Tänzer statt Dragqueen Kyle Patrick ersetzt Le Gateau Chocolat im „Tannhäuser“

„Es geht darum, dass man so sein darf, wie man sein möchte“: Kyle Patrick am Teich im Festspielpark. Foto: Roman Kocholl

Aufgrund von Quarantänebestimmungen wird Le Gateau Chocolat in diesem Jahr nicht von Großbritannien nach Bayreuth reisen. Ersetzen wird den Travestiekünstler, der die „Tannhäuser“-Produktion des Jahres 2019 mit geprägt hat, der 33-jährige Tänzer Kyle Patrick. Im Kurier-Interview spricht Patrick über die Buhs, die sein Vorgänger nach der Premiere erhalten hat, queere Menschen und seine Eindrücke in Bayreuth.

Bayreuth -

Herr Patrick, haben sie die Videos mit Le Gateau Chocolat gesehen?

Kyle Patrick: Nein, ich habe nur Fotos gesehen, die mir Tobias Kratzer gezeigt hat.

Das Publikum wird ja die Videos von vor zwei Jahren sehen. Versuchen Sie, Ihren Vorgänger zu imitieren?

Patrick: Nein, es ist nicht so, dass ich Gateau Chocolat nachmache. Ich steige in die Rolle ein. Wir sind zwei verschiedene Personen.

Gateau Chocolat ist ein Travestie-Künstler. Sie auch?

Patrick: Nein. Ich bin zeitgenössischer Tänzer und Choreograf. Gateau Chocolat hat ja am Teich auch gesungen. Ich singe nicht, dafür tanze ich. Die eine Nummer ist auf Jazz und Swing basiert, die andere auf Flamenco.

Wie fühlen Sie sich, wenn sie Frauenkleider tragen?

Patrick: Das ist eine Herausforderung. Aber das ist das Schauspiel. Da ist inbegriffen, dass ich hohe Absätze trage.

Mussten Sie lange überlegen, in die Produktion einzusteigen?

Patrick: Das geschah ja sehr kurzfristig und die Überlegung war ganz kurz. Aber ich kannte Bayreuth nicht. Ich bin da rangegangen, wie an einen ganz normalen Job. Wie mir Tobias Kratzer die Rolle beschrieben hat, das hat mich sehr angesprochen und ich dachte: Wow, jetzt habe ich die Chance, meine Fähigkeiten als Tänzer zusammen mit dem Schauspielen zu zeigen. Das fand ich super cool.

Wie gefällt Ihnen die Musik von Richard Wagner?

Patrick: Die Musik ist sehr schön und reich. Da steckt viel drin.

Wie sind Ihre ersten Eindrücke vom Festspielhaus?

Patrick: Das ist unglaublich imposant und super schön. Das ist eine tolle Gelegenheit, hier zu sein.

Nach der Premiere 2019 wurde Gateau Chocolat von einigen Festspielbesuchern ausgebuht. Wie denken Sie darüber?

Patrick: Das  zeigt,  dass es noch viel Arbeit gibt. In eine ähnliche Richtung erfahre ich das ja auch. Wenn ich in Bayreuth oder Nürnberg unterwegs bin, kriege ich die Blicke der Leute mit und deren Energie. Manche Leute blicken mich zwei-, drei- oder viermal an. Sie sind es nicht gewohnt, dass sich jemand so kleidet wie ich. Es geht darum, dass man so sein darf, wie man sein möchte. Es sollte Normalität sein, dass man sich selbst sein darf.

Wie kommen diese Blicke bei ihnen an?

Patrick: Man kriegt schon mit, ob es ein neugieriger Blick ist, oder ob man demjenigen unangenehm ist. Oder ob ein Blick sagt: Was macht der hier? Wieso denkt er, dass er das machen kann? Das ist schade. Aber ich freue mich, in diese Rolle hier einsteigen zu dürfen und ein bisschen meinen Beitrag zur Akzeptanz der queeren Menschen zu leisten.

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