 und mehr als viele andere in seiner Klasse: In der Länge um 15 Zentimeter auf 4,14 Meter und im Radstand um sieben auf 2,62 Meter gestreckt und obendrein mit dem höheren Dach ausgestattet, reicht die Rückbank nun auch für Erwachsene – zumindest auf der Kurzstrecke.

Kofferraum ist urlaubstauglich

Und der Kofferraum ist urlaubstauglich. Er fasst bis zu 420 Liter und lässt sich nicht nur auf 1.405 Liter erweitern. Weil zudem die Lehne des Beifahrersitzes umgeklappt werden kann, passen bis zu 2,20 Meter über die ungewöhnlich flache Ladekante. Ach ja: Und als einer der wenigen in dieser Klasse hat der R4 auch eine elektrische Heckklappe.

Etwas weicher als der R5

Während die Passagiere mit dem R4 die bessere Wahl treffen, hat der Fahrer gegenüber dem R5 ein wenig das Nachsehen. Denn vom wieselflinken Wirbelwind bleibt bei der Transformation zur handlichen Familienkutsche nicht mehr viel übrig: Der R4 federt weicher und komfortabler, ist nicht mehr ganz so spritzig, lenkt sich etwas leichter und hat auch einen etwas größeren Wendekreis. Hier ist weniger der Weg das Ziel als das gemütliche Ankommen.

Sie teilen sich die Plattform

Technisch teilen sich R4 und R5 Architektur und Antrieb. Hier wie dort gibt es deshalb im Basismodell einen 120 PS starken Frontmotor und einen 40 kWh großen Akku, der im R4 für 308 Norm-Kilometer reicht. Die Version Comfort Range fährt mit 150 PS und einem 52 kWh großen Akku, für den die Franzosen 409 Kilometer angeben.

An der Ladesäule sind die beiden Franzosen gleich: gleich gemütlich.