Südostlink BI Brand sieht sich behindert

Mehrere Mitglieder nehmen an einem Erörterungstermin in Hof teil. Es sei an der Zeit, damit aufzuhören, den Bürgern Märchen zu erzählen.

Bei Gattendorf haben die ersten Arbeiten für den Südostlink begonnen. Foto: Tennet

Auch wenn die ersten Arbeiten für den Südostlink in der Region bereits laufen (wir berichteten), beeinflusst das die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Brand nicht in ihrem Widerstand gegen die geplante Gleichstromtrasse. Wie die BI in einer Presseerklärung schreibt, war der Planungsabschnitt C 1 ursprünglich von Münchenreuth bis zur Regierungsbezirksgrenze zur Oberpfalz bei Konnersreuth eingeteilt. Der Abschnitt C 2 führte von Konnersreuth bis Schwandorf.

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„Willkürliche Zuordnung“

„Nun wurde willkürlich das Marktredwitzer Stadtgebiet dem Abschnitt C 2 zugeordnet. Somit wird unserer Bürgerinitiative die Beteiligung beim Planfeststellungsverfahren erschwert. Wir müssen uns mit den Unterlagen beider Abschnitte beschäftigen und auch bei den Erörterungsterminen an unterschiedlichen Orten anreisen.“ Dennoch würden es die Mitglieder der BI auf sich nehmen und bei beiden Erörterungen für die Abschnitte C 1 und C 2 präsent sein. Daher sind deren Vertreter beim Erörterungstermin am heutigen Dienstag in Hof in der Freiheitshalle, um über bestimmte Punkte mit der Bundesnetzagentur und auch dem Netzbetreiber Tennet zu diskutieren.

Man werde den Standpunkt mit Argumenten unterfüttern, warum es sinnvoll sei, auf den Südostlink zu verzichten. „Wenn der 14. November zeitlich nicht ausreicht, da zuerst die Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange behandelt werden, und die Einwendungen von Vereinigungen erst danach erörtert werden, kann es sein, dass wir sogar am Mittwoch, 15. November, nochmals nach Hof fahren müssen“, heißt es in der Erklärung.

„Kein hinreichendes Beteiligungsverfahren“

Die BI empfindet es als ärgerlich, dass ihre Mitglieder nur einen Teil der Planfeststellungsunterlagen einsehen konnten. „Sich lediglich online in einem kurzen Zeitraum informieren zu können, scheint Absicht zu sein, um die Bürgerbeteiligung gezielt auszuhebeln. Der betroffenen Öffentlichkeit wird somit kein hinreichendes Beteiligungsverfahren zur Verfügung gestellt. Es ist schwierig, online zu finden, was speziell relevant für den Bürger ist. Vor allem bei Plänen ist es extrem problematisch, sie übersichtlich einzusehen. Dieses digitale Beteiligungsverfahren ist wenig anwendungsfreundlich. Die Öffentlichkeit wird bei Planungsprozessen auch durch neue Gesetze, die die Verfahren beschleunigen sollen, immer mehr in den Hintergrund gedrängt“, heißt es in der Mitteilung.

Die Bürgerinitiative weist für den Abschnitt auf einige kritische Punkte hin:

Die Wasserversorgung, Trinkwasserquellen und Brunnen bei Dörflas, Kirchenlamitz Höchstädt und Thiersheim: „Die Flussläufe des Grundwassers werden enorm verändert. Hier in der Region gibt es plattenartige Schichten und Kluften in der Bodenstruktur. Die vergangenen Jahre bestätigen das Problem von immer wiederkehrenden Dürren. Starkregengüsse, wie sie in den letzten Jahren und gerade auch aktuell sichtbar sind, beeinflussen das wichtigste Grundlebensmittel Wasser. Die Wasserverläufe werden durch die Stromtrasse verändert. Die Grundwasserneubildung ist besonders im Landkreis Hof und Wunsiedel stark rückläufig.

Schwierige geologische Verhältnisse (Basalt, Granit und Redwitzite): „Im Fichtelgebirge wechselt alle paar Meter der Boden. Somit ist bei dem Bauvorhaben mit unberechenbaren Hindernissen und somit überhöhten Kosten zu rechnen.“

Gesundheitsschädigungen durch Strahlung und magnetische Felder: „Unser Fichtelgebirge zeigt im Krebsregister eine erhöhte Krebserkrankungs- und Sterblichkeitsrate auf. Bedingt durch die natürliche Strahlung (Radon) durch den Granit (in Deutschland höchste Strahlung im Fichtelgebirge und im Bayerischen Wald). In den ganzen Unterlagen fehlt die kumulative Auswirkung vom Ostbayernring mit dem Südostlink, also Wechselstrom mit Gleichstrom in einem Korridor.“

Die Auswirkungen auf die Hydrogeologie: „Wie verändert sich die Hydrogeologie im Salach, wo sich ein letzter Bestand von Quellmoos und Wiesenpilzen befinden?“

Natura 2000 Gebiet bei Marktleuthen: „Hier im Flora-Fauna-Habitat–Schutzgebiet im Egerbereich ist ein langer Riegel geplant. Hier ist eine Biotopzerstörung zu befürchten. Auch eine geschlossene Querung im Spülbohrverfahren wird zu Beeinträchtigungen führen.“ Wie die Bürgerinitiative weiter schreibt, sind ihre Mitglieder der Ansicht, dass der Übertragungsnetzausbau mit Energiewende verwechselt werde. „Zuerst sollte doch das Verteilnetz in Deutschland ausgebaut werden, da man dies dringend für Strom aus erneuerbaren Energien benötigt. Wahnsinnig teure überdimensionierte Stromautobahnen für Gleichstrom in ganz Deutschland, die die Bürger durch steigende Netzentgelte finanzieren, dienen in erster Linie den Renditen der großen Übertragungsnetzbetreiber. Wir fordern ein Umdenken mit dem Verzicht von großen HGÜ-Leitungen. Eine dezentrale Stromversorgung muss das Ziel sein! Strom muss da verbraucht werden, wo er erzeugt wird.“

Dezentral und kommunal

Der Ukrainekrieg und die Abhängigkeit von anderen Ländern belegten, dass die Energieversorgung dezentral und kommunal eine größere Sicherheit bedeute. Nach Ansicht der BI ist der europäische Binnenmarkt für europaweiten Stromhandel der wahre Grund für den Bau des Südostinks. „Deutschland wird durch diese HGÜ-Trassen der Dreh-und Wendepunkt, die sogenannte Kupferplatte für Europa, damit der Kohle-und Atomstrom weiterfließen kann.“ Für die Mitglieder der Bürgerinitiative ist es ein Widerspruch, dass Deutschland aus der Kohle-und Atomkraft aussteige, man aber gleichzeitig mit den geplanten Trassen ermögliche, dass angrenzende Länder „dreckigen“ Strom quer durch Europa transportierten. Es handle sich dabei nicht wie behauptet um Offshore-Windstrom. „Es ist an der Zeit, damit aufzuhören, den Bürger stets das Märchen vom Windstrom zu erzählen. Tschechien und Frankreich setzen in erster Linie auf Atomstrom, ohne zu wissen, wohin mit dem Atommüll. Nicht zu unterschätzen sind gezielte Cyberangriffe auf die Infrastruktur von großen Stromleitungen“, so die BI.