Suspendiert Betreuerin soll Kinder geschlagen haben

Das ASS-Schulgelände in Bayreuth. Foto: Markus Roider

BAYREUTH. An der Albert-Schweitzer-Schule in Bayreuth soll es in der Woche vor den Pfingstferien zu einem heftigen Vorfall gekommen sein. Zwei Betreuerinnen eines Hilfsdienstes, der in der Schule Arbeitsgruppen anbietet, sollen Schüler geschlagen und misshandelt haben. Die Polizei ermittelt bereits.

Schwere Vorwürfe gegen zwei Betreuerinnen des Malteser Hilfsdienstes aus Bamberg. Die beiden Frauen stehen im Verdacht, mindestens zwei Schüler der Albert-Schweitzer-Schule im Rahmen der gebundenen Ganztagsschule in der Arbeitsgemeinschaft "Bauernhof" körperlich schwer attackiert zu haben. Eine betroffene Mutter hat bereits Anzeige erstattet, eine weitere wartet derzeit das Verfahren ab.

Konkret geht es um einen Vorfall vom 6. Juni. Die Schüler der Ganztagsklasse befanden sich laut Angaben von Eltern und Schulamt mit den beiden Betreuerinnen der Malteser auf einem Bauernhof im Bayreuther Stadtteil Destuben. Wie Dr. Christian Stock, der stv. Diözesangeschäftsführer der Bamberger Malteser mitteilte, beschäftigt der Hilfsdienst als Kooperationspartner der Albert-Schweizer-Schule die Betreuungskräfte im Rahmen der Ganztagsschule. Die Arbeitsgruppe war zum ersten Mal auf dem Anwesen um sich vorzustellen.

Wie die Mutter einer 13-jährigen Schülerin mitteilte, sei das Mädchen mit drei weiteren Teilnehmern an einem Zaun zum Hühnerstall gestanden. Aus Angst, dass die Kinder das Gehege öffnen, habe eine der Betreuerinnen "die Schüler angebrüllt", erzählt die 31 Jahre alte Mutter und beruft sich dabei auf die Aussagen der Kinder. Weil die Anweisung sehr ungehalten gewesen sein soll, habe die 13-Jährige gesagt, dass man das "auch im normalen Ton" sagen könne. Daraufhin sei Claudia N. "mal wieder ausgerastet", sagt die Schülerin.

In den Bauch geboxt 

Völlig außer sich sei die Betreuerin gewesen. Sie habe die 13 Jährige an der Schulter gepackt, zu sich gedreht und ihr in den Bauch geboxt. Das Mädchen, das seit Geburt ein Loch im Herzen hat, habe starke Schmerzen und Atemnot erlitten. Einen zweiten Schüler habe N. ebenfalls gepackt und in Richtung Hühnerstall geschubst. Die beiden anderen Kinder seien dann vor der Betreuerin geflüchtet und blieben unversehrt. Claudia N. und ihre Kollegin hätten sich anschließend auch lustig darüber gemacht, weil die Schüler plötzlich kleinlaut gewesen sein sollen.

Nach dem Vorfall seien die Kinder schockiert gewesen, sagen die Eltern. Einige verpassten sogar ihren Bus und mussten abgeholt werden. Völlig eingeschüchtert habe sich die 13-Jährige erst auf mehrfache Nachfrage am Donnerstgnachmittag ihrer Mutter geöffnet. Beim Kinderarzt wurde sie dann untersucht. Laut Attest habe die 13-Jährige dabei Druckschmerzen im Bauch gehabt und auch stundenlangen Blutgeschmack im Mund. Doch damit nicht genug. Die Schülerin habe Angst, wieder zur Schule zu gehen sagt ihre Mutter. Denn die Betreuerin sei nicht nur für die Arbeitsgruppe zuständig, sie sei auch bei der Essensausgabe eingesetzt.

Schulamt und Malteser reagieren schnell 

Doch die Schüler treffen vorerst nicht mehr auf ihre mutmaßliche Peinigerin. Denn N. wurde umgehend von ihren Aufgaben entbunden. Völlig entsetzt und schwer betroffen zeigte sich Dr. Christian Stock, der stv. Diözesangeschäftsführer der Bamberger Malteser im Gespräch mit unserem Reporter. Es sei die tägliche Anforderung der Malteser, dem Auftrag gerecht zu werden, die Kinder bei Lehr - und Freizeitangeboten zu betreuen. Dabei stehe vor allen auch die "Sicherheit an Leib und Seele im Vordergrund", was allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch in Schulungen vermittelt werde, sagt Stock. Er spricht von einer "höchstproblematischen Entgleisung" der Betreuerin. Dabei sei unwesentlich, was sich vielleicht vorher zugetragen habe. Man habe N. bis auf weiteres von allen dienstlichen Tätigkeiten freigestellt. Ein disziplinarisches Gespräch soll nach den Ferien erfolgen, weil sich die Beschuldigte direkt nach dem Vorfall in den Urlaub verabschiedete.

Michael Danner, der aktuell kommissarische Schulleiter, zeigte sich ebenfalls schwer betroffen von dem Vorfall und traf sich mit der Mutter der 13-Jährigen zum Gespräch. Schnell wurde auch das Schulamt involviert, wie Schulrätin Petra Rauh bestätigt. Sie vertritt den im Urlaub befindlichen Schulamtsdirektor Werner Lutz. Auch die zukünftige Schulleitung sei bereits informiert worden, sagt Rauh. Von Anfang an habe "eine enge Abstimmung allen Beteiligten" stattgefunden.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln

Wegen der laufenden Ermittlungen wollen sich weder Schulamt noch Malteser weiter zu dem Vorfall äußern. Man will vor allem die Einlassung der Beschuldigten abwarten. Die Mutter der 13-Jährigen hat bereits Strafantrag gestellt. Bei der Polizei habe man ihr gesagt, dass auch Ermittlungen gegen die zweite Betreuerin in Frage kommen. Unter Umständen habe sich diese wegen Unterlassung strafbar gemacht.

Harald Stadter von der Polizeiinspektion Bayreuth Stadt bestätigte auf Nachfrage entsprechende Ermittlungen. Wegen dem laufenden Verfahren wollte er aber bislang noch nicht näher auf den Vorfall eingehen. Bislang würde man aber nur gegen N. ermitteln, alles weitere müsse die Staatsanwaltschaft entscheiden.

 

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