Telefonaktion Jeder Rausch ein Risiko

Der Alkoholrausch ist ein denkbar schlechter Tröster in der Coronazeit. Foto: dpa-Archiv/Daniel Reinhardt

„Wer Sorgen hat, hat auch Likör“, dichtete einst Wilhelm Busch. Tatsächlich wird in der Corona-Zeit Umfragen zufolge zuhause mehr Alkohol getrunken als früher. In einer Kurier-Telefonaktion gaben Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln Tipps, wie man seinen Alkoholkonsum besser unter Kontrolle bringen kann. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Bayreuth/Köln -

  In letzter Zeit, wo ich nur zu Hause sitze, ist aus der einen Bierflasche pro Tag fast ein halber Kasten geworden. Gibt es vielleicht einen Trick, um wieder weniger zu trinken?

Nein, einen Trick gibt es nicht, aber viele verschiedene Möglichkeiten, es zu schaffen. Es lohnt sich, sich darüber mit Experten zu unterhalten. Machen Sie am besten gleich einen Termin bei einer Suchtberatungsstelle für ein erstes Informationsgespräch. Adressen stehen unter https://www.kenn-dein-limit.de im Internet. Man sollte, wenn man motiviert ist, möglichst umgehend Taten folgen lassen. Die Beratung ist anonym und kostenlos.

Ich glaube mein Vater trinkt zu viel. Wie kann ich ihn darauf ansprechen ohne, dass er gleich in die Luft geht?

Es erfordert Fingerspitzengefühl, ein solches Gespräch zu führen. Ein guter Anfang wäre zum Beispiel zu sagen, dass Sie sich um Ihren Vater Sorgen machen. Ab besten bleiben Sie dabei konsequent in der Ich-Form. Auf Schuldzuweisungen sollte man verzichten, da sich der Betroffene dann kaum öffnen wird. Vielleicht können Sie Unterstützung anbieten, zum Beispiel bei der Suche nach professioneller Beratung, um das Alkohol-Problem besser lösen zu können.

Mein Freund trinkt jetzt zu Hause mehr. Er rastet viel öfter aus als sonst. Kann das vom Alkohol kommen?

Alkohol ist die psychoaktive Substanz mit dem höchsten Aggressionspotenzial. Durch die Veränderung in der Wahrnehmung werden Hemmschwellen gesenkt. Das kann dazu führen, dass alkoholisierte Personen Streit suchen und aggressiv werden. Bitten Sie Ihren Partner darauf zu achten, dass der Alkoholkonsum im Limit bleibt.

Ich trinke am Wochenende Wein und zu besonderen Anlässen auch mal in der Woche. Das dürfte doch noch im verträglichen Rahmen liegen, oder?

Das kann so sein. Die BZgA empfiehlt gesunden, erwachsenen Frauen, nicht mehr als ein Standardglas Alkohol pro Tag zu trinken. Für Männer gilt: nicht mehr als zwei Standardgläser. Unter einem Standardglas versteht man ein Glas, das zwischen zehn und zwölf Gramm reinen Alkohol enthält, beispielsweise ein Bierglas mit 0,3 Liter, ein Weinglas mit 0,125 Liter oder ein Schnapsglas mit 4 cl. Männer und Frauen sollten an mindestens zwei Tagen die Woche ganz auf Alkohol verzichten, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden.

Am Wochenende säuft mein Mann regelrecht. Es sind immer ein, zwei Flaschen Schnaps und dazu viel Bier. Wenn ich das anspreche, rastet er aus. Am liebsten würde ich ausziehen. Soll ich?

Das können natürlich nur Sie allein entscheiden. Vielleicht hilft es Ihnen zu wissen, dass eine solche rigorose Entscheidung allen Beteiligten helfen kann. Oft bewegt sich der Betreffende erst dann, wenn er vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Und bestimmt wird Ihnen ein wenig Abstand auch gut tun. Wenn Sie sich Unterstützung holen möchten - bei der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung findet man unter https://www.dajeb.de/geeignete Anlaufstellen.

Mein Mann sieht die Alkohol-Eskapaden unseres Sohnes (17) an den Wochenenden sehr entspannt. Ich bin besorgt …

Ihre Sorge ist berechtigt. Jeder Schluck Alkohol und insbesondere das Rausch-Trinken sind für Jugendliche gesundheitlich riskant, da der Reifungsprozess des zentralen Nervensystems noch nicht abgeschlossen ist. Versuchen Sie, mit Ihrem Sohn darüber ins Gespräch zu kommen. Sagen Sie ihm, dass und warum Sie sich Sorgen machen. Für mehr Informationen können Sie ihm das Internetportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung speziell für Jugendliche und junge Erwachsene unter https://www.kenn-dein-limit.info/empfehlen.

Das Sucht-Beratungstelefon der

- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist erreichbar von Montag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer 02 21/89 20 31.

Kostenlose Info-Materialien unter

https://www.bzga.de/Infomaterialien;

Für Jugendliche unter 16 Jahren: https://www.null-alkohol-voll-power.de;

für Jugendliche von 16 bis 20 Jahren (mit Tipps für Eltern): https://www.kenn-dein-limit.info.

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