Telefonaktion Frischer Wind durch Alkohol-Fasten

Ex und hopp. Der Alkoholkonsum hat in der Pandemie zugenommen. Das kann neue Abhängigkeiten schaffen. Foto: Alexander Heinl/dpa

Flasche leer? In der Corona-Zeit ist die Versuchung noch größer, Trost in Alkohol zu suchen. Aber wie kommt man raus aus der Abhängigkeit, wenn man sie vielleicht nicht einmal merkt?

Bayreuth - In der Pandemie trinkt laut Umfrage ein Drittel der Deutschen mehr Alkohol als zuvor. Für eine Alkoholpause kommt die Fastenzeit gerade recht. Professionelle Hilfe gab es bei der Kurier-Telefonaktion mit dem Expertenteam der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Gefragt wurde nach Strategien zur zeitweisen Abstinenz oder zur langfristigen Reduktion, nach Alternativen zum Alkohol sowie nach Möglichkeiten, mit Angehörigen oder Freunden, die zu viel trinken, ins Gespräch zu kommen. Hier eine Zusammenfassung:

Im vergangenen Jahr wollte ich während der Fastenzeit keinen Alkohol trinken, habe es nicht geschafft weil meine Stimmung in den Keller fiel. Wie schaffe ich es dieses Jahr?

Wissen muss man, dass Alkohol die Ausschüttung positiver Botenstoffe ankurbelt. Greift man oft zur Flasche, besteht die Gefahr, dass sich unser Gehirn die Verbindung zwischen Alkohol und Wohlfühlen merkt. Gleichzeitig wird ohne Alkohol nach und nach die Ausschüttung von Glücksbotenstoffen gedrosselt. Unser Hormonhaushalt ist durcheinander geraten. Durch Alkoholverzicht normalisiert sich bald alles wieder. Der dämpfende Effekt ist weg, die gute Grundstimmung wieder da. Um durchzuhalten können Sie sich Hilfe holen, zum Beispiel bei der Fasten-Aktion der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Anmeldung direkt unter www.kenn-dein-limit.de/handeln/fastenaktion/.

Gibt es auch bei den sozialen Medien eine Plattform zum Austausch über das Alkohol-Fasten?

Ja, Sie können zum Beispiel die BZgA-Angebote bei Facebook oder Twitter (siehe Info-Kasten) nutzen und mit anderen Teilnehmern Erfahrungen austauschen. Die BZgA unterstützt mit hilfreichen Tipps: Wie lehnt man angebotene alkoholische Getränke höflich, aber bestimmt ab? Welche alkoholfreien Drinks kann man als leckere Alternative ausprobieren? Außerdem wird ausführlich erläutert, welche positiven Effekte das Alkohol-Fasten hat und warum es sich lohnt, durchzuhalten.

Bis Ostern auf Alkohol verzichten - ich weiß, dass mir das gut täte. Aber es wird bestimmt eine total öde Zeit …

Warum? Sie können die sechs Wochen doch selbst gestalten. Probieren Sie Neues aus. Testen Sie alkoholfreie Getränke, mixen Sie selbst welche, bewegen Sie sich viel im Freien, suchen Sie in Mediatheken oder Streaming-Diensten nach interessanten Filmen, nutzen Sie die Online-Angebote von Theatern oder Museen. Lassen Sie einfach frischen Wind in Ihr Leben.

Seit einer Weile versuche ich, weniger zu trinken. Es gelingt selten. Wie sollen dann 40 Tage Alkohol-Fasten funktionieren?

Vielleicht gelingt es in der Gemeinschaft? Zusammen macht alles mehr Spaß. Suchen Sie sich Gleichgesinnte, die mit Ihnen auf Alkohol verzichten. So haben Sie immer jemanden an Ihrer Seite, mit dem Sie gemeinsam etwas unternehmen und sich gegenseitig zum Durchhalten motivieren können. Weitere Tipps, wie Sie Ihren Alkoholkonsum reduzieren, finden Sie unter www.kenn-dein-limit.de/handeln/weniger-trinken-so-gehts.

Ich wollte den Januar ohne Alkohol schaffen. Aber schon nach ein paar Tagen ging der gute Vorsatz flöten. Was tun, wenn das auch in der Fastenzeit passiert?

Ein Ausrutscher ist kein Grund, die ganze Fastenzeit abzubrechen. Auch wenn Sie einmal etwas getrunken haben - verzeihen Sie sich kleine Ausrutscher. Bleiben Sie dran und überlegen Sie, warum Sie schwach geworden sind und was Sie vorbeugend tun können, damit Sie beim nächsten Mal besser gewappnet sind.

Kann sich die Leber in den sechs Wochen Fastenzeit erholen? Ist das nicht viel zu kurz?

Die Leber trägt die Hauptlast beim Abbau von Alkohol im Körper. Wenn sie sechs Wochen lang nicht damit beschäftigt ist, kann sie sich gut regenerieren. Man kann diesen Prozess unterstützen, indem man „leberfreundlich“ isst, zum Beispiel viel Gemüse, viele eiweißhaltigen Nahrungsmittel, wie Nüsse, Geflügel, Fisch und zuckerarme Obstsorten.

Den Abend kann ich mir ohne Bier nicht vorstellen. Das brauche ich einfach. andererseits weiß ich, dass ich weniger trinken sollte. Aber wie?

Ignorieren Sie Gedanken wie: „Ich brauch’ jetzt dringend ein Bier.“ Hören Sie einfach nicht hin. Sagen Sie sich stattdessen: „Jetzt fällt es mir gerade sehr schwer, nichts zu trinken. In fünf Minuten wird das allerdings schon wieder anders aussehen.“

Auf Grund von Magenbeschwerden riet mir mein Arzt, weniger zu trinken. Aber ich trinke seit Jahren abends ein Bier und ein, zwei Schnäpse, bisher ohne Probleme …

Es ist nicht ungewöhnlich, dass man jahrelang nichts merkt. Die Beschwerden infolge Alkoholmissbrauchs entwickeln sich schleichend. Sie sind anfangs oft vage, zum Beispiel leichte Magenbeschwerden, Müdigkeit oder Schlafschwierigkeiten. Wenn Sie es schaffen, eine mehrwöchige Alkoholpause einzulegen, werden Sie bestimmt merken, dass es Ihnen besser geht. Schaffen Sie es nicht, können Sie sich helfen lassen, zum Beispiel von den Experten der Suchtberatungsstellen oder von Ihrem Hausarzt.

Meine Frau nervt wegen der drei Bier, die ich abends gewöhnlich trinke. Drei Bier sind doch noch kein Problem, oder?

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Männern nicht mehr als zwei Gläser, Frauen nicht mehr als ein Glas Alkohol pro Tag zu trinken. Dabei geht man von Standardgläsern aus. Ein Bierglas fasst 0,25 Liter - das ist also ein recht kleines Glas. Ebenso das Weinglas mit 0,125 Litern und das Schnapsglas mit 0,04 Litern. In jedem dieser Gläser stecken etwa zwölf Gramm reiner Alkohol. Mit drei Glas Bier liegen Sie also über dem Limit. Hinzu kommt: Zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein, um eine Gewöhnung an die Droge Alkohol zu vermeiden.

Besteht dann die Gefahr, abhängig zu werden, wenn ich weiter drei Bier am Abend trinke? Wie zeigt sich eine Abhängigkeit?

Es gibt keine Menge und Häufigkeit, die festlegt, ob eine Alkoholabhängigkeit vorliegt oder nicht. Als Indiz kann gelten, dass bei Abhängigen Alkohol so wichtig geworden ist, dass andere Interessen in den Hintergrund treten. Die Tage werden bewusst so geplant, dass Alkohol getrunken werden kann. Es fällt ihnen sehr schwer, maßvoll zu bleiben, wenn sie einmal mit dem Trinken begonnen haben. Hinweise auf eine Abhängigkeit sind auch wiederholte, erfolglose Versuche, weniger oder gar nicht zu trinken.


Infos:

BZgA-Online-Angebote zum Alkohol-Fasten:

www.kenn-dein-limit.de/handeln/fastenaktion/

www.facebook.com/kenndeinlimiterwachsene

www.facebook.com/groups/fastenaktion/

https://twitter.com/Alkohol_Limit

Sucht-Beratungstelefon der BZgA: Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr unter 0221/892031 (deutsches Festnetz)

Infos für Jugendliche unter 16 Jahren: www.null-alkohol-voll-power.de.

Für Jugendliche von 16 bis 20 Jahren: www.kenn-dein-limit.info

Für Erwachsene: www.kenn-dein-limit.de

Die Hotline der Anonymen Alkoholiker ist zu erreichen unter 08731/3257312.

Die Sucht- und Drogenhotline hat die Nummer 0180/5313031.

 

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