Terrorgefahr: Festspielhaus macht dicht

Von Susanne Will

Die Kunst in Zeiten des Terrors: Das Festspielhaus wird zur Festung. Sämtliche Durchgänge werden künftig mit Zäunen gesichert, an vier Stellen wird kontrolliert. Die Kosten für das Sicherheitskonzept liegen im einstelligen Millionen-Bereich. Gezahlt wird die Summe – Stand jetzt – von der Festspiel GmbH und zwar aus Rücklagen, die für den Ring 2020 vorgesehen waren. Die Terror-Gefahr könnte Bayreuth als Spielstätte auf lange Sicht gesehen für Regisseure unattraktiver machen.

Die Zäune liegen rund ums Festspielhaus zum Aufbau bereit. Foto: Ronald Wittek Foto: red

Am Mittwoch waren Arbeiter damit beschäftigt, das Aufstellen von 2,30 Meter hohen Zäunen vorzubereiten. Sie werden überall dort stehen, wo sich Schlupflöcher verbergen können. So wie auf der Rückseite des Gebäudes hin zum Mitarbeiterparkplatz. Der alte Maschendrahtzaun dort hält niemanden ab, der sich ins Gebäude schleichen will.

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Alle müssen sich ausweisen

Rund um das Festspielhaus liegen Stöße dieses mobilen „Doppelstab-Mattenzauns“, sie werden in den nächsten Tagen verbaut. Sämtliche Durchgänge des Hauses werden künftig mit fest installierten Zäunen gesichert. Es sind vier Pforten vorgesehen, an denen sich jeder, der ins Haus hinein möchte – egal ob Besucher oder die rund 800 Mitarbeiter – ausweisen muss.

Tore nach Festspielen wieder geöffnet

Für die größte Absicherung wurde gestern gebaggert: Massive Pfeiler wurden am Durchgang in den Hof gesetzt, dort wird ein Tor den Belieferungsweg sichern. Auch hier wird es eine Pforte geben. „Bis zum Ende der Festspielzeit am 29. August werden die verwundbaren Bereiche so gesichert“, so Peter Emmerich, Sprecher des Festspielhauses. Im Anschluss werden die Tore geöffnet bleiben.

Taschen- und Personenkontrollen

Auf was sich die rund 40.000 Festspiel-Besucher einstellen müssen: Taschenkontrollen, Personenkontrollen, eventuell auch mit Metallsonden. Die Festspiel GmbH setzt damit Auflagen der Stadt Bayreuth nach einer Sicherheitseinschätzung der Polizei um, so Emmerich. „Darüber kann man reden, aber nicht diskutieren. Es geht darum, Verantwortung für die Mitarbeiter und die Gäste zu übernehmen.“ Für ihn sei das alles neu: „Das ist eine starke Veränderung der Festspiele gegenüber den Vorjahren.“ Bei der Premiere wird es weiterhin Zaungäste geben, der Vorplatz bleibt von den Zäunen unberührt. Allerdings wird die Polizei sehr präsent sein, auch im Park.

Quelle: youtube

Rücklagen für den "Ring" 2020

Das Sicherheitskonzept geht zu Lasten der Kunst. Denn zahlen muss es die Festspiel GmbH. Und zwar zur Zeit aus Rücklagen für die Inszenierung des „Ring des Nibelungen“ 2020. Der Ring selbst sei zwar nicht in Gefahr, so Emmerich, aber es wird gespart werden müssen. Am Bühnenbild, bei den Kostümen, an der Technik. Wird Bayreuth als Wagner-Spielstätte dann unattraktiv? „Das wäre die logische Folgerung“, so Emmerich. „Aber ich will den Teufel nicht an die Wand malen, auch wenn die Gefahr nahe liegt, wenn es zu solchen Einschränkungen kommen müsste.“

Polizei mit mehr Präsenz

Auch für die Polizei werden die personellen Anforderungen in diesem Festspieljahr andere sein als in der Vergangenheit. Ein Polizeisprecher: „Wir erhalten Unterstützungskräfte aus ganz Oberfranken, dazu Kräfte der Bereitschaftspolizei, auch das Landes- und Bundeskriminalamt wird uns, vor allem, was den Personenschutz angeht, unterstützen.“

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