Statt dessen ist Alltag angesagt bei der 37-jährigen Bayreutherin. „Ich werde wie gewohnt um 7 Uhr schwimmen, einen harten Lauf machen und locker Radfahren – ein ganz normaler Trainings-Samstag“, berichtete sie in einem Interview für das Internetportal tri2b.com. Dass die Gedanken dabei zu sehr in Richtung Hawaii abschweifen, ist offenbar nicht zu befürchten: „Ich bin kein wehmütiger Mensch und versuche mich nicht mit Dingen zu beschäftigen, die ich nicht ändern kann“, erklärte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Entsprechend hat Haug schon die ganze lange Wettkampfpause auch als Gelegenheit verstanden, ohne den Stress durch Wettkampftermine rund um die Welt an ihrer Leistungsfähigkeit zu arbeiten: „Ich habe die Zeit genutzt, um ganz kontinuierlich Grundlagen aufzubauen. Das kommt mir hoffentlich nächstes Jahr zugute.“

Gegenüber dieser Zeitung legte sie sich sogar darauf fest, dass die Anne Haug in der aktuellen Form gegen die Weltmeisterin von 2019 gewinnen könnte: „Im Moment befinde ich mich nicht in einer ironman-spezifischen Vorbereitung – von da her kann man das schlecht vergleichen. Aber ich denke, dass ich mich schon noch mal in allen Disziplinen verbessern konnte.“ Konkret messen lasse sich das insbesondere auf dem Rad: „Anhand meiner Wattwerte kann ich schon eine Verbesserung sehen. Das ist sicherlich auch auf die kontinuierliche Arbeit an ergonomischer und aerodynamischer Sitzposition und Überprüfung im Windkanal zurückzuführen ist.“ Auch die Teilnahme an einigen Laufwettbewerben habe positive Ergebnisse ergeben: „Über meine Laufform freue ich mich sehr. Gerade letzte Woche konnte ich sehen, dass meine Träume auch der Realität standhalten.“

"WM-Titel will man sich verdienen, nicht verwalten"

Genau dieser Nachweis ist es, was Anne Haug heute beim Gedanken an die entgangene WM am meisten fehlt: „Ich vermisse es, bei einem hochklassig besetzten Wettkampf am Start zu stehen und mich in bestmöglicher Trainingsform mit den anderen zu messen.“ Die Vorstellungen, die wahrscheinlich die meisten Urlaubsreisenden mit der amerikanischen Inselgruppe im Pazifik verbinden, teilt die Bayreutherin dagegen kaum: „Ich verbinde Hawaii immer mit der Ironman-WM – dem Ort, an dem man unter unwirtlichen Bedingungen eine Bestleistung abrufen muss und anhand dieses Ergebnisses deine ganze Saison beurteilt wird. Meine Gedanken sind nur damit beschäftigt, wie ich das am besten schaffe.“ An Sightseeing habe sie „ehrlich gesagt noch nie gedacht“. Ein paar Details an der Reise ins Paradies seien sogar ausgesprochen entbehrlich, sagt sie mit einem Augenzwinkern: „Auf den langen Flug, die Hitze und den Jetlag kann ich gut verzichten.“

Dass sie aufgrund der Absage nun sogar gleich zwei Jahre als Weltmeisterin amtieren kann, ist für Anne Haug dagegen überhaupt kein Trost: „Einen Weltmeistertitel will man sich verdienen und nicht so lange wie möglich verwalten.“