Telefonaktion Was beim Hausbau zu beachten ist

Der Bau eines Hauses ist für die meisten Menschen die größte Investition in ihrem Leben. Teure Fehler sollten dabei vermieden werden. Foto: Archiv/dpa/Frank Rumpenhorst

BAYREUTH. Der Immobilienmarkt boomt, auch wegen des Dauertiefs bei den Zinsen. Warum man sein Geld beim Kauf oder Bau nicht bis zum letzten Cent verplanen sollte und wie man teure Fehler vermeidet, verrieten Christopher Gomilar vom Verband der Privaten Bausparkassen und Michael C. Fritsche vom Verband Privater Bauherren den Anrufern bei der Kurier-Telefonaktion.

Wir haben einen Bekannten, der ist vom Fach und kann die Eingabeplanung für unser Einfamilienhaus machen. Dann wollen wir alles über Einzelvergabe der Gewerke abwickeln. Ist das empfehlenswert?

Das kann man pauschal nicht beantworten. Wenn Sie so vorgehen, benötigen Sie unbedingt jemanden, der die Schnittstellen koordiniert.Sie brauchen eine vernünftige Termin- und Kostenplanung und jemanden, der in der Lage ist, die Baufortschritte zu überwachen. Ansonsten sollten Sie die Finger davon lassen.

Worauf sollte man beim Bauherrenvertrag achten? Wir möchten teure Fehler beim Bau unseres Eigenheimes vermeiden.

Die Bauleistungsbeschreibung sollte so genau wie möglich sein. Daraus muss exakt hervorgehen, welche Leistungen der Handwerker tatsächlich erbringen muss, um später Nachbesserungen auszuschließen. Die beschriebenen Leistungen sollten die Erwartungen des Bauherren abdecken, beispielsweise beim Schallschutz, beim Brandschutz sowie beim Wärmeschutz. Sie sollten sich vorher darüber im Klaren sein, welche Vorstellungen Sie von allem haben.

Ist eine Baugrunduntersuchung immer notwendig? Sie kostet ja zusätzlich.

Ich würde es immer empfehlen, um herauszufinden, wie tragfähig der Boden ist und wo der Grundwasserstand ist. In Gebieten wie im Fichtelgebirge sollte man unbedingt prüfen lassen, wie hoch der Radonwert ist. Ist die Belastung sehr hoch, könnte Radon ins Gebäude kommen. Aus dem Bodengutachten entsteht eine Anweisung für eventuellen Bodenaustausch und für die Abdichtung am Gebäude. Ist alles vorher klar, können entsprechende Maßnahmen getroffen werden, die in den Bauablauf eingepasst werden. Das wird immer günstiger als nachzubessern.

Was hilft, beim Hausbau zu sparen?

Nachhaltigkeit – sowohl bei der Finanzierung als auch bei der Gebäudeausstattung. Und eine exakte Vorstellung von dem, was man braucht und was man will. Außerdem sollten nicht nur die Anschaffungskosten, sondern immer auch Betriebskosten und eventuell auch spätere Entsorgungskosten ins Kalkül gezogen werden.

Wir haben 180.000 Euro Eigenkapital und wollen eine Immobilie für 350.000 kaufen. Sollen wir unsere gesamten Eigenmittel in die Finanzierung einbringen?

Bringen Sie nur so viel ein, um einen guten Zinssatz von der Bank zu bekommen. Dafür reichen in der Regel 30 Prozent. Dann haben Sie mehr Geld als Rücklage zur Verfügung, um notwendige Investitionen leichter zu bezahlen.

Bekannte von uns müssen bei ihrem Hausbau gerade ziemlich viel nachfinanzieren. Wie kann man das denn vermeiden?

Das A und O ist die Vorplanung. Bevor man den Bauantrag einreicht, sollte man ganz genau wissen, was alles im Einzelnen kostet. Da kann man schon herausfinden, ob das mit dem geplanten Kostenrahmen übereinstimmt. Wenn nicht, sollte man Abstriche machen.

Die Kinder wollen unbedingt bauen. Beide sind Freiberufler und haben nichts auf der hohen Kante. Ich würde ja helfen, habe aber Angst, dass sie sich total verplanen.

Ihre Kinder benötigen ehrliche Finanzierungsberatungen mit einer Budget-Vorgabe. Erst dann kann man sagen, ob und in welchem Rahmen sie sich das leisten können.

Wir wohnen mit den Eltern im Haus und wollen deren Wohneinheit jetzt barrierefrei umbauen. Können dafür deren Bausparverträge eingesetzt werden?

Ja, das ist problemlos. Für den Umbau kommen aber auch Fördermittel beispielsweise von der KfW infrage.

Wir ziehen nach einem ziemlichen finanziellen Kraftakt demnächst in unser Haus ein. Was gilt es jetzt zu beachten?

Jedes Haus altert, also benötigen Sie Rücklagen, um eventuelle Instandhaltungsarbeiten zu finanzieren. Man geht davon aus, das ein bis 1,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und pro Monat eine gute Basis ist, notwendige Investitionen abzufedern. Dafür kann ein Bausparvertrag ganz nützlich sein.

Es kann ja sein, dass ich im Finanzierungsvertrag eine Rate festlege, die ich dann beispielsweise aus Krankheitsgründen nicht mehr bezahlen kann. Gibt es eine Möglichkeit, das zu vermeiden?

Fragen Sie bei Ihrer Bank nach der Möglichkeit eines Tilgungssatzwechsels während der Zinsbindung. Etliche Finanzierungsmodelle bieten so etwas an. Ansonsten ist es empfehlenswert, die Tilgungsrate lieber niedriger festzulegen – mit der Option, durch Sondertilgungen Mehrleistungen einzubringen.

Wir möchten unbedingt das Haus eines Bekannten kaufen, aber die Finanzierung ist noch nicht durch. Meine Frau sagt, wir sollten den Kaufvertrag schon mal unterschreiben. Das ist doch ein Risiko – oder?

Auf jeden Fall. Denn grundsätzlich gilt: Erst wenn die Finanzierung sicher ist, sollte man seinen Namen unter einen Kaufvertrag setzen und zum Notar gehen. Die Finanzierung selbst unterschreiben Sie dann nach dem Notartermin.

Wir möchten neu bauen mit einem Bauträger und wissen nicht, für wen wir uns entscheiden sollen. Was ist bei der Auswahl zu berücksichtigen?

Schauen Sie bei den vorliegenden Angeboten nicht nur auf die Bauleistungsbeschreibung, sondern prüfen Sie die wirtschaftliche Situation des Bauträgers. Nichts ist schlimmer, als wenn der Bauträger während des Baus pleite geht. Lassen Sich sich einen Auszug der Creditreform vorlegen. Wenn Sie Mitglied des Verbandes Privater Bauherren sind, können Sie die Liquidität von den Experten prüfen lassen. Schauen Sie sich den Gerichtsstand des Unternehmens an, und wer ihr Vertragspartner ist. Ist es die Baufirma an sich oder ist es ein Händler? Handelt es sich beispielsweise um einen Händler, kann es schwierig werden, Gewährleistungsansprüche durchzusetzen.

Wir haben zwei Kinder. Mein Mann arbeitet derzeit allein, weil ich noch in Elternzeit bin. Das Familieneinkommen ist also nicht so hoch. Könnten wir Landesfördermittel nutzen?

Unter www.bayernlabo.de finden Sie die Antragsmodalitäten und Konditionen für die Wohneigentumsförderung. Sie sind verheiratet, haben Kinder und liegen innerhalb der Einkommensgrenzen. Wenn Sie die geforderten zehn Prozent Eigenkapital auch noch aufbringen, kann sich der Gang zum Rathaus oder zum Landratsamt lohnen. Allerdings sind auch gewisse Wohnflächengrößen beim Neubau einzuhalten, und es darf noch kein Immobilienbesitz vorhanden sein. Passt das alles, können Sie für maximal 30 Prozent der Gesamtkosten zinsverbilligtes Darlehen mit 15 Jahren Zinsbindung bei einem Zins von 0,50 Prozent erhalten. Labo-Mittel werden bei der Bank zudem als Eigenkapital bewertet.


Infos: www.bausparkassen.de

www.kfw.de

www.test.de

www.bayernlabo.de

 

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