Helme, Warnwesten und Sicherheitsschuhe – das ist man auf Baustellen ja gewöhnt. Beim Richtfest auf dem Tennet-Campus kam diesmal noch Mund-Nase-Schutz dazu – als sichtbares Zeichen für die allgegenwärtige Corona-Pandemie. Und so betonte Tennet-Deutschlandchef Tim Meyerjürgens, wie froh er sei, dass man die kleine Feier, die ja vor allem für die Bauarbeiter gedacht sei, überhaupt durchführen könne.

Zumal man sich gut im Zeitplan befinde, wie Liborius Gräßmann betonte, Geschäftsführer des Generalunternehmers Markgraf. Vor elf Monaten war erster Spatenstich, 14 Monate wurden damals als Ziel für den Einzug genannt.

Puristisches Bürogebäude mit Werkstattcharakter

Das sei umso anspruchsvoller, als es sich bei dem dreistöckigen Bau um ein möglichst puristisches Bürogebäude mit robusten Materialien und Werkstattcharakter handle, sagte Johannes Jung von der KBK-Architektengesellschaft. Nicht nur einmal habe er sich fragen lassen müssen, „ob das wirklich so werden soll“. Was sich vielleicht einfach anhöre, sei vielmehr ein Drahtseilakt. Weil man besonders akkurat arbeiten müsse, wenn zum Beispiel Betonwände und -fußböden nicht verkleidet würden. „Da kann man nichts verstecken“, sagte der Architekt. Entsprechend hoch seien die Anforderungen an seine Leute, ergänzte Gräßmann. Was angesichts der Abstands- und Hygieneregeln auch zeitlich eine besondere Herausforderung gewesen sei.

Mit den 20 Millionen Euro für das Haus B habe Tennet an seinem Deutschlandsitz seit 2016 nun insgesamt 80 Millionen Euro investiert, sagte Meyerjürgens. Dabei habe zunächst wohl keiner gedacht, dass man nach dem Bezug des Zentralgebäudes 2018 quasi nahtlos weiterbauen werde.

Mitarbeiterzahl steigt auf gut 1400

Meyerjürgens sprach von einem „starken Bekenntnis zum Standort Bayreuth“, dessen Mitarbeiterzahl mit dem Bezug des neuen Gebäudes sukzessive von gut 1200 auf dann über 1400 steigen soll. 2016 waren es noch rund 800. Dabei sei es durchaus eine Herausforderung, die neuen Mitarbeiter zu finden, räumte er auf Kurier-Nachfrage ein. Allerdings würden viele junge Ingenieure von der Aussicht gelockt, an Projekten der Energiewende mitarbeiten zu können. Insgesamt hat Tennet mit Hauptsitz in den Niederlanden mehr als 5000 Mitarbeiter, davon den größten Teil in Deutschland.

In dem Gebäude, das 72 Meter lang ist und insgesamt 3600 Quadratmeter Nutzfläche bietet, soll laut Meyerjürgens vor allem entsprechende Projektarbeit geleistet werden. Deshalb auch der Werkstattcharakter mit möglichst offener Bauweise, der Teamarbeit und Begegnung begünstigen solle.

Markgraf-Geschäftsführer Liborius Gräßmann sagte, dass die puristische Bauweise seine Mitarbeiter zwar vor die eine oder andere Herausforderung gestellt habe, dass diese aber auch nachhaltig und ressourcenschonend sei. Bis der Bau endgültig fertig sei, hätten wohl gut 100 Menschen daran gearbeitet. Für sein Unternehmen sei das Haus B ein ordentlicher, mittelgroßer Auftrag. Dabei sei er froh, dass es mit Tennet nun schon seit 2015 eine vertrauensvolle regionale Zusammenarbeit gebe.