Tankrabatt Spritpreise steigen wieder

und Andreas Wolfger
 Foto: HCSB-Grafikdesk

Infolge des bundesweiten Entlastungspakets sind vor knapp einer Woche die Spritpreise  deutlich gefallen. Inzwischen steigen sie aber wieder.

Knapp 1,94 Euro kostete am vergangenen Mittwoch der Liter Superbenzin an der Kulmbacher Shell Tankstelle. Am Vortag waren es noch rund 2,22 Euro – ein gewaltiger Preissturz. Grund  war kein Fehler der Anzeige, sondern die auf drei Monate angelegte  Senkung der Energiesteuer auf Treibstoffe, die die Bundesregierung im Rahmen ihres Entlastungspakets beschlossen hat. Um rund 30 Cent sollte der Benzinpreis damit fallen, der Dieselpreis um 14 Cent. Fritz Ziegler, Pächter der Shell, sagte vergangenen Mittwoch noch im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ich glaube, die Preise werden sich in den nächsten Tagen einpendeln.“

Preise sind relativ hoch


 Und tatsächlich. Ein Woche nach Inkrafttreten der Regelung sind die Preise längst wieder gestiegen –   ganz gleich, von welcher Tankstelle man seinen Treibstoff bezieht. 
Dieses Gefühl bestätigt mitunter auch eine Stichproben-Untersuchung unserer Zeitung  anhand von Daten des Online-Dienstes benzinpreis-blitz.de. Verglichen wurde hierbei die Spritpreisentwicklung der vergangenen vier Wochen von sechs verschiedenen Tankstellen im Landkreis. Schon eine Woche später kratzt der Preis nämlich wieder an der 2-Euro-Marke. 1,99 Euro kostet der Liter Benzin am Mittwoch im Durchschnitt laut den Daten des Online-Dienstes an der gleichen Shell-Tankstelle. 
An anderen Tankstellen in der Stadt ist es ähnlich. Kostete der Liter Superbenzin an der Esso vergangene Woche noch 1,95 Euro, lag er am Mittwoch wieder bei zwei Euro. Das etwas günstigere E10 fiel am 1. Juni aufgrund des Tankrabattes zum ersten Mal seit vier Wochen unter 1,90 und kostete bei Esso 1,89 Euro – an der Shell-Tankstelle sogar nur 1,88 Euro. Am 8. Juni zahlten Kunden an den Zapfsäulen im Schnitt schon wieder fünf  Cent mehr. 


Bei der Kulmbacher Star-Tankstelle fällt der Preisanstieg sogar noch höher aus. Von 1,91 Euro am Tag des Tankrabattstartes stieg der Preis innerhalb von sieben Tagen um 7 Cent auf 1,98 Euro – der Diesel sogar um 8 Cent, von 1,90 auf 1,98 Euro. Das E10 zog hingegen nur um 6,8 Cent an und lag bei 1,92 Euro. Damit war der Preis für einen Liter Diesel am Mittwoch drei  Cent höher als noch am 22. Mai – dem Tag mit dem günstigsten Preis in den vergangenen drei Wochen vor dem Tankrabatt. 
In Ködnitz liegt die Tankstelle von Bernd Eichenhüller. Der Pächter der Erik-Walther-Tankstelle sieht den Tankrabatt bereits eine Woche nach Start wieder verpufft. „Die Preise sind relativ hoch. Warum auch immer“, sagt Eichenhüller im Gespräch mit unserer Zeitung am Donnerstag. Da kostet der Liter Benzin 1,94 Euro an seiner Tankstelle, das E10 1,88 und der Diesel sogar 1,95 Euro. Im Durchschnitt sind das 5,2 Cent mehr als noch vor einer Woche beim Benzin und E10 und sogar 8 Cent beim Diesel. „Der Tankrabatt ist nicht so angekommen, wie er sollte“, kommentiert Eichenhüller die Situation.

Ganz normales Geschäft 


Dementsprechend herrsche an seinen Zapfsäulen relativ normaler Betrieb. Noch vor einer Woche sah das anders aus. Am Tag des Tankrabattstarts bildeten sich bei ihm lange Schlangen: „Die Kunden kamen Schlag auf Schlag. Meine zwei Angestellten an der Kasse sind mit dem Abkassieren kaum noch hinterhergekommen.“ Bereits einen Tag später war der Ansturm auch schon wieder rum. „Der Mittwoch war nur eine Ausnahme. Die Kunden haben alle auf diesen einen Tag gewartet.“  Diesen falle auch  auf, dass die Preise wieder steigen.  Die Schuld dafür geben sie Eichenhüller aber nicht. „Die wissen natürlich, dass wir nichts dafür können.“ 


Etwas ruhiger war es vergangenen Mittwoch an der Avia-Tankstelle in Trebgast zugegangen. „Die Leute schauen natürlich auf den Tankrabatt. Aber wir hatten jetzt keinen riesigen Andrang“, erzählte eine Mitarbeiterin im Gespräch mit unserer Zeitung damals. Vielmehr sei es ein ganz normales Geschäft gewesen. Zu dieser Zeit lag der Literpreis bei 1,93 Euro für Diesel und 1,92 für Benzin.  E10 schlug mit 1,86 Euro zu Buche. Eine Woche später lagen die Preise für Diesel und Benzin im Schnitt wieder bei 2 Euro,  E10 bei 1,93 Euro. 
An Autobahnen ist der Sprit meistens sogar noch teurer. Das bestätigt der 7-Tage-Durchschnitt bei  Aral in Neudrossenfeld. Zwar griff auch hier der Tankrabatt am ersten Tag und die Preise für Benzin (1,92 Euro), Diesel (1,94 Euro) und E10 (1,87 Euro) fielen, eine Woche später ist sie aber die einzige Tankstelle, deren Benzinpreis bei unserem Vergleich wieder die Zwei-Euro-Marke  knackt. So lag der Durchschnittspreis an diesem  Mittwoch für Diesel bei 2,04 Euro und für Benzin bei 2,01 Euro. Und auch wenn  E10 mit 1,95 Euro noch unter zwei Euro liegt, stieg es mit 7,8 Cent im Durchschnitt doch am höchsten an.

Kritik am Entlastungspaket der Regierung

- Der sogenannte Spritrabatt ist Teil des zweiten Entlastungspakets der Bundesregierung.  Endgültig beschlossen wurde er durch den Bundestag am 19. Mai. Die Bestätigung durch den Bundesrat erfolgte am 20. Mai.

- Neben der Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel umfasste das Paket unter anderem auch die Einführung des sogenannten Neun-Euro-Tickets für Regionalverbindungen der Bahn. Hierfür hat die Regierung Mittel in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro eingeplant. Beide Maßnahmen gelten jedoch lediglich vom 1. Juni bis zum 31. August.

- Daneben sieht das zweite Entlastungspaket laut Finanzministerium auch eine einmalige Energiepreispauschale für Einkommenssteuerpflichtige Erwerbstätige in Höhe von 300 Euro vor. Außerdem erhalten Empfänger von Sozialleistungen oder Arbeitslosengeld 1  eine einmalige Zahlung von   100 Euro. Familien erhalten ebenfalls 100 Euro pro Kind.

- Obwohl es bereits beschlossen ist, gilt das Entlastungspaket als durchaus umstritten. So etwa zweifeln Kritiker an, dass das Neun-Euro-Ticket zu einer langfristigen Stärkung des Öffentlichen Nahverkehrs führen würde – insbesondere im ländlichen Raum.  Außerdem seien die beschlossenen Einmalzahlungen nicht ausreichend, um die infolge des Kriegs in der Ukraine gestiegenen Kosten effektiv abzudämpfen. Zu guter Letzt setze der Spritrabatt auf verschiedene Art falsche Anreize. So profitierten von ihm im besten Fall vornehmlich Vielfahrer, die oftmals besser verdienten. Im Zweifelsfall werde er aber von den Ölkonzernen einfach als zusätzlicher Gewinn eingepreist

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