Teil II des Dreifaltigkeitsoratoriums von Enjott Schneider als Uraufführung Bayreuth: Lobpreisender Start des Osterfestivals

Von Frank Piontek

Enjott Schneiders zweiter Teil seines Oratorischen Triptychons „Sancta Trinitas“ begeisterte am Karfreitag in der Stadtkirche Bayreuth. Die Uraufführung, die zugleich die Eröffnung des Osterfestivals war, spielte mit Licht und Schatten: dunklen Tönen und Stimmungen im hellen Raum.

Die tiefen Streicher beginnen mit halblauten Tremoli. Eine einsame Oboe irrt durch den Tonraum, Dissonanzen stoßen auf Dissonanzen. Nicht nur im Satz, der bezeichnenderweise den Titel „Tenebrae“ trägt, kommt die Musik aus dem Herzen der Finsternis. Tiefe Blechbläser, eine aparte Bassklarinette und die Kontrabässe sorgen für dunkle Stimmung – und doch bricht das Nachmittagslicht des Karfreitag durch die Fenster der optisch aufgelichteten Stadtkirche.

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Enjott Schneiders zweiter Teil seines Oratorischen Triptychons „Sancta Trinitas“ mag sich noch so sehr ins Dunkle verfangen – auf eine Solovioline mag der Komponist doch nicht verzichten, ebenso wenig auf einen hellen Frauensing- und -sprechchor. Dass ein Sopran und kein heldenhaft strahlender oder bedenklicher Bariton, noch weniger ein dumpfdröhnender Bass den Schrei singt: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“, berührt merkwürdig.

So findet die Musik, die nun wesentlich innerlicher und verrätselter daherkommt als noch der Lobpreis auf den „Vater“, dem der erste Teil des Oratoriums gewidmet wurde, zu ihrem Licht. „Fragendes Licht“, so heißt, als hätte man es sich gewünscht, auch der letzte Satz des Werks, der dem leidenden Sohn gewidmet ist. Die Uraufführung am Karfreitag, in der wohlgefüllten Stadtkirche, noch dazu als Eröffnungskonzert des Osterfestival, ist durchaus folgerichtig. Nur eines muss der Musikfreund bedauern: die Kürze des Werks, zumal des letzten Satzes, doch besser ein Bedauern über die Kürze als eines über die Länge eines neuen Stücks, das die schönen Regionen der fein instrumentierten, freien Harmonik handwerklich vollkommen betritt.

Auch als Kontrast zum ersten, hollywoodnahen Teil wirkt der zweite Teil dramaturgisch und musikalisch ausgesprochen gut, zumal der musikalische Kommentar zum hoffnungsfrohen Gedicht des von den Nazis ermordeten Dietrich Bonhoeffer - „Menschen gehen zu Gott in ihrer Not“ - sich nicht auf einen bloßen Dur-Jubel verlässt. Schneider benutzt als rhythmisches Modell die schweren Schritte von Mozarts „Lacrymosa“, die wir bald darauf in Zusammenhang mit dem gesamten Requiem hören. Überstrahlt vom Licht des Nachmittags hören wir Mozarts Totenmesse als dunkel gestimmtes Werk des Frühklassizismus.

Der Dirigent Michael Dorn geht bewusst schnell in den ersten Satz hinein, als stünde dort die Vortragsbezeichnung „Nicht schleppen“. Die Herrenanrufung des „Kyrie“ ist ein Akt der Verzweiflung, das „Dies irae“ kommt stürmisch daher. Man hört: die Toten werden gehetzt. Erst im „Lacrymosa“ bleibt die Musik fast in einem bleischweren Kondukt stehen – und das „Voca me“ der Soprane ertönt delikat, wie aus der Tiefe des Abgrunds.So können Kontraste aussehen, die einen Abend zusammenhalten, der beim Neutöner wie beim späten, pessimistisch graugewandeten Mozart auf die Klage abgestimmt ist.

Die Erzgebirgische Philharmonie Aue, die Stadtkantorei Bayreuth, die Solisten Marie-Sophie Pollak, Renate Kaschmieder, Michael Kranebitter und Fritz Feilhaber tun ihr Bestes, um die differenzierte Musik der beiden Meister differenziert in die Stadtkirche zu schicken.

Bravo – für diese dunklen Klänge im hellen Raum.